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Sexuelle Gewalt auf dem Campus: Studenten schließen sich Matratzen-Protest an

Emma Sulkowicz: New Yorker schließen sich dem Matratzen-Protest an Fotos
AFP

Die US-Studentin Emma Sulkowicz prangert sexuelle Gewalt an Hochschulen auf ungewöhnliche Weise an: Sie trägt eine Matratze mit sich herum. Jetzt erhält sie Unterstützung auf dem Campus.

Kunststudentin Emma Sulkowicz hat ein sehr persönliches Projekt umgesetzt: Um auf sexuelle Gewalt aufmerksam zu machen, trägt sie seit mehr als einer Woche jeden Tag eine blaue Matratze über den Campus der New Yorker Columbia-Universität. Ein Kommilitone soll sie auf ihrem College-Bett vergewaltigt haben - doch Sulkowicz erhielt laut eigener Aussage keine Unterstützung durch die Elite-Uni.

Solange ihr mutmaßlicher Peininger auf dem Campus herumläuft, will sie nun ihre Matratze mit sich herumtragen. Ihren Protest nennt die Kunststudentin "Carry that Weight" - über die Aktion will sie auch ihre Abschlussarbeit schreiben.

Mittlerweile solidarisieren sich zahlreiche Unterstützer mit dem Projekt. So halfen am Mittwoch mehrere Studenten Sulkowicz dabei, die dunkelblaue, extralange Matratze über den Columbia-Campus zu tragen. Die Unterstützergruppe organisiert sich über die neu gegründete Webseite "Carrying The Weight Together". Man wolle Solidarität mit Emma und anderen Vergewaltigungsopfern bekunden und die falsche Reaktion der Uni nicht länger hinnehmen, heißt es dort.

"Als ich von Emmas Abschlussprojekt gehört habe, hat mich das wirklich berührt und ich wollte meine Solidarität mit den Überlebenden ausdrücken", sagte Allie Rickard, eine der Organisatorinnen der Universitätszeitung Columbia Spectator. Der Begriff "Survivors", also Überlebende, hat sich in den USA für Menschen durchgesetzt, die eine Vergewaltigung durchlitten haben.

Eine weitere Helferin sagte gegenüber der Uni-Zeitung: "Ich finde es wirklich toll, wie offen Emma mit all dem umgeht. Oft verheimlichen es die Menschen ja, wenn sie etwas Traumatisches erlebt haben."

Auch bei Twitter erhält Emma Sulkowicz unter dem Hashtag #carrythatweight Unterstützung. In New York soll an diesem Freitagnachmittag zudem eine besondere Protestaktion stattfinden: Studenten wollen mit Sulkowicz eine Kundgebung veranstalten, bei der auch andere Vergewaltigungsopfer über ihre Erfahrungen sprechen. Einige wollen offenbar auch ihre eigenen Matratzen dorthin mitbringen.

Tweets zu #carrythatweight

clm

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Brisante Info fehlt mir
u30 12.09.2014
Mir fehlt die brisante Info, dass die Uni sie nicht nur nicht unterstütz hat, sondern die Sache zu Uni-Interna erklärt hat, so dass das Opfer keine Unterstützung von aussen holen darf und auch nicht ausserhalb des Disziplinarverfahrens - also z.B. nicht mit ihrer Familie oder der Polizei - darüber reden darf. Dieser Artikel dazu ist ganz spannend: http://www.nytimes.com/2014/04/25/nyregion/accusations-over-assault-at-columbia.html?_r=0
2.
onearmedscissor 12.09.2014
@skal666: In einem früheren Artikel hieß es, dass Vergewaltigungsopfer von den Unis in den USA gezielt eingeschüchtert und bedroht werden, nicht zur Polizei zu gehen (damit das Image der Universität nicht geschädigt wird). Gegen so eine Mentalität muss man auf jeden Fall vorgehen.
3. ---
superbiti 12.09.2014
ich hatte mich schon vor einigen tagen als der erste artikel hierzu erschien gefragt, weshalb sie das nicht bei der polizei anzeigte, sondern erst einmal zur univerwaltung geht? und warum alles jetzt, noch so langer zeit?
4.
MiniMoogMe 12.09.2014
Es dürfte wohl jedem bekannt sein, was für ein riesiges Geschäft höhere Bildung in den USA ist. Es geht um so viel finanzielle Kraft und Einfluss, dass ich mir gut vorstellen kann, dass die Gesetze der Elite-Unis über den Gesetzen des Staates gelten. Bei Studiengebühren im oberen 5- und 6-stelligen Bereich wollen diese Unis auf gar keinen Fall, dass ihre Institution auf einmal für potenzielle Bewerberinnen als unsicher gilt. Und womöglich ist der Täter ein Quarterback der Uni oder sogar Sohnemann einer einflussreichen Familie (beides bringt noch mehr Geld in die Uni-Taschen). Ich kann mir schon vorstellen, dass für solche Institutionen, die weniger mit Bildung als mit großem Geschäft zu tun haben, so eine Vergewaltigung als Kavaliersdelikt verstanden und unter den Teppich gekehrt wird. Im Uni-Rat gibt es bestimmt den einen oder den anderen, der gar nicht verstehen kann, worüber sich diese Frau so aufregt und nicht kapieren will, welche viel "wichtigere" Sachen auf dem Spiel stehen.
5. bezüglich der Uni
ensaiyn 12.09.2014
Eine Universität sollte Maßnahmen zum Schutz der Studenten und Studentinnen ernst nehmen. Natürlich ist eine Vergewaltigung bei der Polizei anzuzeigen aber auch die Uni muss daraus ihre Schlüsse ziehen
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