Party-Tipps für Studenten: Vermeide den Schmollmund, immer!

Rote Lippen auf einem Foto im Internet: Verführerisch oder peinlich? Zur Großansicht
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Rote Lippen auf einem Foto im Internet: Verführerisch oder peinlich?

Verdammt, jetzt zücken alle ihre Smartphones! Wie verhindere ich Fotos, die mich am nächsten Tag betrunken im Internet zeigen? Die Feier-Experten Sebastian Leber und Nana Heymann raten: Bloß nicht verführerisch gucken.

Irgendeiner kommt immer auf die Idee und greift zur Kamera, wenn die Stimmung gerade irgendwo zwischen "gut drauf" und "fast drüber" ist. Wenn die beste Freundin Sangria aus einem Eimer trinkt. Wenn der Kumpel leidenschaftlich mit einer Fremden züngelt. Oder wenn der Kollege ungelenk auf dem Tresen tanzt. Ein Klick, und der Moment ist festgehalten. Noch ein Klick, und er ist bei Facebook oder Twitter mit einigen hundert, wenn nicht gar tausend Menschen geteilt.

Partyfotos gehören zum Ausgehen wie Ernie zu Bert, der Stachus zu München oder der fehlende Slip zu Paris Hilton. Wer heutzutage feiern geht, muss damit rechnen, im Bild festgehalten zu werden. Von Freunden, anderen Partygästen oder eigens von Veranstaltern engagierten Fotografen, deren Beute man sich dann auf Seiten wie virtualnights.com oder lastnightsparty.com angucken kann.

Irritierend ist beim nachträglichen Revuepassierenlassen solcher Abende die Diskrepanz zwischen Hochgefühl und Ernüchterung. Hat man wirklich geglänzt wie eine Speckschwarte? Fand man es wirklich lustig, sich fürs Foto an die Brüste fassen zu lassen? War man wirklich so besoffen?

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Party-Ratgeber: Bitte eskalieren Sie jetzt!
Die einfachste Möglichkeit, solche Bilder zu vermeiden, wäre natürlich, daheim zu bleiben. Nur so lassen sich mit absoluter Zuverlässigkeit Schnappschüsse verhindern, die einen mit verwirrtem Blick und in zweifelhafter Pose zeigen. Aber das Daheimbleiben ist eine Option mit unbefriedigendem Spaß- und Unterhaltungsfaktor. Sie kommt eigentlich nur für Menschen in Frage, die es wie Peter Licht halten, der in einem seiner Lieder singt: "Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären." Allen anderen ist vielleicht schon mit folgenden Tipps geholfen:

  • Veranstaltungen der Piratenpartei, auf denen im gefühlten Fünf-Sekunden-Takt Fotos geschossen und ins Netz gestellt werden, besser meiden.
  • Um feierwütige Erasmus-Studenten und englische Pub-Crawler einen großen Bogen machen.
  • Ballermann-Motto-Partys aus dem privaten Eventkalender streichen.

Wer sich dem Gruppenbild mit Freunden auf Partys nicht komplett verweigern will, kann auch trotz fortgeschrittener Uhrzeit und fortgeschrittenem Alkoholpegel punkten. Wie geht das?

Wie soll ich gucken?

Am besten so: Die Arme nicht an den Körper pressen, denn dadurch wirken sie unnötig dick; den Oberkörper im 45-Grad-Winkel zur Kamera ausrichten, das macht optisch schlanker; den Kopf leicht anheben, so dass ein in Ansätzen vorhandenes Doppelkinn verschwindet (aber nur so weit, dass einem der Mann hinter der Kamera nicht in die Nasenlöcher gucken kann); den Blick seitlich am Objektiv vorbei ausrichten, das verhindert rote Augen; wer das amerikanische Zahnpastalächeln nicht drauf hat, lässt die Lippen einfach geschlossen und zieht lediglich die Mundwinkel einen Tick hoch - das britische It-Girl Alexa Chung hat diesen Gesichtsausdruck in jahrelanger Übung perfektioniert, die amerikanischen Schauspielerinnen Ashley und Mary-Kate Olsen flüstern Gerüchten zufolge für die richtige Mimik im Moment des Abdrückens das Wort prune, also "Backpflaume ", eine Technik, die im Selbstversuch akzeptable Ergebnisse brachte.

Auf keinen Fall, wir wiederholen: auf keinen Fall, sollte man versuchen, verführerisch zu gucken. Die zu einem Schmollmund verzogenen Lippen, mit denen sich Frauen wie Männer seit einiger Zeit gerne in Szene setzen und die im Englischen als duckface, also "Entengesicht", bezeichnet werden, lassen einen nüchtern betrachtet nicht sexy, sondern grenzdebil wirken.

Des Weiteren ist die Kulisse, in der das Foto entsteht, zu überprüfen. Auf dem Tisch vor einem stehen Dutzende leere Bierflaschen und Cocktailgläser? Dann sollte der Schnappschuss in einem unverfänglicheren Setting aufgenommen werden. Nicht zu unterschätzen ist zudem die Anordnung der Personen innerhalb einer Gruppe. Diese Erfahrung musste eine junge Frau machen, die sich für ein Foto hinter einer stark übergewichtigen Bekannten in einem armfreien Oberteil postierte. Die Aufstellung war so unglücklich, dass der fleischige Oberarm der vorderen Frau aussieht wie der nackte Körper der hinteren.

Wer sich das nicht vorstellen kann, sucht bei Google "Fat arm looks like body". Erwähnten wir eigentlich schon, dass verdrehte Augen, heraushängende Zungen, vom Leib gerissene Anziehsachen und über den Kopf gestülpte BHs indiskutabel sind? Nein? Dann sei hier mit Nachdruck darauf hingewiesen. Und noch was: Handy-Apps wie "Hipstamatic", "Instagram" oder "Pixlr-O-Matic" machen aus Gründen, die wahrscheinlich nur den Entwicklern bekannt sind, immer gute Fotos. Ambitionierte Knipser tun sich, ihren Freunden und deren virtueller Reputation damit einen großen Gefallen.

Wenn all das nichts nützt, dann ja vielleicht das: Die Smartphone-App "Lastnightneverhappened" entfernt kompromittierende Fotos, die man im Delirium auf Facebook oder Twitter hochgeladen hat. Und verschiedene Firmen haben Apps entwickelt, die Bilder von einem selbst dann ausfindig macht, wenn sie nicht beschriftet sind - das Ganze funktioniert über Gesichtserkennung. Automatisch gelöscht werden die Aufnahmen jedoch nicht, man muss sich mit dem Nutzer, der sie online gestellt hat, in Verbindung setzen und ihn darum bitten. Sollte der sich weigern, hilft als Druckmittel vielleicht ein Partyschnappschuss, der ihn sturzbetrunken und sabbernd im Dekolleté einer drallen Blondine zeigt.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Nachts sind alle Katzen blau. Feiern für Fortgeschrittene", erschienen im Goldmann-Verlag.


FEIERN FÜR FORTGESCHRITTENE

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So geht Steilgehen: Soll ich bei Trinkspielen mitmachen? Worüber rede ich beim Flirten? Wie verhalte ich mich auf Partys, wenn mein Partner dabei ist? Held oder Hampelmann - wo sonst ist dieser Grat schmaler als im Nachtleben? Die Feier-Experten Sebastian Leber und Nana Heymann beantworten die wichtigsten Feier-Fragen. mehr...

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
iwakura 31.08.2013
Zitat von sysopVerdammt, jetzt zücken alle ihre Smartphones! Wie verhindere ich Fotos, die mich am nächsten Tag betrunken im Internet zeigen? Die Die Feier-Experten Sebastian Leber und Nana Heymann raten: Bloß nicht verführerisch gucken. Feiertipps für Studenten: Peinliche Fotos im Netz verhindern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/feiertipps-fuer-studenten-peinliche-fotos-im-netz-verhindern-a-891689.html)
Gratuliere, jetzt sehen ihre Partyphotos nicht mehr aus wie sämtliche Photos 2008, sondern wie sämtliche Photos 2012 und dafür mussten Sie nur vermeiden, sich mal für einen Abend locker zu machen. Hat schon seinen Grund, warum immer mehr Läden das Knipsen gleich ganz verbieten.
2. vermummungsverbot
doofnuss 31.08.2013
Zitat von sysopVerdammt, jetzt zücken alle ihre Smartphones! Wie verhindere ich Fotos, die mich am nächsten Tag betrunken im Internet zeigen? Die Die Feier-Experten Sebastian Leber und Nana Heymann raten: Bloß nicht verführerisch gucken. Feiertipps für Studenten: Peinliche Fotos im Netz verhindern - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/feiertipps-fuer-studenten-peinliche-fotos-im-netz-verhindern-a-891689.html)
im zeitalter der handy-knipserei und augenblicklichen bloßstellung im internet, ergeben sich ungeahnte marktchancen für vom theatersterben bedrohte maskenbildner: gesichtsanonymisierung für millionen "feierbiester". schlaue tüftler lassen sich die "einweg maske" gleich patentieren und begründen damit ein neues milliarden-geschäft - dank der smartphones und des internets... . ;-)
3.
Wiedereinaussteiger 31.08.2013
Zitat von doofnussim zeitalter der handy-knipserei und augenblicklichen bloßstellung im internet, ergeben sich ungeahnte marktchancen für vom theatersterben bedrohte maskenbildner: gesichtsanonymisierung für millionen "feierbiester". schlaue tüftler lassen sich die "einweg maske" gleich patentieren und begründen damit ein neues milliarden-geschäft - dank der smartphones und des internets... . ;-)
Nu, da ist doch schon der Tip naheliegend: eine altvenezianische Karnevalsmaske zu tragen. Allerdings wird man sich dann bei Junggesellinnenabschieden davor hüten müssen, dass sie sich hinterrücks verabreden, einem die Maske herunterzureißen und just vom Moment "danach" ein Partyfoto zu machen...
4. Die großen Probleme der Menschheit
romeov 31.08.2013
...irgendwie wird das Leben immer schizophrener.
5. Zum Teufel, wer oder was macht diese Typen
hdudeck 31.08.2013
Zitat von sysopFeiertipps für Studenten: Peinliche Fotos im Netz verhindern - SPIEGEL ONLINE[/url]
zu Feier-Experten?
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Zur Person
  • Doris Spiekermann-Klaas
    Die Buchautoren Sebastian Leber und Nana Heymann arbeiten beide als Journalisten: Sie schreibt unter anderem für den "Tagesspiegel" und das "ZEITmagazin", er arbeitet als Redakteur beim "Tagesspiegel". Seit Jahren berichten beide für die Zeitung über das Berliner Nachtleben - und feiern auch selbst ausgiebig mit.
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