Essbare Kunst: "Wir wollen einen weltweiten Mensa-Battle"

Mensa-Kost schmeckt oft fad, doch sie lässt sich wunderbar anrichten - etwa als SpongeBob, Pac-Man oder Sascha Lobo. Im Interview erzählt der Student Maurice Etoile, 29, warum er aus Essen Kunst-Figuren bastelt und wie er einen weltweiten Kantinen-Wettbewerb starten will.

Kunst aus Mensa-Essen: Wie eine Curry-Wurst zu Sascha Lobo wurde Fotos
Maurice Etoile

SPIEGEL ONLINE: Sie basteln aus Mensa-Essen kleine Kunstwerke. Was haben Sie zuletzt gemacht?

Etoile: Kürzlich gab es in der Mensa Currywurst. Die rote Farbe hat mich an die Haare von Sascha Lobo erinnert. Daraus haben wir eine Curry-Blogwurst gemacht, mit rotem Irokesenschnitt und kräftigem Schnurrbart. Dass wir echte Personen darstellen, ist aber eher die Ausnahme.

SPIEGEL ONLINE: Vor einigen Wochen berichtete SPIEGEL ONLINE über Studenten der Hochschule Furtwangen, die aus Mensa-Gerichten Figuren basteln. Haben die vier Sie inspiriert, eigene Figuren zu machen?

Etoile: Ganz ehrlich: Ich kannte die Aktion nicht. Und wir haben ja auch einen anderen Ansatz. Die Studenten aus Furtwangen verbasteln nur die Reste, die übrig bleiben. Bei uns dürfen es ganze Portionen sein.

SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie dann auf die Idee?

Etoile: Ein Freund aus Berlin hat mir immer von seinem Mensa-Essen vorgeschwärmt. Die Mensa in Saarbrücken ist aber besser, das wollte ich ihm mit den Figuren beweisen. Auf ein Schnitzel habe ich zwei Zitronenscheiben gelegt, da sah es aus wie ein Gesicht. Das habe ich ihm geschickt. Er hat mit Bildern seiner Mensa gekontert. Irgendwann hat er wohl eingesehen, dass seine Mensa nicht mit unserer mithalten kann, und aufgegeben.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie auf die Figuren?

Etoile: Dahinter steckt kein System. Ich gehe in die Mensa, schaue mir an, was es gibt, und denke mir etwas aus. Natürlich gucke ich aber darauf, dass ich eine gute Ausgangsbasis auf dem Teller habe. Aus Fisch zum Beispiel kann man nicht so viel machen. Und ich nehme grundsätzlich zwei Teller, damit wir einen sauberen für die Fotos haben und sie nicht immer so vollgekleckert sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen aber nicht allein basteln, sondern einen Wettbewerb ins Leben rufen. Wie soll der aussehen?

Etoile: Wir stellen uns einen bundesweiten, vielleicht sogar weltweiten Mensa-Battle vor. Dafür nutzen wir Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke. Wir wollen auch ein Making-of-Video drehen, um viele Studenten zu erreichen. Mit einer Kamera, die alle fünf Minuten ein Bild macht und zeigt, wie die Figuren entstehen. Wie ein Daumenkino.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es schon andere, die mitmachen?

Etoile: Wir sitzen jeden Tag mit anderen Leuten am Tisch und manche basteln auch. Meine Schwester Eva hat zum Beispiel kürzlich den Joker aus Batman gezaubert, ein Freund von mir einen Mett-Igel aus Fleischkäse und Pommes.

SPIEGEL ONLINE: Haben Studenten denn auch etwas davon, wenn sie am Wettbewerb teilnehmen?

Etoile: Im Moment wäre es ein Ruhm- und Ehre-Projekt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir die Idee ausbauen. Dass der Gewinner zum Beispiel kostenlos in seiner Mensa essen kann, bis er wieder vom Thron gestoßen wird. Das müsste ich aber noch mit den Studentenwerken aushandeln.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon mit den Verantwortlichen Ihres Studentenwerks gesprochen?

Etoile: Ja, vor kurzem. Sie waren ganz begeistert von den Bildern. Einer hat zwar seinen Zeigefinger gehoben, weil man mit Essen ja nicht spielen soll. Aber da wir ja immer alles aufessen, war er dennoch von Mensa Battle begeistert.

Das Interview führte Britta Mersch

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Zur Person
  • Maurice Etoile
    Der 29-jährige Maurice Etoile, sein Künstlername, studiert Informationswissenschaft an der Universität Saarbrücken. Gerade schreibt er seine Magisterarbeit über die Wirkung von Marketing in sozialen Medien. Wie erfolgreich man damit sein kann, testet er selbst: Er versucht, möglichst viele Studenten für einen "Mensa-Battle" zu gewinnen, bei dem aus Mensa-Gerichten Figuren entstehen.
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