Hilfe vom WG-Psychologen: Mein Mitbewohner ist faul, unfreundlich und dreckig

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Chaos in der WG (Archivbild): Hilfe, mein Mitbewohner ist ein Chaot

Lebensmittelmotten, Lärm, Schmutz: Wenn der Mitbewohner ein fauler, dreister und unfreundlicher Ex-Junkie ist, fällt das Zusammenleben schwer. Der Rat von WG-Psychologe Ludger Büter: Einer von euch muss gehen - und zwar schnell.

Wohngemeinschaften sind eine tolle Erfindung. Das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie spülen nicht ab, leeren fremde Nutella-Gläser, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Was tun?

WG-Krach ist für Ludger Büter Alltag. Der 61-jährige Psychologe schlichtet im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der UniSPIEGEL-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Lisa schreibt:

Hallo Herr Büter,

ich wohne seit etwas mehr als einem Jahr in einer WG in Köln - mit meiner besten Freundin und einem 38-jährigen Hartz-4-Empfänger und ehemaligen Drogenabhängigen, der durch den Vormieter in unsere WG kam. Er ist seit anderthalb Jahren clean, aber er macht uns das Leben zur Hölle. Er ist faul und unfreundlich, belegt stundenlang Küche und Bad, putzt nicht, räumt seinen Dreck nicht weg, hinterlässt die Küche als Schlachtfeld, er isst ungefragt unsere Lebensmittel oder schmeißt sie auch gerne mal kommentarlos in den Müll. Neulich hatten wir Lebensmittelmotten, weil er die Packungen geöffnet rumstehen lässt.

Und das Schlimmste: Seine Freundin ist jede Nacht zu Gast. Beide zusammen sind noch unerträglicher als er alleine. Meine Freundin und ich sind beide Anfang 20 und in der Ausbildung, machen viele Überstunden und möchten abends oft einfach nur was Schönes kochen und danach ins Bett. Das klappt aber leider nicht, weil die beiden wirklich unglaublich laut sind und gerne Leute aus ihrer Selbsthilfegruppe einladen, mit denen sie sich dann in der Küche lautstark über ihren Drogenkonsum unterhalten.

Zudem duscht und kocht die Freundin des Mitbewohners jeden Tag bei uns (aber nur für die beiden); die Kosten dafür tragen natürlich wir. Ihre eigene Wohnung liegt nur zehn Minuten entfernt: Ich habe beide schon mehrmals darauf angesprochen, dass es doch besser wäre, wenn sie zu ihr gehen würden, weil sie da keinen stören würden - das sehen die beiden aber nicht ein.

Der Mitbewohner hat zudem eine wirklich merkwürdige Vorstellung von Sauberkeit und vor allem von der gerechten Verteilung von Stauraum. Er belegt in sämtlichen Gemeinschaftsräumen doppelt so viele Fächer wie meine Mitbewohnerin und ich zusammen. Wenn "seine" Fächer voll sind, dann benutzt er halt unsere. Ich habe ihm mehrmals gesagt, dass das so nicht weitergeht und er etwas ändern muss. Zuerst sagt er immer, er wird sich ändern, aber keine zwei Wochen später ist alles wieder beim Alten.

Ich weiß wirklich nicht, was ich noch machen kann, würde aber wirklich gerne in der eigentlich sehr schönen und vor allem günstigen Wohnung bleiben...

WG-Doktor Ludger Büter antwortet:

Liebe Lisa!

So trostlos wie Ihre Geschichte klingt, ist sie wohl auch. Ihr Mitbewohner verdient Respekt für die erfolgreiche Abkehr von den Drogen. Offensichtlich erschöpfte sich seine Willenskraft aber an diesem Projekt. Wenn er Ihren Bitten für zwei Wochen folgt, gibt er den Handlungsbedarf zu, ist seinen eigenen Vorsätzen aber nicht gewachsen. Was bleibt, ist eine in der Tat bemerkenswerte Rücksichtslosigkeit zu Ihrer und Ihrer Freundin Lasten.

Ihre Freude an der gemeinsamen Wohnung kann jedoch keinesfalls groß genug sein, um diese Situation lange zu ertragen. Ich empfehle Ihnen, mit Ihrer Mitbewohnerin den Vermieter zu informieren. Machen Sie Fotos, die ihm Chaos und Verwüstung zeigen. Notieren Sie auch die Ruhestörung mit Datum und Uhrzeit, mindestens für eine Woche.

Schildern Sie ihm die Vergeblichkeit Ihrer Bemühungen. Fragen Sie ihn, ob ihm Mieter lieber sind, die sein Eigentum pflegen, wie Sie beide es tun, oder Ihr Mitbewohner und sein Anhang, der es ruiniert. Sie könnten ihn auch einladen, die WG zu einem Zeitpunkt seiner Wahl aufzusuchen und die Gemeinschaftsräume einzusehen.

Spräche Ihr Vermieter eine kurzfristige Kündigung aus, soweit es die vertraglichen Regelungen überhaupt ermöglichen, wäre das Ihre einzige Chance für das Verbleiben in der Wohnung. Bleibt Ihr Vermieter auf halbem Wege stehen mit Ermahnungen an die Adresse Ihres Mitbewohners, könnte die Situation sich noch verschlimmern. Beginnen Sie für alle Fälle mit der Suche nach einer alternativen Unterkunft. Ich bin sicher, Sie bewohnen nicht die einzige schöne Wohnung, die Köln zu bieten hat.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
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1. optional
Forenhengzt 22.07.2013
Tolle Hilfe vom WG-Psychologen. Der, der ordentlich und sauber ist, soll ausziehen? Super Tipp!
2. Noch bei Trost Herr WG-Doktor?
the real schnabuffke 22.07.2013
Der Ex-Junkie ist zu laut, hat ein Hygiene-Problem und verbraucht zu viel Stau-Raum ? Na, dann ab auf die Straße mit ihm und zurück in die Drogensucht. Dort findet er dann auch bestimmt freundliche kriminelle Mithilfe um den beiden jungen Damen für die Kündigung zu danken. Vielleicht sogar während die drei noch zusammen wohnen. Anleitung zur Katastrophe, oder was ist genau die Intention dieses Ratschlags?
3. Irgendwie...
zimbosmurf 22.07.2013
...lauten die Ratschläge von diesem WG-Psychologen immer gleich: "Einer von beiden muß raus, suchen Sie sich eine neue Wohnung!" In den meisten Fällen ja wirklich sinnvoll - aber braucht man dafür wirklich einen WG-Psychologen?
4. Sehr geistreich,
c54 22.07.2013
der Psycho. Auf diese Tipps wäre ich doch glatt selber gekommen... übrigens hätte ich mir schon vorher schwer überlegt, ob ich eine solche Altlast in die WG übernehme.
5. vom Tellerchen gegessen
Paul Panda 22.07.2013
Dass solche Sachen wie im Beitrag geschildert sehr schnell passieren können, war mir schon immer klar, zumal es in meinem weitläufigen Bakanntenkreis damals genügend abschreckende Beispiele gab. Aus diesem Grunde bin ich, als ausgeprägter Individualist, auch heute noch sehr froh, nie ein einziges Mal in einer WG gewohnt zu haben. Mein Rat an alle frisch gebackenen Studenten: Wer bereits Bauchschmerzen bekommt, wenn ein Fremder von seinem "Tellechen gegessen" hat: Finger weg von der WG! Die gesparte Miete kann den den dauernden Ärger niemals kompensieren. Zur Kritik am Rat des Psychologen: Besserer Vorschlag? Was bleibt den Betroffenen denn sonst übrig? Dem Typen seine Koffer vor die Tür zu setzen? Damit machen sie sich, soweit ich informiert bin, starfbar, solange dieser "Prachtkerl" einen gültigen Mietvertrag besitzt.
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  • Eric Lichtenscheidt
    Ludger Büter, 62, ist Diplom-Psychologe und arbeitete über 30 Jahre für das Kölner Studentenwerk. Fünf Jahre hat er WG-Bewohner beraten, die ihre Konflikte nicht mehr selbst lösen können.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren Dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter im UniSPIEGEL. Schick Deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de.
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