Globale Beziehungskisten: Erst lieben, dann leiden

Von Nicole Basel

Unsere Mütter und Väter turtelten noch mit Dirk und Susi von nebenan. Wir flirten mit Diego aus Mexiko, Yuki aus Japan oder Sameh aus Ägypten. Und plötzlich spricht man über islamgerechte Hochzeitskleider oder die Zubereitung von Algen. Und die Frage: Wie weit will ich für die Liebe gehen?

Eigentlich ist es zwischen Matthew und Sandrine ganz einfach: Sie sind verliebt. Sehr sogar. Sie sehen sich täglich, manchmal gucken sie DVD zusammen, oft frühstücken sie gemeinsam, ab und an verabreden sie sich zum Tee. Dann träumen sie von der Zukunft, von gemeinsamen Reisen und innigen Küssen im Sonnenuntergang.

Und abends, da nimmt Sandrine ihren Matthew mit ins Bett. Dann zieht sie den Stecker raus, stöpselt ihn am Bett wieder ein, schlägt die Decke zur Seite und stellt ihren Freund neben sich.

Sandrines und Matthews Liebe besteht derzeit aus einem Datenstrom zwischen zwei Laptops, aus zwei pixeligen Skype-Videobildern und aus der Hoffnung, sich bald wiederzusehen. Bis dahin trägt Sandrine ihren Computer durch die Wohnung. Zum Sofa, zum Frühstückstisch und abends ins Bett. Morgens weckt Matthew Sandrine nicht mit einem Kuss, sondern über Skype, das beide die ganze Nacht laufen lassen. Sie kaufen sich DVDs immer doppelt, damit sie zusammen Filme schauen können: er in Dubai, sie in Hamburg.

Sandrine hat sich das nicht ausgesucht, genauso wenig wie Johannes, Jenni, Tina und Alexandra. Niemand mag Fernbeziehungen. Keiner von ihnen wollte sich je Gedanken machen über Roamingpreise, Billigflüge oder arabische Grammatik. Und erst recht nicht über Visa und Regeln zum Ehegattennachzug.

Erasmus steht für Anbandeln und unverfängliches Rumknutschen

Schuld ist das Auslandsstudium, die Weltreise, der Ferienjob als Animateurin. Oder wie bei Sandrine das Praktikum in Dubai, eine Party am Strand und Matthew, ein Engländer mit strahlendem Lächeln.

Wir reisen durch die Welt, treffen Menschen aus anderen Ländern, anderen Kulturen. Allein mit Erasmus, dem Austauschprogramm der Europäischen Union, gehen jedes Jahr mehr als 30 000 deutsche Studenten ins Ausland. Gut 47 Millionen Euro fließen dafür vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Wie sich die Weltenbummelei auf unser Liebesleben auswirkt, hat noch niemand untersucht.

Denn nirgendwo sind Anbandeln und unverfängliches Rumknutschen so einfach wie in internationalen Studentenwohnheimen, ob in Rom oder in Helsinki. Unterwegs im Auftrag der grenzüberschreitenden Bildung wird geflirtet und fremdgegangen.

Doch wenn aus Spaß Ernst, aus Flirten Liebe wird, dann sitzt man plötzlich im Flugzeug, und es fliegt in die falsche Richtung. Es fliegt nach Hause, weg von dem, bei dem man so gern wäre. Im Kopf rotieren dann die offenen Fragen. Roamingpreise. Visaregeln.

  • Wo die Liebe hinfährt - vier Liebesgeschichten zwischen Deutschland und Japan, Portugal, Ägypten, Mexiko...

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Globale Liebe ist eine Bereicherung von wegen Leiden
herbert 09.07.2010
Die Technik hat es möglich gemacht, dass man eine wunderbare Frau oder Mann auf der Welt finden kann. Somit finden sich heute glücklich verheiratete Paare, Er oder Sie Deutsch, in Australien, USA, Mauritius oder sonst wo auf der Welt wieder. Was in anderen Ländern normal ist, ist in Deutschland ein Kreuzweg. Beispiel: Mann verliebt sich in eine Frau auf Mauritius. Die Frau, oft französische Abstammung spricht perfekt Englisch und Französisch. Also die Sprachen, die man in der weltweiten Geschäftswelt braucht. Der Mann heiratet die Frau und sie bekommt ein Kind. Er will sie mit nach Deutschland nehmen! Das geht aber nur für drei Monate! Warum ? Die Frau spricht kein oder wenig Deutsch! Nach drei Monaten muss sie mit dem Kind wieder ausreisen. Die Frau muss nun einen Deutsch Lehrgang beim Goethe Institut belegen mit Prüfung. Grundlagen Deutsch, eine Erfindung von SPD und CDU CSU ! Ist in dem Land kein Goethe Institut vorhanden, rät Deutschland, der Frau doch Bücher zu schicken. Im Klartext, die Frau kommt nicht nach Deutschland, wenn sie keinen Sprachkurs erfolgreich hat. Doch jeder wird bestätigen, Deutsch lernt man am Besten im Heimatland und auch an den hiesigen Schulen. Diese alte Weisheit will aber nicht in den mittelalterlichen Köpfen der CDU CSU. Die Partei und leider die SPD auch verhält sich Rassistisch ! Ein Europäer im Ausland, der kein Deutsch spricht darf in Deutschland bleiben. Dise menschenverachtende Regelung ist einmalig (DEUTSCH) in der Welt. Mittlerweile meiden Ausländer Deutschland ! Darum man hüte sich, sich im Ausland zu verlieben. Wenn ja, man sollte dort bleiben, denn andere Länder haben diese Macke nicht. Die Technik schafft Verbindungen und die Flieger bringen uns überall hin. Geiheimtip ! Es gibt Länder weltweit, die eine höhere Lebensqualität haben wie Deutschland, wo kein Staat die eigenen Bürger so massiv gängelt.
2. Meines Erachtens ....
zaddiksaba 09.07.2010
kann es schwierig werden, wenn die Kulturen zu divergent sind. Ich glaube, dass manche etwas naiv in solche Beziehungen gehen. Weiß Tina beispielsweise, dass in Ägypten 95% der Mädchen an den Genitalien verstümmelt sind, sie als Nicht-Muslima keinen Anspruch auf Rente hat und im Falle einer Scheidung dem Mann das Sorgerecht zugesprochen wird. Da wird der Traum aus 1001 Nacht schnell zum Albtraum. Ich möchte nicht pauschalisieren, aber ich denke, dass solche Beziehungen im höchsten Maße problematisch sind. Ich hätte jedenfalls spätestens bei der Geburt einer Tochter Angst. Der Mann mag vielleicht progressiv sein und den Ritus der Beschneidung ablehnen, aber die gesellschaftlichen Zwänge sind nun einmal sehr stark.
3. Stimmt nicht
MaliMali 09.07.2010
Zitat von herbertDise menschenverachtende Regelung ist einmalig (DEUTSCH) in der Welt. Mittlerweile meiden Ausländer Deutschland ! Darum man hüte sich, sich im Ausland zu verlieben. Wenn ja, man sollte dort bleiben, denn andere Länder haben diese Macke nicht.
Ein hollaendischer Kollege konnte seine malische Frau auch erst in die Niederlanden mitnehmen, nachdem sie einen entsprechenden Sprachtest erfolgreich absolviert hat.
4. Meine Grossmutter
marypastor 09.07.2010
Zitat von sysopUnsere Mütter und Väter turtelten noch mit Dirk und Susi von nebenan. Wir flirten mit Diego aus Mexiko, Yuki aus Japan oder Sameh aus Ägypten. Und plötzlich spricht man über islamgerechte Hochzeitskleider oder die Zubereitung von Algen. Und die Frage: Wie weit will ich für die Liebe gehen? http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,698128,00.html
hat immer gesagt: "Junge, heirate die Tochter deines Nachbarn. Die kennt dich seit klein an, kocht wie deine Mutter, spricht deine Sprache und spielt im selben Hockey-Club. Da kann nichts schief gehen." Da ist was dran. Ich habe viele junge Deutsche gesehen, die als Junggesellen ins Ausland geschickt wurden, da einheimischen Frauen in die Haende fielen, sie heirateten und dann nach Deutschland brachten. 90 % dieser Ehen ging schief. Die Entscheidung, sich mit einer Exotin zu verheiraten basiert meistens auf dem Hormon-Level und einem Sensationsgefuehl, was bei jungen Maennern um die 25-30 nun mal ueblich ist.Bei Frauen gibt es keine Hormone. Hier geht es nur um soziale Absicherung. Die wichtigen Dinge wie Erziehung und Bildung, soziales Niveau, Muttersprache, Religion und Traditionen, Familie, Freundeskreis, all das, was fuer eine dauerhafte Ehe wichtig ist, bleiben unbeachtet und sind spaeter der Grund fuer das Scheitern dieser Mix-Ehen.
5. Ein grundlegendes Verstaendnis der anderen Kultur
MaliMali 09.07.2010
ist schon sehr wichtig. Ich vermute, dass bikulturellen Beziehungen am besten funktionieren, wenn beide Partner mal im Land des anderen gelebt haben, und das am besten mehrere Jahre. Jeder ist doch sehr von seiner eigenen Kultur gepraegt und ein bisschen Urlaub oder ein paar Monate Aufenthalt reichen leider nicht, um den anderen wirklich verstehen zu koennen. Und es braucht auch die Bereitschaft, sich von einigen eigenen Verhaltens- und Denkweisen zu verabschieden. Aus einem Aegypter wird in den seltensten Faellen ein Deutscher und ein Deutscher wird in den seltensten Faellen seine deutsche Kultur ueber Bord werfen, um sich komplett einer anderen Kultur anzupassen. Wenn Kompromisse von BEIDEN Seiten her moeglich sind, kann eine solche bikulturelle Beziehung sehr gut funktionieren und sehr bereichernd sein. @Marypastor: Machen wir uns mal nichts vor: wieviele Beziehungen haben wir schon mal gehabt, die alle durch die Bank weg scheiterten? Sicher sind bikulturelle Beziehungen nochmal einen Zacken schwieriger, aber das Zusammenleben von Frau und Mann ist oftmals schon innerhalb der eigenen Kultur nicht einfach zu managen. Bei mir waren es 100% gescheiterte Beziehungen mit Deutschen, bevor ich meinen malischen Mann kennenlernte - wir sind jetzt schon seit mehreren Jahren sehr gluecklich zusammen und ich wuerde ihn fuer nichts in der Welt wieder hergeben. Und auch wenn eine solche Beziehung kaputt geht, heisst das doch nicht, dass dies nur negativ einzuschaetzen sei.
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