Flirten mit Labor-Check: Willst du mit mir Gen?
Partnerwahl per Gentest, kann das gut gehen?, fragte Lissy Kaufmann und probierte es aus. Erst Spucke der Kandidaten ins Röhrchen, dann daten, dann warten. Bei sechs hübschen Kerlen sollte der Traumtyp eigentlich dabei sein. Doch Labor-Test und das Treffen in Natura passten nicht zusammen.
So etwas habe ich noch nie gemacht: den Mann gleich beim ersten Date um eine Speichelprobe gebeten. Er soll sich mit einem Wattestäbchen die Wangeninnenseiten entlang fahren.
Eine merkwürdige Situation - und das gleich sechs Mal in zwei Tagen. Denn ich lerne mehrere Männer kennen. Was macht man nicht alles für den Durchbruch in der Liebe. Ab heute soll alles anders werden. Leichter. Eindeutiger. Ich wage den Selbstversuch. Endlich werde ich Gewissheit bekommen, wer wirklich zu mir passt - der Gentest macht es möglich.
Denn der richtige Partner wird am besten im Labor ermittelt. Das sagt zumindest Andreas Reichert, 26. Der Student der Biotechnologe an der TU München bietet diesen Service für suchende Singles an. Die Idee dazu kam dem Studenten vor zwei Jahren. Reichert las wissenschaftliche Artikel über Tests an Mäusen und Zebrafischen. Die Tiere suchen sich den Partner durch Schnüffeln aus. Sie riechen, wer genetisch am besten zu ihnen passt.
Ganz ähnlich machen es auch wir Menschen, ohne es zu wissen. "Olfaktorische Visitenkarte" nennt Reichert den Duft, der uns zum richtigen Partner führt. Der Geruch wird durch eine genetische Struktur des Immunsystems verursacht. Major Histocompatibility Complex (MHC) heißt der Gen-Satz. Je vielfältiger die MHC-Gene, desto effektiver die Abwehr von Krankheitserregern. Mann und Frau mit möglichst unähnlichen MHC-Genen finden sich anziehend. Ihr Nachwuchs ist besser gegen Krankheiten gefeit. Ich habe zwar nicht vor, mit irgendwem in nächster Zeit Kinder zu zeugen. Ein Mann an meiner Seite wäre aber sicher nicht verkehrt.
Als ich zum ersten Mal von Reicherts Geschäftsidee hörte, hielt ich sie für absurd. Ich habe bisher jegliche Single-Plattformen und Single-Partys gemieden. Alles Quatsch, dachte ich, meinen Traummann treffe ich im Café oder beim Joggen im Park, ganz zufällig, ganz ungewollt. Doch noch heute warte ich auf Mister Perfect. Eigentlich bin ich ja ein rationaler, auf Sicherheit bedachter Mensch. Deshalb klingt Reicherts Angebot spannend - eine Laboruntersuchung, die Gewissheit schafft.
Sechs Kandidaten habe ich rekrutiert. Ich habe Freunde angeheuert, in ihrem Bekanntenkreis weiterzufragen. Wer mitmachen darf, entscheide ich nach dem Aussehen, aber nicht nach spezifischen Merkmalen wie blaue Augen oder dunkle Haare. Wenn ich ihn sehe, muss er mir einfach auf Anhieb gefallen. So soll es auch sein, sagt Reichert, schließlich bin ich kein Zebrafisch - und uns Menschen ist das Aussehen nun mal wichtig.
Die Nacht vor dem ersten Dating-Tag schlafe ich unruhig. Ich bin gespannt, habe aber auch ein bisschen Angst. Schließlich weiß ich nicht, wer da auf mich zukommt.
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- Freitag, 01.04.2011 – 13:09 Uhr
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(Un-)Klartext
Das Magazin der deutschen Journalistenschule.
Nummer 22.
wissenschaft studiert, ein Semester in den USA verbracht und die 48. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule absolviert. Sechs Dates in zwei Tagen und ihre genetische Kompatibilität mit den Gedateten absolvierte sie für "Klartext", das Magazin der deutschen Journalistenschule. Kaufmann arbeitet als freie Journalistin in München.
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