Fußballprofis als Mensa-Schnorrer: Studentenfutter verleiht Flügel

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Wenn's Leckereien auf die Gabel gab, reihten sich Profikicker in die Schlange ein und speisten günstig in der Mensa. Die Fußballer von RB Leipzig, finanziert von Red Bull, bekamen offenbar Essenskarten von Studenten zugesteckt. Das Studentenwerk ist sauer und vertreibt die Mitesser.

Mmmmmhhh, Mensa: In Leipzig futtern sich Berufsfußballer zu Studentenpreisen durch Zur Großansicht
dpa

Mmmmmhhh, Mensa: In Leipzig futtern sich Berufsfußballer zu Studentenpreisen durch

Die Speisekarte der Leipziger "Mensa am Park" für Studenten und Mitarbeiter liest sich wie die eines sehr ordentlichen Restaurants. Am Freitag standen auf der Karte: Straußengulasch mit Kroketten und Brokkoli, Pangasiusfilet im Brotteig mit Schotengemüse, Schweinekammsteak in Senf-Zwiebel-Kruste - oder für die Vegetarier Kartoffeltaschen mit Frischkäsefüllung.

Klingt lecker, dachten wohl auch einige Fußballer des lokalen Viertligaclubs Rasen Ball Leipzig - und essen darum gelegentlich in der schicken neuen Mensa in der Innenstadt zu Mittag. Rasen Ball (kurz RB) allerdings ist nicht irgendein mickriger sächsischer Dorfverein. Im Kader stehen auch ehemalige Erstligaprofis wie Ingo Hertzsch und Timo Rost, die Kicker dürften anständige Gehälter beziehen, denn Geldgeber des Clubs ist der große Getränkekonzern Red Bull.

Das erklärt auch den sonderbaren Namen Rasen Ball und das Kürzel RB: "Red Bull Leipzig" durfte der Verein nicht heißen, also wählte man eine möglichst ähnliche Variante. Der Investor hat Großes vor und will die Mannschaft auf einen Durchmarsch in die erste Bundesliga schicken. Vorbild: TSG 1899 Hoffenheim. Doch die Spieler, so scheint es, bleiben vorerst bodenständig. Sie essen weiter sparsam - und offenbar sogar zum Studentenpreis von 1,50 Euro fürs Hauptgericht.

Eine Geschichte mit Geschmäckle, finden Studentenwerk und Leipzigs Mensamitarbeiter. "Gästekarten vergeben wir nicht an Einzelpersonen", sagte Frank Kießling, Geschäftsführer des Studentenwerks Leipzig der "Leipziger Internet-Zeitung". Und bar bezahlen kann man in der Mensa gar nicht.

Devote Fans? Sportstudenten sollen Essenkarten weitergegeben haben

Folglich müssen die Spieler an Studenten-Chipkarten gekommen sein. So bezahlen sie weniger als etwa die Mensamitarbeiter, die das Essen zu einem höheren Preis kaufen müssen, obwohl sie es erst selbst kochen und im Anschluss das Geschirr spülen - für die Studenten und auch für ein paar Profifußballer. In der Mensa am Park seien mindestens fünf RB-Kicker gesichtet werden, so die "Leipziger Internet-Zeitung".

Studenten hatten berichtet, die Spieler hätten die Geldkarten wohl von Sportstudenten zugesteckt bekommen und dann untereinander weitergereicht. Das wertet das Studentenwerk als "Subventionsbetrug", weil der Staat ja das Studentenfutter aus Steuergeldern mitfinanziert, und will sogar die Studenten anzeigen, die ihre Karte an die Sportler weitergegeben haben.

Fußballtrainer Thomas Oral verteidigt die Mensa-Besuche seiner sparsamen Spieler. "Einerseits wird immer gesagt, dass die Profis zu viel Geld raushauen. Und wenn sie dann sparsam sind, ist es auch wieder nicht in Ordnung", sagte der RB-Leipzig-Coach der "Leipziger Volkszeitung". Allerdings sollten sich die Spieler ihr Essen legal besorgen und nicht unerlaubt per Studententicket speisen gehen. "Wenn alles korrekt abläuft, spricht nichts gegen ein Essen in der Mensa", sagte Oral.

Um gigantische Summen geht es sicher nicht, aber ein Mensakoch findet die Besuche der Mitesser nicht in Ordnung. Er selbst muss für sein Essen mehr zahlen als die Berufsfußballer. Er sei kein Fan und habe darum kein Verständnis für die Uni-fremden Spieler an seinen Fisch-, Fleisch- und Gemüsetöpfen. "Ich schaue Fußball nur zur WM. Und dass die hierher kommen, um billig zu essen, kann doch wohl nicht sein", sagte der Koch SPIEGEL ONLINE.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
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1. So ein sinnloser Artikel ...
leberkayse 30.07.2010
... denn halb Leipzig ist in der Mensa. Und da kann keiner erzählen, dass sei nicht allgemein bekannt. Mitarbeiter verschiedenster Firmen, welche in der City angesiedelt sind erliegen der Versuchung relativ günstig gut essen zu gehen. Es gibt überall ehemalige Studenten, die Ihren alten Studentenausweis verwenden um nicht die teuren Gastpreise zahlen zu müssen. Selbst nach einer Exmatrikluation kann man noch ewig mit dem alten Ausweis zahlen. Und natürlich wird davon auch Gebrauch gemacht... Wieso also den paar Hanseln von RB den schwarzen Peter zu schieben. Für mich wäre die sinnvollste Lösung die Gültigkeit der Ausweise/Mensakarten sinnvoll zu regeln. Bezahlt wird ja schließlich elektronisch,
2. .
johnndoley 30.07.2010
In einem anderen Land hätte der Mensa-Koch stolz gesagt: Wenn Spitzensportler hier essen, dann beweist dies, dass unsere Essens erstens lecker und zweitens gesund ist! Technisch/juristisch mag er mit seiner Kritik ja recht haben, aber ab und zu sollte man vielleicht auch mal fünfe gerade lassen...
3. Der Koch hat Recht
Mutige 30.07.2010
Der Koch hat Recht finde ich, er wird für seine harte !!! Arbeit in der Mensa nicht so gut bezahlt und mit Anerkennung beschenkt wie die Fußballprofis - und es wundert mich nicht, dass er auf soetwas sauer reagiert, dass ausgerechnet diese Herren sich da durchschnorren, zumal er wohl selber nichtmal Zeit fürs Mittagessen tagsüber findet... Es ist ja so in einer Mensa. Habe in einer als Studi gejobbt.
4. -
Mulharste, 30.07.2010
Zitat von leberkayse... denn halb Leipzig ist in der Mensa. Und da kann keiner erzählen, dass sei nicht allgemein bekannt. Mitarbeiter verschiedenster Firmen, welche in der City angesiedelt sind erliegen der Versuchung relativ günstig gut essen zu gehen. Es gibt überall ehemalige Studenten, die Ihren alten Studentenausweis verwenden um nicht die teuren Gastpreise zahlen zu müssen. Selbst nach einer Exmatrikluation kann man noch ewig mit dem alten Ausweis zahlen. Und natürlich wird davon auch Gebrauch gemacht... Wieso also den paar Hanseln von RB den schwarzen Peter zu schieben. Für mich wäre die sinnvollste Lösung die Gültigkeit der Ausweise/Mensakarten sinnvoll zu regeln. Bezahlt wird ja schließlich elektronisch,
Ersten passt halb Leipzig gar nicht in die Mensa und wohnt üblicherweise zur Miete .-) Da ich aber davon ausgehe, dass Sie meinten: Halb Leipzig isst in der Mensa muß ich Ihnen trotzdem widersprechen, es sind tatsächlich nur Studenten, Mitarbeiter der UNI, Gäste oder eben Subventionsbetrüger, die ich auch in eigenen Reihen habe und dafür jedesmal beschimpfe. Es ist nicht nur Betrug am Stueerzahler, sondern alle Restaurants (die ab 3,90€ ringsrum Mittagstisch anbieten) kämpfen erbittert ums überleben, weil einige Obersparlinge lieber nur 2,80€ ausgeben. Dann schmiert euch Bemmen! Und warum nicht RB den schwarzen Peter zuschieben? LOK oder Chemie Leute habe ich dort nicht erwähnt gefunden. Wie heisst es so schön inder Kurve... Kämpfen heisst: mit Müh und Schmerz und nicht durch den Scheiß Kommerz! Football is 4 U & me, not for fuckin´ industrie... /polemik
5. lieber christoph
äh? 30.07.2010
ich sage nur eins: sack reis - china. ich wusste garnicht, dass die lok-chemie-allianz bis zum spiegel durchgedrungen ist, um rb mies zu machen. und wenn schon. es gibt sicher wichtigere dinge aus leipzig zu berichten und sowas gehört eher in den lokalteil der lvz. dass hinz und kunz dort verbilligt essen geht, wissen die verantwortlichen doch schon lange. meine mensacard liegt übrigens auch noch irgendwo rum...
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