Rituale auf Festivals: Götter im Dixi, erhöret uns 

Was tun Festivalgäste, wenn sie nicht gerade trinken, tanzen, johlen? Sie werfen sich und andere durch die Gegend, schreien nach Helga und stellen unflätige Schilder auf. Autor Oliver Uschmann hat solche Festivalrituale genau studiert - und die meisten am eigenen Leib ausprobiert.

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Festival-Rituale: Dixi-Sport, Helgaschreie, Crowdsurfen
"Der Typ, der vom Dach des VW-Busses geschleudert wird und sich den Arm bricht, das war ich", sagt Oliver Uschmann, 34. Der Buchautor und Festivalveteran probierte damals unerschrocken das "Quer-durch-die-Gegend-fliegen" aus - ein Festivalritual, das selten ohne Blessuren abgeht.

Seine Recherche führt Uschmann seit Jahren auf große Openair-Events und dort hat er dieses und einige andere merkwürdige Rituale kennengelernt. "Quer-durch-die-Gegend-fliegen" etwa geht so: Männer lassen sich auf Europaletten mit 60 Sachen über einen Platz schleppen oder krallen sich auf einer auf einem fahrenden Bus befestigten Matratze fest - und ab geht's in voller Fahrt über die Wiese - so lange, bis die Fliehkräfte dem Ritt ein unsanftes Ende machen.

Uschmann beschreibt dieses und andere Spektakel in seinem Buch "Überleben auf Festivals - Expeditionen und Rockreich". Er nennt sein Werk "größtenteils biografisch", SPIEGEL ONLINE zeigt Auszüge. Im ersten Teil ging es noch um Besuchertypen, die man auf Festivals antrifft, darunter: Kümmerer, Choleriker, Vandalen.

Im zweiten Teil nun erzählt Uschmann von Amateurstunts auf Autodächern, vom Surfen auf Publikumsmassen, von Schildern, die zu schnellem Sex auffordern - und er ergründet die Herkunft eines mysteriösen Rufs, der mindestens seit grauer Achtziger-Jahre-Vorzeit über Festivalgelände schallt: "Heeeeeeeeelga!"

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
miruwa 04.07.2012
Zitat von sysopSolche Festivials haben mich deshalb nie gereizt. Für das ganze Pack drumherum das man ertragen muss, müsste man mir noch Geld bezahlen, dafür gebe ich keinen Cent aus.
Man kann ja keinen zu seinem Glück zwingen. Festivals sollte man auf jeden Fall besucht haben, bevor der alternde Rücken den Campingspass trübt.
2. kleine Anregung
walter_e._kurtz 04.07.2012
...zum Thema quer-durch-die-gegend-fliegen: Man nehme; einen ollen fuffi-scooter, schweiße ein ca. 4m langes Stahlrohr quer zur Fahrtrichtung an den Rahmen, auf der anderen Seite befestige man eine ausreichend große Öse, durch die man einen (ebenfalls ausreichend großen) Erdnagel in den Grund treibt. Den Umkreis am besten gut wässern! Ich weiß, ist für die Weicheier, aber der Streß mit den Besitzern der planierten Zelten ist geringer, und Knochenbrüche sind auch hier nicht ausgeschlossen!!
3.
Celegorm 04.07.2012
Crowdsurfing ist eigentlich nur in Kombination mit Stagediving vertretbar, sowohl aus Stilgründen wie auch durch den Umstand, dass die Person dann von vorne kommt. Zumal das ja auch der Ursprung des Ganzen ist. Blöderweise sind gerade Festivals mittlerweile ungeeignet dafür, da selbst kleinere Bühnen gefühlte 20 Meter-Gräben haben. Allerdings kein Grund, das mit einer grenzwertigen Light-Version fortleben zu lassen, bei der sich meist irgendein alkoholisierter Brocken hochheben lässt um den arglosen Leuten zwei Reihen weiter ins Genick zu fallen. Als Gegenwehr bleibt eigentlich nur noch, solche Gestalten absichtlich ins Leere fallen zu lassen. Sowieso sind eigentlich all diese "Rituale" so anachronistisch wie phantasielos. "Helga"-Rufer outen sich doch schon seit Langem als vorpubertäre Grünschnäbel oder Leute, die offenbar in den frühen 90ern mal die falschen Drogen erwischt haben. Gilt auch für die neuen "Trends". Ja, es sah witzig aus, als die Beatsteaks den Ring absitzen liessen, aber wenn manche das mittlerweile bei jeder Schnarchnasen-Band dreimal pro Auftritt anzetteln wollen ist es nur noch peinlich. Sowieso scheint man oft den Eindruck zu haben, dass viele so krampfhaft "Spass haben" wollen, dass sie diesen zielsicher nicht erreichen..
4.
kaninchenfurz 04.07.2012
sowas passiert immer nur im Suff ....
5. Helga ...
kranewasser57 04.07.2012
.. wurde das erste Mal Mitte der 80er auf dem damaligen Passauer Open Air auf dem Thingplatz am Oberhaus gesucht. Und zwar während einer Musikpause am hellichten Tag. Als Mitorganisator des Festivals in den ersten Jahren (1980 war das erste, 1998 m.W. das letzte) habe ich das als riesengroßen Spass empfunden, mit dem sich die Besucher in den musiklosen Umbaupausen die Zeit vertrieben haben. In den folgenden Jahren war das dann der "Schlachtruf der Eingeweihten". Ob nun der Erfinder das aus St. Gallen mitgebracht oder von Passau nach St. Gallen exportiert hat - darüber mögen sich andere streiten. Vielleicht gibt es im Netz ja noch jemand, der sich als Teilnehmer in Passau daran erinnert.
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Typologie der Festivalbesucher: Flirter, Jünger, Vandale, Kinnbart

Zur Person
  • Sylvia Witt
    Oliver Uschmann, 34, besucht seit Jahren Festivals im ganzen Land - früher als Fan und nun als Journalist und Schriftsteller. Er hat mehrere Jugendbücher und einen satirischen Männerratgeber geschrieben. Außerdem schuf er gemeinsam mit seiner Frau Sylvia Witt die Romanserie "Hartmut und ich". Das Künstlerpaar wohnt in Herbern in Nordrhein-Westfalen.
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