Mädchen-Liebesbeichte: "Wie wichtig ist euch Sex?"

4. Teil: "Durststrecken. Sättigungsphasen. Sex"

Wie wichtig ist uns der Volkssport eigentlich?

"Was meinst du damit: Wie wichtig uns Sex in einer Beziehung ist oder wie wichtig er uns generell ist?", fragt Christina, nachdem ich die Frage vorgelesen habe. "Beides", antworte ich ihr grinsend. "Wie wir bereits festgestellt haben, ist Sex in einer Beziehung extrem wichtig. Sex ist so etwas wie der Gradmesser, wie verliebt man noch ineinander ist, wie heiß man sich noch findet.

Und ich finde, wenn man guten Sex hat, ist man meilenweit von einer Trennung entfernt; man ist einfach auf der sicheren Seite. Es gibt ja zum Beispiel Pärchen, die sind seit Jahren zusammen, erscheinen aber nie gemeinsam in der Öffentlichkeit, und wenn doch, kloppen sie sich in einem Faden durch. Man fragt sich da

immer: Was zum Henker verbindet die beiden eigentlich? Und wenn man mit denen zwei Takte darüber redet, ist alles klar: Sie finden sich heiß und bei ihnen geht's im Bett oder sonst wo auch ziemlich wild her. Leidenschaft eben. Und das ist es doch, was wir suchen, wenn wir sagen, wir wollen eine neue Beziehung.

Klar, wir wollen auch wieder jemanden zum Anlehnen, jemanden, auf den man sich verlassen kann, jemanden, der für einen da ist, aber das ist nicht das Erste, wonach man sich sehnt: Das Erste ist Leidenschaft. Also auch Sex. Also ist Sex in einer Beziehung schon sehr wichtig. Ich würde sagen, Platz zwei in der Prioritätenliste." Christina streicht sich die blonden Strähnen aus der Stirn.

"Was ist Platz eins?", fragt Evi grübelnd nach. "Liebe?", gibt Christina irritiert zurück und wir starren auf den kleinen Tisch in unserer Mitte wie Pfadfinderinnen ins Feuer. "Ach ja…", hören wir von Evi, "macht Sinn." "Ohne Sex ist die beste Beziehung eben nur noch eine Freundschaft. Vielleicht eine innige Freundschaft, aber eben nur noch eine Freundschaft. Das ist es, was Paare von Freunden unterscheidet: miteinander schlafen." Für Christina scheint das alles eine ziemlich einfache Kiste zu sein.

"Ich finde, so easy lässt sich das nun auch wieder nicht abstecken. Ob man Freund oder Beziehungspartner ist, lässt sich nicht an solchen Offensichtlichkeiten erkennen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch innige, sexlose Liebe geben kann, genauso wie es Freunde gibt, die gerne mal aufeinander rumturnen. Man kann da nicht nach äußeren Faktoren gehen. Ob man noch ein Paar ist, das muss man spüren. Und wir werden bald erleben, was Rike aus dem ganzen Salat ohne Dressing mit Stefan macht. Aber ich würde zustimmen, wenn du sagst, dass Sex enorm wichtig ist für eine Beziehung - er hält ein Paar nicht nur körperlich, sondern auch gefühlsmäßig zusammen." Ich räuspere mich.

"Generell finde ich Sex aber nicht so wichtig", lässt Evi uns wissen und redet gleich weiter: "Das ist jetzt vielleicht eine eher uncoole Äußerung - keinen Sex zu haben, keinen Sex zu brauchen oder Sex nicht so wichtig zu finden, gilt ja sowieso als uncool und langweilig. Weil Sex eine Sache ist, der in den Medien und in Gesprächen und generell immer ein riesiger Stellenwert zugemessen wird. Haste welchen, biste was. Haste keinen, biste ein armes Ding. Die ach so wichtigste Nebensache der Welt. Ich finde das - ganz ehrlich - alles ein bisschen übertrieben.

In einer Beziehung ist mir Sex schon wichtig, aber generell? Wenn ich Single bin, sehne ich mich zwar nach einer neuen Geschichte mit einem neuen Typen, aber das bezieht sich dann nicht explizit auf Sex. Das ist eher die Aufregung, jemand Neues kennenzulernen, die Lust darauf, sich zu verlieben und die Lust rumzumachen. Aber ich sitze nicht in meinem Zimmer, kaue an meinem Bleistift und denke: Jetzt hätte ich gerne Sex. Der Appetit drauf kommt erst, wenn man mitten im Spiel drin ist, oder?" Evi schaut fragend in unsere bunte Runde.

"Na ja…", meint Pauline zögerlich. "Ich kau dann zwar nicht unbedingt auf einem Bleistift rum, aber ich erwische mich schon ganz schön oft dabei, dass ich irgendwo rumsitze und plötzlich Lust auf Sex kriege."

"Dieser typische Moment ist ja der, in dem man schon was getrunken hat, es läuft Musik, die ein bisschen Euphorie oder Brunftgefühle versprüht, es ist eher bar- oder clubmäßig schummerig, und schon denkt man sich: Rrrrrr…", grinse ich. "So wie letztens, als wir mit unserem Weinchen in diesem Theaterstück saßen, auf einmal Rape Me von Nirvana lief und die Nebelmaschine anging." Ich haue Rike erinnerungsfördernd auf den Oberschenkel, sie grinst und ergänzt: "In dem Moment hatte ich eher das Gefühl, ich bin wieder 16 und in der Dorfdisco und warte darauf, dass den Dorfjungs endlich auffällt, wie hocherotisch ich mein Haar zu Nirvana durch die Gegend schmeißen kann."

Rike lacht ihre typische raue Lache und sagt dann: "Aber man hört sich oder eine Freundin ja schon öfter sagen: 'Verdammt, ich brauche mal wieder oder jetzt sofort oder wann auch immer Sex.' Aber ich bin mir nicht wirklich sicher, inwiefern man das tatsächlich so meint." Christina sieht meinen verdutzten Blick, wir müssen deswegen kurz grinsen und ich frage: "Hä?" "Wenn wir Mädels fremdgehen, machen wir das nicht unbedingt wegen des puren Sexes, sondern wegen all der Dinge, die damit verknüpft sind: die Aufregung, was Spannendes und Verbotenes erleben und erzählen zu können, eine Prise Selbstbestätigung, solche Dinge eben. Und ich glaube auch, dass wir eigentlich etwas anderes meinen als den bloßen Fleischesakt an sich, wenn wir herumkrakeelen, dass wir Sex brauchen. Man sehnt sich eher nach Aufregung, nach Knutschen und eben generell nach einer Jungskiste." Rike schlägt die Beine übereinander und Evi nickt hektisch: "Das meinte ich doch eben."

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