Den Fahrradschlüssel bereits in der Hand, die Gedanken schon beim Supermarkteinkauf oder beim nächsten Seminar, ist der Moment der Erkenntnis ein besonders rüdes Rausreißen aus der Gewohnheit: Oh nein, mein Rad ist weg! Darauf folgt in der Regel ein kurzer Hoffnungsschimmer: Hat es vielleicht jemand einfach um die Ecke gestellt? Habe ich es woanders angeschlossen? Bin ich heute morgen mit der U-Bahn gefahren? Nein, nein, nein, lauten die Antworten. Das Rad wurde geklaut. Das neue, teure, geile Rad. Scheiße.
Martin Jäger ist bereits Profi, was dieses Gefühl betrifft. Dem Maschinenbaustudenten aus Rostock kamen in sechs Semestern fünf Rennräder abhanden, wiederbekommen hat er keines. Vielen seiner Kommilitonen geht es ähnlich. So ein gestohlenes Fahrrad tut vor allem weh, wenn man mal wieder blank ist und kein Auto hat - so wie die meisten Studenten.
Dummerweise sind Uni-Städte besonders attraktive Reviere für Fahrraddiebe. Erstens gibt es viele Räder und damit viele Gelegenheiten, zweitens schaut die Polizei dem Treiben in der Regel hilflos zu: Die Aufklärungsquoten liegen bei nicht einmal zehn Prozent.
Fahrradjäger suchen gestohlene Drahtesel
Martin Jäger hat auf diese Situation keine Lust mehr, er schwört jetzt auf Rache und setzt dabei auf die Macht der Masse. Übers Internet will er Suchtrupps organisieren, gemeinsam mit seiner Freundin Steffi Wulf und dem Programmierer Anton Marcuse hat der 26-Jährige dafür das Netzwerk fahrradjäger.de gegründet. Bestohlene aus ganz Deutschland können hier ihre verschwundenen Drahtesel samt Rahmennummer, Bild oder Modellbeschreibung zur Jagd freigeben.
Aktuell sehen Fahrradjäger auf einer mit "Jagdrevier" überschriebenen Deutschlandkarte über hundert grüne Fadenkreuze. Sie markieren Tatorte, an denen Räder geknackt wurden. Wer Diebesgut aufspürt, dem winkt ein Finderlohn zwischen 20 und 300 Euro. Von immerhin zehn Erfolgsgeschichten berichten die Rostocker Gründer bisher.
Zur Klau-Prophylaxe bieten die Fahrradjäger an, Räder registrieren zu lassen und für fünf Euro einen Codierungs-Aufkleber zu erwerben. Der QR-Code auf dem Klebestreifen soll Diebe abschrecken, da das Rad auf diese Weise eindeutig seinem Besitzer zugeordnet werden kann.
"Je mehr Leute mitmachen und ihre Räder registrieren, desto größer ist die Chance, dass das Rad nach einem Diebstahl nicht für immer verschwunden bleibt", sagt Martin Jäger. Die Polizei mag die Idee: In Rostock wollen die Beamten in Kürze auch ihre eigene Diebstahldatenbank auf fahrradjäger.de veröffentlichen.
In einer zehnteiligen Reihe gibt er einen Uni-Crashkurs und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Studium - natürlich vor der Kamera.
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