Guerilla-Kunst: Student hängt sein Werk ins Nationalmuseum

Bis es ihre Werke in große Museen schaffen, ist es für junge Künstler oft ein weiter Weg. Ein polnischer Kunststudent nahm eine Abkürzung und schmuggelte sein Bild zwischen berühmte Exponate. Der Museumschef ließ es entfernen und will das Geschenk nicht behalten.

Guerilla-Kunst: Junger Pole nimmt Abkürzung ins Nationalmuseum Fotos
YouTube

Warten, dass er vielleicht irgendwann berühmt wird? Darauf hatte der polnische Kunststudent Andrzej Sobiepan keine Lust. Also ging er in das Nationalmuseum in Wroclaw und hängte seine eigene Kunst heimlich zwischen die Werke in der zeitgenössischen Abteilung. Sein Bild eines grünen Akazienblattes hat ihm jetzt zumindest etwas Ruhm gebracht: Der polnische Nachrichtensender TVN24 und andere Medien berichteten über die Aktion.

"Ich beschloss, dass ich nicht 30 oder 40 Jahre warten will, bis meine Werke an einem solchen Ort zu sehen ist", sagte Sobiepan, Student der Wroclawer Akademie der schönen Künste, dem Sender. Außerdem habe er auf junge Künstler aufmerksam machen wollen, die ihre Werke nicht in großen Ausstellungen unterbringen können. Er habe sich vom britischen Streetart-Künstler Banksy inspiriert gefühlt, der für ähnliche Aktionen bekannt ist.

Sobiepan hatte sein Blatt aus hellgrünem Leder vor einigen Wochen in das Museum geschmuggelt und dort in der Ausstellung über zeitgenössische polnische Kunst platziert. Ein Video auf YouTube, das in Deutschland nur über Umwege abrufbar ist, zeigt einen jungen Mann mit Jeans, Brille und Fellkragenjacke, wie er das kleine, quadratische Bild an einer Säule befestigt und ein Namensschild darunter hängt.

Museumsdirektor lobt "witziges künstlerisches Happening"

Wie lange das Bild unbemerkt vom Personal in der Ausstellung hing, ist unklar. Das Video wurde Mitte Dezember bei YouTube eingestellt, zeigt aber zu Beginn das Datum 10.11.2011. Nach Angaben des Museums schmuggelte der Student das Bild erst im Dezember ins Haus. Die zuständige Mitarbeiterin des Wachpersonals habe ihn hinter der Säule nicht sehen können, das fremde Bild aber noch am selben Tag entdeckt und den Kurator der Ausstellung informiert, sagte eine Sprecherin des Museums SPIEGEL ONLINE am Mittwoch.

Am folgenden Tag sei das Bild wieder abgenommen worden und hänge nun für eine Woche im Café des Nationalmuseums. Am kommenden Sonntag soll es für einen wohltätigen Zweck versteigert werden. Der Kunststudent sei damit einverstanden, sagte die Sprecherin. Sobiepan, dessen Alter die Sprecherin mit Anfang 20 angab, wolle sein Werk nicht zurück.

Museumsdirektor Mariusz Hermansdorfer zeigte sich amüsiert von der Aktion. Sie sei ein "witziges künstlerisches Happening" und habe gezeigt, "dass die junge Künstlergeneration - anders als ihre Vorgänger - ihre Arbeiten in Museen sehen möchte".

son/AP

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