Erst gegen Abend ist die halbwegs problemlose Durchquerung des Raumes möglich, weil die Bugaboo-Kinderwagen langsam das Feld räumen und die Mütter das herumliegende Spielzeug wieder in den Bio-Company-Jutesäcken verstauen. Nun zeigt sich die inszenierte Rumpeligkeit des Ladens im vollen Glanz des Kitsches: verschnörkelte Samtsofas, wuchtige Tische, Siebziger-Jahre-Stehlampen, Decken, mit denen sich fröstelnde Kakao-mit-Sahne-Trinkerinnen zudecken können, und eine gut sortierte Eistheke, an der sich auch die Erwachsenen begeistert bunte Schokostreusel über den Milchkaffee streuen.
Abends wird die Norah-Jones-CD gegen Air ausgetauscht, und die Kakaotrinkerinnen geben einen Schuss Rum in die Tasse. Wer nach 23 Uhr zur Bar torkelt und, besoffen im Kleingeldfach seines Portemonnaies kramend, lallend das sechste Glas Weißwein bestellt und fragt, ob nicht langsam mal eine Runde aufs Haus angesagt sei, wird schief angeguckt. Die Tresenkraft mit dem Hennahaar lässt sich nichts anmerken. Nach dem großzügigen Trinkgeld sagt sie: "Ganz lieb, du, danke."
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