Man sucht sich den Mann, den man liebt, ja nicht nach der Adresse aus. Und der Mann, den man liebt, sucht sich den Arbeitsplatz auch nicht unbedingt nach seiner Freundin aus. Was wir in Ordnung finden, denn wir sind alle jung, emanzipiert, intelligent. Und wollen alle alles: jeder seine Selbstverwirklichung und eine Beziehung dazu.
Wir wohnen zu fünft in unserer Altbauwohnung in Leipzig (einer ist Single). Unsere Partner in Kaiserslautern, London, Ulm und Hangzhou.
Johanna studiert Buchkunst, die beste Schule ist in Leipzig. Ihr Freund Christoph wollte schon immer Theatermaler werden, jetzt hat er einen Ausbildungsplatz. In Kaiserslautern. Der ICE braucht fünf Stunden und zwanzig Minuten, zweimal umsteigen.
Wo die Liebe hinfährt
Manchmal rettet man sich damit, sich selbst abenteuerlich-exotisch zu finden. Zwei Städte, zwei Leben, rumkommen, unterwegs sein - Fernbeziehungen gehören zum mobilen Studentenleben wie Praktika und Erasmus.
Als ich Niklas kennenlernte, dachte ich manchmal: Es passt zu meinem Lebensgefühl, mit Anfang 20 einen Freund zu haben, der Philosophie studiert und in Kreuzberg wohnt. Berlin nannte ich meine Zweitstadt, es gefiel mir so.
Das ist jetzt zwei Jahre her. Leipzig-Berlin, Berlin-Breslau, Leipzig-Hangzhou. Erst 195 Kilometer, dann 347, jetzt weit über 8000. "Wir leben seit zwei Jahren zusammen", würde ich gern sagen. Darf aber das Wort nicht benutzen. Es ist reserviert für Paare, die zusammenleben.
Wir leben getrennt. Gemeinsam.
Es gibt da dieses Gefühl, wenn man sich vorkommt wie ein Paradebeispiel für seine Generation. Generation Fernbeziehung. Generation Globejetter. Wir trotten nicht, wir jetten um die Welt, auch wenn wir das nicht gern hören. Daniel (12.418 Kilometer) fliegt in den Semesterferien zu seiner Raquel nach Chile. Drei Monate Äthiopien, zehn Monate England, ein paar Wochen Kaliningrad, alle sprechen mehrere Sprachen, alle kennen viele Länder, alle haben im Ausland studiert, Praktika gemacht.
Was bei der Generation Globejetter auf der Strecke bleibt
In den letzten 15 Monaten bin ich achtmal umgezogen. Ich habe es aufgegeben, die Fotos meiner Freunde an ihren Wohnort auf einer Deutschland- und Weltkarte zu kleben - das Papier geht durchs viele Abreißen und Umsetzen kaputt.
Der Ausgleich ist eine Hysterie um Alltäglichkeit. Ich bin neidisch auf Beziehungsroutine, auf Normalität, auf Banalität. Darauf, einfach gemeinsam am Frühstückstisch zu sitzen, die nackten Füße auf dem Schoß des anderen, und schweigend Kaffee zu trinken. Man muss nicht immer sprechen, wenn man zusammen ist. Wenn nicht, ist es das einzige was bleibt.
Petra (1276 Kilometer) hat sich noch nicht entschieden, in welcher Sprache sie lieben will: Manchmal Englisch, manchmal Deutsch, manchmal Französisch. Sie haben sich in Frankreich kennengelernt, Petra aus Leipzig und Andy aus Nordirland. Einmal im Monat steigen sie ins Flugzeug, beim Telefonieren schauen sie sich über eine Kamera an. Wenn man gerade erst richtig zusammen war, ist es am schlimmsten.
Letzte Woche hat sich Johanna über den Hochschulaustausch mit Straßburg erkundigt, das ist in der Nähe von Kaiserslautern. Ich buche bald einen Flug nach China. Flexibilität hält nachts nicht warm.
Was mitnehmen, was nicht? Koffer packen: eine Checkliste
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