Von Christoph Titz
Die Speisekarte der Leipziger "Mensa am Park" für Studenten und Mitarbeiter liest sich wie die eines sehr ordentlichen Restaurants. Am Freitag standen auf der Karte: Straußengulasch mit Kroketten und Brokkoli, Pangasiusfilet im Brotteig mit Schotengemüse, Schweinekammsteak in Senf-Zwiebel-Kruste - oder für die Vegetarier Kartoffeltaschen mit Frischkäsefüllung.
Klingt lecker, dachten wohl auch einige Fußballer des lokalen Viertligaclubs Rasen Ball Leipzig - und essen darum gelegentlich in der schicken neuen Mensa in der Innenstadt zu Mittag. Rasen Ball (kurz RB) allerdings ist nicht irgendein mickriger sächsischer Dorfverein. Im Kader stehen auch ehemalige Erstligaprofis wie Ingo Hertzsch und Timo Rost, die Kicker dürften anständige Gehälter beziehen, denn Geldgeber des Clubs ist der große Getränkekonzern Red Bull.
Das erklärt auch den sonderbaren Namen Rasen Ball und das Kürzel RB: "Red Bull Leipzig" durfte der Verein nicht heißen, also wählte man eine möglichst ähnliche Variante. Der Investor hat Großes vor und will die Mannschaft auf einen Durchmarsch in die erste Bundesliga schicken. Vorbild: TSG 1899 Hoffenheim. Doch die Spieler, so scheint es, bleiben vorerst bodenständig. Sie essen weiter sparsam - und offenbar sogar zum Studentenpreis von 1,50 Euro fürs Hauptgericht.
Eine Geschichte mit Geschmäckle, finden Studentenwerk und Leipzigs Mensamitarbeiter. "Gästekarten vergeben wir nicht an Einzelpersonen", sagte Frank Kießling, Geschäftsführer des Studentenwerks Leipzig der "Leipziger Internet-Zeitung". Und bar bezahlen kann man in der Mensa gar nicht.
Devote Fans? Sportstudenten sollen Essenkarten weitergegeben haben
Folglich müssen die Spieler an Studenten-Chipkarten gekommen sein. So bezahlen sie weniger als etwa die Mensamitarbeiter, die das Essen zu einem höheren Preis kaufen müssen, obwohl sie es erst selbst kochen und im Anschluss das Geschirr spülen - für die Studenten und auch für ein paar Profifußballer. In der Mensa am Park seien mindestens fünf RB-Kicker gesichtet werden, so die "Leipziger Internet-Zeitung".
Studenten hatten berichtet, die Spieler hätten die Geldkarten wohl von Sportstudenten zugesteckt bekommen und dann untereinander weitergereicht. Das wertet das Studentenwerk als "Subventionsbetrug", weil der Staat ja das Studentenfutter aus Steuergeldern mitfinanziert, und will sogar die Studenten anzeigen, die ihre Karte an die Sportler weitergegeben haben.
Fußballtrainer Thomas Oral verteidigt die Mensa-Besuche seiner sparsamen Spieler. "Einerseits wird immer gesagt, dass die Profis zu viel Geld raushauen. Und wenn sie dann sparsam sind, ist es auch wieder nicht in Ordnung", sagte der RB-Leipzig-Coach der "Leipziger Volkszeitung". Allerdings sollten sich die Spieler ihr Essen legal besorgen und nicht unerlaubt per Studententicket speisen gehen. "Wenn alles korrekt abläuft, spricht nichts gegen ein Essen in der Mensa", sagte Oral.
Um gigantische Summen geht es sicher nicht, aber ein Mensakoch findet die Besuche der Mitesser nicht in Ordnung. Er selbst muss für sein Essen mehr zahlen als die Berufsfußballer. Er sei kein Fan und habe darum kein Verständnis für die Uni-fremden Spieler an seinen Fisch-, Fleisch- und Gemüsetöpfen. "Ich schaue Fußball nur zur WM. Und dass die hierher kommen, um billig zu essen, kann doch wohl nicht sein", sagte der Koch SPIEGEL ONLINE.
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