Hochbegabte 13-Jährige: Indisches Wunderkind beginnt Master-Studium

Indisches Wunderkind: Sushma, 13, studiert Mikrobiologie Fotos
AP

Sushma Verma, ein Mädchen aus armen Verhältnissen, ist offenbar ein wahres Genie. Mit sieben Jahren machte sie Abitur, mit 13 ihren Bachelor, nun studiert sie Mikrobiologie. Um die Studiengebühren aufbringen zu können, verkaufte die Familie ihr Land.

Sie ist erst 13 Jahre alt, kommt aus einer der ärmsten Schichten Indiens und hat sich jetzt für ein Master-Studium in Mikrobiologie eingeschrieben. Die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte von Sushma Verma begeistert in Indien gerade Millionen von Menschen und weckt Hoffnungen.

Schon früh zeichnete sich ab, dass das "Indische Wunderkind" mindestens begabt sein muss: Sushma beendete mit sieben Jahren erfolgreich die Schule, machte bereits mit 13 Jahren den Bachelor-Abschluss und strebt nun einen weiteren Hochschulabschluss an. Und das in einem Land, in dem mitunter noch immer davon abgeraten wird, Mädchen zu unterrichten.

Zu einer richtigen Jeder-kann-es-schaffen-Legende macht diese Geschichte aber erst die Herkunft des Mädchens: Sushma stammt aus Lucknow, einer 2,8-Millionen-Einwohner-Stadt in Nordindien. Dort wohnt sie mit ihrer Familie in mehr als bescheidenen Verhältnissen. Alles, was sie erreicht habe, sei nur durch die Opfer und den Ansporn ihrer Eltern möglich gewesen, sagt Sushma.

Ausführlich beschreiben indische Medien die Einzimmerwohnung, in der das Mädchen zusammen mit ihren Eltern und drei jüngeren Geschwistern lebt. Einzige Einkommensquelle der Familie ist der Baustellen-Job des Vaters. Dieser verdient oft nicht mehr als 200 Rupien am Tag, etwa 2,30 Euro.

Sushmas Pläne für den Studienalltag: essen, schlafen, lernen

Um die Ausbildung seiner Tochter zu finanzieren, verkaufte ihr Vater sogar sein einziges Stück Land. "Es gab Widerstände von meiner Familie und Freunden, aber ich hatte keine Wahl ", sagte ihr Vater dem "Telegraph". Nur mit einer guten Ausbildung habe seine Tochter eine Chance auf einen Platz in der indischen Mittelschicht.

Mitte September beginnt für Sushma das Studium an der Universität in Lucknow. Der größte Teil der Studiengebühren wird von einer Wohltätigkeitsorganisation übernommen. Sulabh International setzt sich für gerechte Bildung in allen Gesellschaftsschichten ein und fördert dabei besonders talentierte Kinder.

Deren Gründer Bindeshwar Pathak, ein indischer Soziologe, hält Sushma nicht nur für ein Wunderkind, sondern auch für ein Vorbild für die indische Gesellschaft: "Das Mädchen ist eine Inspiration für Studenten aus wohlhabenderen Familien", sagt Pathak.

Sushmas Ausstattung für den Studienstart: ein Tisch und ein Secondhand-Computer. Dies hat laut Sushma aber auch Vorteile: "Es gibt nichts anderes zu tun, als zu studieren", sagt sie. Ihre Pläne für den Studienalltag: essen, schlafen, lernen.

Für das Medizinstudium ist Sushma noch zu jung

An ihrem ersten Studientag versprach Pathak nun, sich auch weiter für das Wohlergehen von Sushma einzusetzen. "Sushma kann unter diesen Bedingungen nicht ordentlich studieren, ich habe eine zusätzliche Spende veranlasst, die es ihrem Vater ermöglichen soll, ein Haus in einer guten Gegend zu mieten", sagte Pathak.

Eigentlich möchte das ehrgeizige Mädchen einmal Ärztin werden, aber der Test für ein Medizinstudium ist in Indien erst mit 18 Jahren möglich. "Also habe ich mich für Mikrobiologie entschieden und werde danach versuchen, einen Doktortitel zu machen", sagt Sushma.

In ihrer Familie ist Sushma nicht die einzige Überfliegerin: Ihr älterer Bruder machte sein Abitur mit neun Jahren und war 2007 mit 14 bereits einer der jüngsten Informatikabsolventen des Landes.

Eine Erfolgsgeschichte, die in Deutschland extrem ungewöhnlich, in Indien aber noch viel spektakulärer ist: Millionen indischer Kinder gehen dort nicht mal in die Grundschule. Häufig sind es die Mädchen, die zugunsten der Jungen von den Eltern für eine Förderung zurückgehalten werden.

Gleichzeitig wurde auch Kritik laut: Die Regierung könne es sich nicht leisten, die begabtesten Kinder des Landes von wohlwollenden Spendern wie Pathak abhängig zu machen.

jon/AP

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insgesamt 130 Beiträge
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1. nur mal so
ttvtt 16.09.2013
wenn der bruder vor 5 jahren bereits mit seinem informatikstudium gewesen ist, dann kann er als 19 jähriger seine schwester nicht unterstützen, so dass es nur für einen second Hand pc reicht.... Indien muss aber ein armes land sein
2.
neoptolemos 16.09.2013
So beeindruckend das alles ist. Aber bei einem "Abitur mit 9 Jahren" kann es sich nicht um irgendetwas dem bayerischen Abitur Vergleichbares handeln.
3. Gratulation!
mickt 16.09.2013
Tolle Geschichte. Ich hoffe das wirkt sich wohltuend auf die Förderung von armen Kindern in Indien aus!
4. Dann heißt es dort jetzt G7, statt
glass88 16.09.2013
G8 und G9... Viel Glück wünsche ich ihr und dass der Bruder nach 6 Jahren etwas mher aus seinem Informatikstudium für seine Familie rausholen kann!
5. Beeindruckende Leistung! besser als ein bayerisches Abitur
berndra 16.09.2013
Mein Kind besucht in Deutschland die 2. Klasse. Durch meinen Job habe ich sehr viele Kollegen in Indien und anderen asiatischen Ländern. Aus Interesse hatte ich mir mal aus Indien, Singapur, China, Taiwan, SüdKorea und Vietnam den "Stoff" im Fach Mathe der 1. Schulklasse zeigen lassen. Dies lässt sich unabhängig von der Sprache gut vergleichen. Leider musste ich feststellen, das Deutschland weit abgeschlagen lag im Vergleich zu den genannten Ländern. Zur Aussage es könnte sich nicht um ein bayrisches Abitur handeln, ich denke das ein beliebiges Deutsches Abitur nicht mehr als einer guten Übung in diesen Ländern entspricht. Viele der genannten Länder sind technologisch hoch entwickelt. Schießen Raketen in den Weltraum, wollen und werden den Mond erneut erkunden, bauen und entwickeln Smartphones die weltweit verkauft werden, ..., dass ginge nicht, wenn die Länder nicht die entsprechenden Profis vor Ort hätten (und das sind keine Deutschen!). Diese Technologien wurden nicht nur von uns entwickelt. Die Konkurenz aus diesen Ländern ist riesig und wird uns und unseren Kindern in Zukunft das Leben nicht leichter machen.
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