Masturbation im Seminar: US-Uni streicht Sexvorlesung

Mit einer Live-Sexshow im Vorlesungssaal hat ein amerikanischer Professor die Eltern seiner Studenten erzürnt. Er selbst verstand die Aufregung nicht, die spontane Demonstration habe keinem geschadet. Die Uni, die den Dozenten zunächst verteidigt hatte, setzte die beliebte Vorlesung jetzt ab.

Hilfsdozenten: Jim und Faith zeigten vor Studenten wie Sexspielzeug funktioniert Zur Großansicht
AP/ Chicago Sun-Times

Hilfsdozenten: Jim und Faith zeigten vor Studenten wie Sexspielzeug funktioniert

Hätte der Professor John Michael Bailey gewusst, welche Konsequenzen die Live-Sexshow im Vorlesungssaal haben würde, hätte er sie vermutlich verboten. Dabei wollte er niemanden schockieren, versicherte er hinterher. Die Universitätsleitung der Northwestern University in Chicago entschied am Montag trotzdem, seine beliebte Vorlesung über die menschliche Sexualität im kommenden Semester nicht mehr anzubieten.

Bailey war berühmt für diese Vorlesung, die er seit fast 20 Jahren hielt. Im vergangenen Februar überhäuften wütende Eltern die Universitätsleitung allerdings mit Protesten. Ihnen missfiel eine besondere Lektion des Professors. Der Uni-Präsident Morton Schapiro sagte der "Chicago Tribune", es habe Tage gegeben, an denen er vier Stunden lang verärgerte Menschen beruhigt hätte. "Ich bin seit 32 Jahren an der Hochschule", sagte Morton, "ich dachte, ich hätte alles gesehen. Hatte ich nicht."

Professor Bailey hatte Ende Februar einige Fetisch-Fans zu seiner Vorlesung eingeladen, schließlich ging es in dieser Stunde um abnormen Sex. Eigentlich sollten die Studenten mit ihnen nur über Fesselspielchen und Fetisch diskutieren. Doch zu den eingeladenen Gästen gehörte auch ein verlobtes Exhibitionistenpärchen, die es besonders anmacht, Sex vor größeren Gruppen zu haben. Sie fragten nach, ob es für die Studenten in Ordnung sei, wenn sie einen Orgasmus mit Hilfe eines elektrisch betriebenen Vibrators demonstrieren würden.

"Wenn ihr bleibt, beschwert euch später nicht", warnte der Professor

Bevor das Paar sein Sex-Spielzeug auspackte, hatte der Professor seine Studenten dreimal gewarnt. Die Demonstration werde sehr anschaulich, wer das nicht vertrage, solle bitte die Vorlesung verlassen. So berichtete es damals ein Student der amerikanischen Nachrichten-Website FoxNews.com. "Wenn ihr bleibt, beschwert euch später nicht", soll Bailey gesagt haben. Rund hundert Studenten blieben.

Innerhalb weniger Sekunden zog sich die Exhibitionistin bis auf ihren BH aus, kletterte auf die Bühne, legte sich auf ein Handtuch und wartete auf ihren Verlobten mit dem Sexspielzeug. Studenten berichteten, die beiden hätten recht weit hinten auf der Bühne gelegen, so dass nicht viel zu sehen gewesen sei. "Viele Studenten versuchten, einen besseren Blick zu erhaschen", sagte ein Student.

Der Präsident der Uni verteidigte damals zunächst seinen Professor, dann zeigte er sich zerknirscht und kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Bailey selbst verstand die Aufregung nicht: Er könne nicht erkennen, dass sein Seminar in irgendeiner Form Schaden angerichtet hätte, sagte er damals. Dennoch entschuldige er sich.

Der Vorsitzende der Psychologie-Fakultät, Dan McAdams, hatte sich nun, vor dem neuen Semester, nach der Zukunft des Seminars erkundigt, berichtet die die "Chicago Sun-Times". Daraufhin erhielt er eine Mail mit der Ansage, die Vorlesung aus dem Verzeichnis zu streichen. "Ich habe die Entscheidung nicht gefällt", sagte McAdams. Das sei die Universitätsleitung gewesen. Das sei zwar eigentlich unüblich, aber diese Vorlesung sei ein "sehr außergewöhnlicher Fall" gewesen.

"Kurse zur menschlichen Sexualität werden an vielen Fakultäten an anderen Universitäten angeboten", heißt es in einem Statement der Uni, "und die Northwestern wird nun prüfen, wie so ein Kurs am besten in den Lehrplan der Universität passt." Bailey werde in Zukunft andere Lehraufträge übernehmen. McAdams sprach in der "Chicago Sun-Times" von Statistik-Seminaren und Kursen zu psychischen Erkrankungen.

fln/AFP

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insgesamt 24 Beiträge
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1. ...
Celegorm 10.05.2011
Zitat von sysopMit einer Live-Sexshow im Vorlesungssaal hat ein amerikanischer Professor die Eltern seiner Studenten erzürnt. Er selbst verstand die Aufregung nicht, die spontane Demonstration habe keinem geschadet. Die Uni, die den Dozenten zunächst verteidigt hatte, setzte die beliebte Vorlesung jetzt ab. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,761656,00.html
Was geht das eigentlich die Eltern an? Es ist ja anzunehmen, dass es sich um volljährige Studenten und damit Erwachsene handelte. Die entsprechend verantwortlich für ihr eigenes Handeln sind. Und die darum auch in der Lage sein sollten, selbst zu entscheiden, ob sie sich so etwas ansehen wollen. Wobei die ganze Angelegenheit letztlich nur lächerlich ist, da passt das wohl ins Bild..
2. Verstehe das Problem nicht
dakra, 10.05.2011
Unglaublich verklemmt, die Amis... Soll ich jetzt sagen, das "alte Amerika"? :D Nein, Spaß beiseite. Es war kein Pflichtteil. Jeder wusste, was auf ihn zukommen wird und konnte sich freiwillig dafür oder dagegen entscheiden, dieser Veranstaltung beizuwohnen. So, what? Was ist daran auszusetzen, dass sich Menschen freiwillig in so eine Veranstaltung reinsetzen? Wird dor gefährliches Gedankengut vermittelt? Ich kann dies bisher nicht erkennen.
3. Hey
Dschey 10.05.2011
das sind die Puritaner. Wo sonst gab es schon ein Nippelgate ^^ Hätte er mal eine Hinrichtung auf Video gezeigt, dann wäre alles okay gewesen und die Vorlesung nicht gestrichen worden.
4. Prüderie ganz nach Hamburger Art
albert schulz 10.05.2011
Extrem unwahrscheinlich, daß ein Dozent an einer amerikanischen Uni nicht informell bei der Uni - Leitung vorgefühlt hat. Die hatte bereits davon geträumt, daß alle jungen Amerikaner nach Chikago kommen zum Wichsen unter professoraler Anleitung, aber sie hatten sich zu früh gefreut von wegen dem gesunden Volksempfinden, was sie von uns geerbt haben. Geld mit Pornos verdienen ist einem puristischen Calvinisten natürlich erlaubt. Aber eben nichts Unanständiges. Der knorrige pietistische Puritaner im Bible Belt lockt sich mit kundiger Hand einen von der Palme und gut ist es. Das machten schon seine Vorfahren so, die Trapper: beten, schießen, ejakulieren. Eine uralte bewährte Sitte, die man sich nicht von irgendwelchen Umstürzlern kaputt machen lassen will. Frauen, Dildo und Orgasmus scheint ohnehin eine Kombination zu sein, es nur in Amerika gibt und zwar in einer derart realitätsfernen Form, daß man sich bereits im Vorhof der Hölle wähnt.
5. Solche Sachen-
mactor, 10.05.2011
sind aber auch in Deutschland oder Rest-Europa sicherlich nicht erlaubt. Das hat sicher nichts mit Verklemmtheit zu tun. Jeder der heute ein Videofähiges Handy hat kann sich ja so was und noch andere Sachen anschauen. Aber solcher Anschauungsunterricht im Stil einer Hamburger Hafenbar... an einer staatlichen oder privaten Uni wird wohl auch in Deutschland nie passieren.
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