Privatsphäre-Check bei Facebook: Wer sieht was? Und will ich das?

Privatsphäre-App: Was sieht Freund und Feind bei Facebook? Fotos
Moritz Riesner

Beinahe jeder nutzt Facebook, aber können die Leute auch damit umgehen? Nein, glaubt Wirtschaftsinformatiker Moritz Riesner und entwickelte ein Quiz, das für Privatsphäre sensibilisieren soll. Im Interview erklärt er, warum jeder Herr seiner Informationen bleiben sollte.

SPIEGEL ONLINE: Herr Riesner, mit Ihrer Browser-App "Friend-Inspector" kann jeder prüfen, wie gut er seine Datenschutzeinstellungen bei Facebook kennt. Wozu soll das gut sein?

Riesner: Wir haben eine Diskrepanz festgestellt zwischen dem, was Nutzer auf Facebook anderen zeigen wollen, und dem was sie tatsächlich zeigen. Jeder kann ja einstellen, wer seine Freundesliste sehen kann, wer Fotos und Posts. Nur wissen viele gar nicht, was sie wem zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Wie funktioniert Ihre App?

Riesner: Die App lädt Daten aus dem Facebook-Profil, also Freundeslisten, Fotos, Posts. Dann zeigt sie dem Nutzer eins dieser Elemente und daneben eine Auswahl seiner Facebook-Freunde. Der Nutzer muss diejenigen anklicken, die seiner Ansicht nach die gezeigten Bilder oder Posts sehen können. Für korrekte Antworten bekommt er Punkte und am Ende stehen Tipps, wie er seinen Privatsphärenschutz ausbauen kann.

SPIEGEL ONLINE: Die Privatsphäre-Einstellungen richtig anpassen, kann das nicht jeder?

Riesner: Nein. 64 Prozent der Nutzer würden bei mindestens einem Objekt in ihrem Facebook-Profil die Sichtbarkeit lieber einschränken, bei einem Foto beispielsweise. Offenbar wissen viele nicht, wie das richtig geht. Unser Spiel führt vor Augen: Ihr wollt eigentlich mehr Privatsphäre bei Facebook, als ihr euch selbst eingestellt habt.

SPIEGEL ONLINE: Die Leute zeigen mehr als sie wollen - ist das wirklich ein Problem?

Riesner: Im Wirtshaus kann ich abschätzen, wer mein Gerede mithört, außerdem vergessen die meisten es schnell wieder. Aber im Internet herrscht die Persistenz der Daten, da verschwindet nichts automatisch. Dinge von früher bleiben sichtbar. Füge ich in einer Firma, in der ich anfange, neue Kollegen hinzu, sehen die unter Umständen Fotos oder Posts, die Jahre zurückliegen.

SPIEGEL ONLINE: Dann sehen andere, welche Badelatschen man mit 18 trug. Das ist doch keine große Sache.

Riesner: Normalerweise geraten solche Bilder aber in Vergessenheit. Das Problem liegt in der Verknüpfung verschiedener Lebensbereiche, die nichts miteinander zu tun haben müssen. Muss jeder in ihrer Arbeit wissen, dass Sie privat Gangsterrap hören?

SPIEGEL ONLINE: Was wäre daran denn so schlimm?

Riesner: Schlimm oder nicht schlimm, wir sollten Kontrolle über die Konstruktion unserer Identität haben. Da kommt es in sozialen Netzwerken zu paradoxen Situationen: Man will sich ja mitteilen, aber nicht jeder soll alles erfahren.

SPIEGEL ONLINE: Was ist denn problematischer Inhalt?

Riesner: Das ist per se nicht definierbar, es kommt immer auf den Inhalt und auf den Empfänger an. Was gilt, ist die einfache Regel: Je mehr Postings und je mehr Kontakte, umso schwieriger.

SPIEGEL ONLINE: Schauen Sie sich Facebook-Profile anderer Leute an?

Riesner: Selten. Aber wenn, dann sehe ich oft irgendwelche Kinderfotos von Menschen, die ich eben erst kennengelernt habe. Und ich frage mich: Wollten die Leute das wirklich?

SPIEGEL ONLINE: Ihre App zieht sich Daten aus Facebook-Profilen. Was machen Sie damit, und ist das nicht ein Einfallstor für Missbrauch?

Riesner: Nein, die Daten bleiben auf dem Rechner des Nutzers. Wir wissen nur, wie viele Leute auf die App zugegriffen haben. Außerdem bekommt jeder Nutzer am Ende des Spiels den Hinweis, wie er die App löschen kann.

SPIEGEL ONLINE: Wie steht es zurzeit um ihre Facebook-Verhalten? Hat sich durch die wissenschaftliche Arbeit über das Netzwerk etwas geändert?

Riesner: Seitdem ich promoviere, habe ich weniger Zeit. Meine Forschung zu Identitätsmanagement führte natürlich dazu, dass ich genauer über meine Online-Privatsphäre nachdachte. Ich verbringe heute meine Zeit zielgerichteter auf Facebook und überlege mir, was ich dort will. Außerdem lege ich Listen an und bestimme so genau, welcher Kreis meiner Facebook-Bekanntschaften was sieht. Es ist einfach wichtig, aufzupassen.

HIER den "Friend Inspector" ausprobieren. mehr...

Das Interview führte Mathias Hamann

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Raus da!
W. Robert 09.07.2013
Facebook lässt sich leicht vermeiden: Einfach nicht anmelden. Allerdings bekommt man dann in einer gewissen Altersgruppe vermutlich einen Eintrag ins Personalregister: Facebookverweigerer höchst verdächtig. Es ist ja kein großes Geheimnis, dass manche Konzerne das Facebook-Profil vor einer Einstellung sehen wollen. So weit haben es die Online-Naiven mit ihrer Labersucht also schon gebracht. Facebook: Dislike! http://t1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQwvWe4RToRGOIlkCE2OezqZTUSGDiYd_GDljSsN1bLha9bviPf
2. @raus da
mhock 09.07.2013
Wie wär's mit einem fake-Account, extra für den Chef? man kann auch prima seiner Nachbarin imponieren wenn man seine süßen Haustierchen online stellt. wenn es facebook nicht gäbe, man müsste es erfinden. doch by-the-way: der NSU konnte jahrzehnte (!) lang in Deutschland morden, trotz Volkszählung und Sammelwut der Behörden, aber wenn die Schlapphüte Ihre Kontodaten, Ihre Telefongespräche, Ihren E-mail-Verkehr und alle ihre Pin-Nummern ausspionieren wollen, werden sie das tun, ob Sie nun einen Facebook-Account haben, oder nicht. Das sollte Ihnen zu denken geben!
3. oder auch nicht
cor 09.07.2013
Zitat von W. RobertFacebook lässt sich leicht vermeiden: Einfach nicht anmelden.
Stimmt so nicht ganz. Sie sind im Prinzip ebenfalls bei FB, wenn ein FB-User Ihre Kontaktdaten im Smartphone hat und er FB Zugriff darauf gegeben hat. Sollte meines Erachtens verboten werden, da plötzlich dritte involviert sind. Aber das ist eine andere Diskussion. Ja und? Haltet halt das Profil sauber und alles ist in Ordnung. Man kann alles löschen oder einfach nicht frei schalten. Man kann sich auch selber auf Fotos "enttaggen" oder das taggen schon von vornerein ausschalten. Aber das ist einer der Grundprobleme: Die Leute melden sich an, sind aber einfach nicht bereit, das Profil zu pflegen. oder noch schlimmer, sie wissen gar nicht wie das geht.
4.
dosmundos 09.07.2013
[QUOTE=W. Robert;13173430]Facebook lässt sich leicht vermeiden: Einfach nicht anmelden. Allerdings bekommt man dann in einer gewissen Altersgruppe vermutlich einen Eintrag ins Personalregister: Facebookverweigerer höchst verdächtig. Es ist ja kein großes Geheimnis, dass manche Konzerne das Facebook-Profil vor einer Einstellung sehen wollen. So weit haben es die Online-Naiven mit ihrer Labersucht also schon gebracht. Facebook: Dislike! [QUOTE] Ich fände es auch verdächtig, wenn jemand in einer bestimmten Altersgruppe kein Account bei Facebook hat (keine Freunde? technischer Analphabet? Verschwörungstheoretiker, der auch seine Kinder nicht gegen Masern impfen lässt?). Als Arbeitgeber würde ich von einem fähigen Menschen mittlerweile (nach dem gefühlt tausendsten Bericht über mangelnde Sensibilität beim Datenschutz) erwarten, dass er seinen Account im Griff hat. Es gibt ja durchaus aktivere und weniger aktive Menschen dort - nur wenn jemand Totalverweigerung betreibt, könnte das ein Hinweis sein, dass derjenige auch sonst einen an der Waffel hat.
5.
Willkür 09.07.2013
hab nicht alles gelesen, weil es der x-te Artikel zum immer gleichen Thema ist.. wird auch darauf hingewiesen, dass unabhängig von den Privatsphäre Einstellungen alle einschlägigen Geheimdienste mitlesen? ;)
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    Moritz Riesner, 30, hat gerade seine Promotion in Wirtschaftsinformatik an der Universität Regensburg eingereicht. Er forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter über persönliches Identitätsmangement in sozialen Netzwerken. Facebook nutzt er privat, um Kontakt mit Freunden zu halten - und natürlich, um Fotos vom Urlaub einzustellen.
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