Es ist das wahrscheinlich berühmteste Ruderrennen der Welt: das "Boat Race" zwischen den englischen Universitäten Oxford und Cambridge auf der Themse. 1829 legten sich Studenten der Hochschulen auf dem 7,2 Kilometer langen Stück zwischen Putney und Mortlake erstmals ins Zeug, um die Ehre ihrer Uni zu verteidigen. Seit 1856 fand das Rennen, außer während der Weltkriege, jährlich statt. Heute bejubeln Hunderttausende Zuschauer die kernigen Ruderer, und das Fernsehen überträgt live in alle Welt.
Bisher war das Traditionsrennen eine reine Männerangelegenheit. Die Frauen-Rudermannschaften der Unis durften nicht auf die Strecke gehen. Zwar tragen sie seit 35 Jahren ebenfalls Rennen gegeneinander aus, allerdings eine Woche vor den Männern und auf einer nur zwei Kilometer langen Strecke auf einem anderen Stück der Themse - und im Vergleich zu den Männern nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Doch das wird sich jetzt ändern, denn nach 183 Jahren Benachteiligung setzen die Rennorganisatoren künftig auf Gleichberechtigung und brechen mit der Tradition. Die Frauen werden sich ab 2015 am gleichen Tag und auf der gleichen 7,2-Kilometer-Strecke in die Riemen legen. So sollen sie endlich mehr Aufmerksamkeit und mehr Sponsorengeld erhalten.
Und Geld haben die Wettruderinnen bitter nötig, denn ihre Trainingsbedingungen sind nicht zu vergleichen mit denen ihrer männlichen Sportskameraden. In Cambridge beispielsweise sind die Trainer uralt und das Geld für Material ist knapp. Sportkleidung, Zugfahrten und Startgelder müssen die Frauen selbst bezahlen. Und obendrein müssen sie sich auch noch den Spott der Männer anhören, die ihr Rudern gerne mal als "assisted drifting" - zu Deutsch etwa" "kontrolliertes Treibenlassen" - bezeichnen.
"Ich bin begeistert, dass das Frauenrennen dem Männerrennen gleichgestellt wird", sagte Annabel Vernon, die früher für Cambridge und heute im britischen Nationalteam rudert. "Das ist eine gewaltige Chance, dem Frauenrudern in diesem Land mehr Bedeutung zukommen zu lassen." Lange Jahre ruderten Frauen nicht nur in England im Schatten der Männer, erst 1976 durften sie bei Olympischen Spielen antreten.
Beim letzten Rennen der Männer im März 2011 setzten sich die Ruderer aus Oxford deutlich gegen ihre Kontrahenten aus Cambridge durch. Auch die Oxforder Frauen gewannen bei ihrem Rennen in Henley gegen ihre Gegnerinnen. Das nächste Rennen der Männer findet am 7. April statt. Die Frauen rudern am Wochenende davor.
seh/dapd
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