Aggro Berlin: Attacke auf Studenten mit Haft bestraft

Der Ton ist rauh in der Hauptstadt: "Scheiß Studenten" und "Yuppies", so pöbelte ein 22-Jähriger in Berlin zwei junge Männer an. Und er attackierte sie mit Tränengas. Ein Gericht hat den bereits Vorbestraften nun zu 20 Monaten Haft verurteilt.

Wut auf Hipster: Berlin, du kannst so hässlich sein Fotos
DPA

Ach Berlin, du hast es nicht leicht. Irgendwie willst du Weltstadt sein und modern und hip, doch irgendwie nerven dich die Touristen und Zugezogenen und Hipster. Und dann wirst du mitunter ganz schön ausfallend, es wird gepöbelt und geschimpft, es werden Farbbeutel geworfen und Scheiben eingeschlagen: Berlin, du kannst so hässlich sein.

Nun stand in der vergangenen Woche ein Mann vor Gericht, 22 Jahre alt, der sich selbst als Redskin sieht, als linker Skinhead, wie "Tagesspiegel" und "taz" berichten. Er hatte demnach zwei Studenten als "Yuppies" und "scheiß Studenten" beschimpft und sie mit Tränengas angegriffen. Den Berichten zufolge räumte der Mann ein, sich im vergangenen Dezember nach einem Streit mit seiner Freundin betrunken und Kokain konsumiert zu haben. Dann habe er in der Straßenbahn seiner Wut freien Lauf gelassen. Er entschuldigte sich vor Gericht. Eins der Opfer, ein 30-jähriger Journalistikstudent, sagte der "taz", er glaube nicht an einen Ausrutscher: "Das wirkte mehr wie eine Haltung."

Das wies der Angeklagte den Berichten zufolge zwar zurück, sein "Ausraster" habe mit Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun. Doch fiel das Urteil trotzdem hart aus: 20 Monate Haft. Denn der Mann war vorbestraft, laut "Tagesspiegel" finden sich in seinem Strafregister neun Einträge, darunter Betrug, Bedrohung und Diebstahl.

Dass die Pöbelei gegen Hipster, Studenten und Zugezogene und das Klagen über Gentrifizierung manchmal nur ein Ventil für Frust ist, zeigt ein Detail des Falles: Der mittlerweile verurteilte Mann pöbelte zwar gegen Zugezogene, stammt aber selbst nicht aus Berlin, sondern aus Brandenburg.

Mittlerweile formiert sich allerdings auch Widerstand gegen die Hipster-Gegner. Kürzlich berichtete die "Berliner Zeitung" über die "Hipster Antifa Neukölln", einen Teil der linken Szene, die Übergriffe auf Touristen und Zugezogene dokumentiert, sowohl Beleidigungen wie körperliche Angriffe. Mit dem gezielt provokanten Slogan "Für die Aufwertung der Kieze - für mehr Bars, Soja-Latte, Wi-Fi und Bio-Märkte" kritisieren sie die herbe Gentrifizierungs-Kritik.

otr

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insgesamt 49 Beiträge
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1. freundlichkeit und sprachpflege
yeruku 18.08.2012
was wollen sie? hier in berlin hat man eben ein anderes verständnis von höflichkeit. frauen wird in berlin mitte grundsätzlich "nutte" hinterhergerufen. und wenn jemand auf dem gehsteig unvermittelt "asoziales arschloch" zu ihnen sagt, dann ist das vermutlich der nett gemeinte versuch einer kontaktaufnahme. bekanntermaßen kommen die höflichsten, weltoffensten und intelligentesten leute in berlin aus brandenburg. dort werden auch z.b. längst aus der mode gekommene bezeichnungen wie "neger" noch gerne verwendet. das nennt man sprachpflege.
2. Gentrifizierung
Illya_Kuryakin 18.08.2012
Für die nächste Wahl zum Unwort des Jahres könnte man "Gentrifizierung" gerne mit in die engere Auswahl nehmen. Ich kann es nicht mehr hören!!!
3. Berlin ist ein Grossdorf
hartholz365 18.08.2012
Solche Feindbilder kennt man eigentlich nur von früher auf dem Land. Damals verprügelte man dann die Leute die sich sich aus dem Nachbardorf A ins verfeindete Dorf B verirrt hatten. Aufm Land gibts sowas heute m.W. nicht mehr aber in der Weltstadt Berlin, dort pflegt man noch solch hinterwäldlerische Bräuche.
4. Desozialisiertes Berlin!
PARANRW 18.08.2012
Es istg doch keine Überraschung, dass es in Berlin zu derartigen Ausfällen kommt. Berlin, Ost wie West hatte vor der Wende immer eine privilegierte Sonderstellung vor dem Gesetz und vor der Gesellschaft. Was Wunder, dass nun, als "normale" Stadt und mithin Hauptstadt gewisse Privilegien gefallen sind. Dennoch ist es weiter ein Sammelbecken asozialen, halbgebildeten sogenanntem Bürgertum, mal rot, mal schwarz, mal braun gefärbt. Aber asozial. siehe die Inkompetenz der Aufsichtsratsmitglieder des neuen Flughafens, der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken. Berlin ist weder eine Metropole noch sind seine Bewohner integer. Gehen Sie nach London, Singapore, Kuala Lumpur, dort werden Sie die Bedeutungslosigkeit und die Asozialität Berlins körperlich spüren....
5.
eduardschulz 18.08.2012
Zitat von PARANRWEs istg doch keine Überraschung, dass es in Berlin zu derartigen Ausfällen kommt. Berlin, Ost wie West hatte vor der Wende immer eine privilegierte Sonderstellung vor dem Gesetz und vor der Gesellschaft. Was Wunder, dass nun, als "normale" Stadt und mithin Hauptstadt gewisse Privilegien gefallen sind. Dennoch ist es weiter ein Sammelbecken asozialen, halbgebildeten sogenanntem Bürgertum, mal rot, mal schwarz, mal braun gefärbt. Aber asozial. siehe die Inkompetenz der Aufsichtsratsmitglieder des neuen Flughafens, der Fisch beginnt immer am Kopf zu stinken. Berlin ist weder eine Metropole noch sind seine Bewohner integer. Gehen Sie nach London, Singapore, Kuala Lumpur, dort werden Sie die Bedeutungslosigkeit und die Asozialität Berlins körperlich spüren....
Wenn ich das Glück hätte, in solche Städte reisen zu können, dann würde ich ganz sicher eines NICHT tun. An Berlin denken.
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