Deutsche Burschenschaft: Ramsauer-Burschenschaft verlässt Dachverband

Burschenschafter in Eisenach: Austritte bedeuteten auch finanzielle Einbußen Zur Großansicht
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Burschenschafter in Eisenach: Austritte bedeuteten auch finanzielle Einbußen

Auch ihnen war der Rechtsruck in der Deutschen Burschenschaft zu viel: Die Münchner Franco-Bavaria ist aus dem Dachverband ausgetreten. Der Abschied der großen Verbindung trifft die DB hart - auch weil Bundesverkehrsminister Ramsauer den Münchnern angehört.

Sie ist bereits die Nummer 17, die die Deutsche Burschenschaft (DB) im letzten Vierteljahr verlassen hat: Mit der nach eigenen Angaben weit über 300 Mann starken Münchner Burschenschaft Franco-Bavaria ist nun auch die größte Burschenschaft innerhalb des Dachverbands ausgetreten. Das bestätigte deren stellvertretender Bundesvorstand, Ansgar Moos, am Dienstag.

Laut Franco-Bavaria-Mitglied Gerhard Heimerl haben bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Samstag mehr als 90 Prozent für den Austritt gestimmt. Als Grund für den Austritt nannte er rechtsextreme und rassistische Äußerungen einzelner Mitglieder anderer Mitgliedsburschenschaften. Der Verband habe es nicht geschafft, "sich von diesen Leuten zu trennen", so Heimerl zu SPIEGEL ONLINE. Daraus habe die Franco-Bavaria nun die Konsequenz gezogen. Heimerl ist emeritierter Professor für Eisenbahn- und Verkehrswesen und erarbeitete in den achtziger Jahren die sogenannte Heimerl-Trasse, aus der das Projekt Stuttgart 21 hervorging.

Die DB verliert damit eine der größten deutschen Burschenschaften und mit ihr auch den ranghöchsten Politiker einer Burschenschaft, Verkehrsminister Peter Ramsauer. Der Minister hatte sich in der Debatte über rechtsradikale Tendenzen auch öffentlich auf die Seite der Liberalen gestellt. In einem offenen Brief, der Anfang 2011 die Abwahl des damaligen Schriftleiters der DB, Norbert Weidner, forderte, war Ramsauer einer von rund 600 Unterzeichnern.

Vor der Münchner Franco-Bavaria haben bereits 16 Burschenschaften die Notbremse gezogen. Der Exodus begann im vergangenen November mit der Kölner Burschenschaft Wartburg. Im DB war es zwischen liberaleren und extrem konservativen Mitgliedern zu einem Zerwürfnis gekommen. Der liberalere Flügel wehrte sich gegen den wachsenden Einfluss völkischer und rechtsextremer Funktionäre in der DB. Auf dem Burschentag in Eisenach 2012 kam es dann zum Eklat. Beim folgenden Sonder-Burschentag konnten sich die Rechten endgültig durchsetzen. Daraufhin verließen zahlreiche liberalere Burschenschaften die DB, die dadurch noch mehr nach rechts rückt.

seh

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