Mensa-Typologie: Die nervigsten Mitesser

Von Sonja Leister

Allein in der Mensa ist ungefähr so spannend wie allein in der Wildwasserbahn. Mittags in der Uni sollte man immer einen netten Tischpartner dabei haben. Aber manche Mensa-Begleiter sind ziemlich anstrengend - die sonderbarsten Typen vom Gourmet bis zum Snacker.

Mensa-Esser (in Bremen): Was gibt's heute auf die Gabel? Ihm und ihr schmeckt's Zur Großansicht
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Mensa-Esser (in Bremen): Was gibt's heute auf die Gabel? Ihm und ihr schmeckt's

Der Gourmet

In fünf Jahren Studium zwingt sich der Gourmet genau zweimal mit dir in die Mensa. Einmal, als er die Orangenfilets auf Couscous mit Waldmeisterpesto zu Hause vergessen hat. Und einmal, als sein Stamm-Feinkostladen wegen eines Trauerfalls unerwartet geschlossen hat. Wo soll er denn jetzt kurz vor 10 Uhr seine Tramezzini mit Selleriecreme herkriegen?

Nach vier Stunden Seminar mit entnervender Gruppenarbeit treibt ihn sein Hunger doch in die sonst heftig verabscheute Schnitzel-Zone. Fassungslos studiert er das Menü (und die erkalteten Essensbeispiele im beschlagenen Glasschaukasten): "An dieser Uni arbeiten über hundert C4-Professoren. Und die essen das gleiche wie Bauarbeiter?"

Genau jetzt solltest du ihn auf den "frisch & fröhlich"-Counter hinweisen, die etwas noblere Alternativen zu Wahlessen I bis IV - das Luxusprogramm für Durchschnittsstudenten, immer noch eine schiere Zumutung für den Gourmet. Er lässt sich auf Lachs mit Bärlauchsauce ein, obwohl das für ihn eine Kombination ist, die sich "außer Mensa-Köchen nur Muttis aus Dinner-Dokus ausdenken können".

Ein munteres Tischgespräch kommt mit dem Gourmet leider nicht auf: Er muss alle Energie dafür aufwenden, grantig zu kauen und abscheuerfüllt deine Blumenkohl-Käsebratlinge mit trockenem Reis zu fixieren. Den Beilagensalat schmäht er als "Strunkgeschnetzeltes". Du findest: Jetzt reicht es mit dem Restauranttester-Gehabe. Du nimmst dein Salatschälchen und gießt etwas Kräuterdressing auf den angehärteten Reisklumpen auf deinem Teller: "Merkt man, dass mein Vater auf dem Bau arbeitet?"

  • Nach dem Essen sagt er: "Wenn es jetzt wenigstens echten Espresso zum Nachspülen gäbe…"

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insgesamt 29 Beiträge
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1. --
Mulharste 25.02.2010
Zitat von sysopAllein in der Mensa ist ungefähr so spannend wie allein in der Wildwasserbahn. Mittags in der Uni sollte man immer einen netten Tischpartner dabei haben. Aber manche Mensa-Begleiter sind ziemlich anstrengend - die nervigsten Typen vom Gourmet bis zum Snacker. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,679537,00.html
un dann gibts da noch den Bauern, der dass isst, was Mutti immer gekocht hat und mit nem 32er Rundumschlag den Teller in 3:20min leer hat. Dabei den Löffel im Übergriff hällt und mit nem Abstand zur Tischplatte von 25cm erstarrt. Widerlich :-)
2. angehende Ärzte
quiddje 25.02.2010
Mine gruseligste Erinnerung: Medizinstudenten, diesich über das Sezieren von Leichen unterhielten. Daraufhin haben die Chemiker am anderen Ende mit der Anayse der verschiedenen Inhaltsstoffe ihrer Mahlzeit dagegengehalten. Mittendrin ich armer angehender Codierknecht. Keine Ahnung, was es gab, ich war jedenfalls satt...
3. Komm auch grad aus der Mensa...
rofeli 25.02.2010
.. und es ist immer wieder lustig, die anderen Mensagänger zu beobachten und sich darüber Gedanken zu machen, welches Gericht der Vortage mal wieder für das heutige Essen weiterverarbeitet wurde. Oder sich zu wundern, wie man auf solch interessante Essenskombinationen kommt (heute gabs z.B. ein Risotto, das kein Risotto war, sondern Reis mit Soße). Mensa ist doch einfach herrlich! Und wahrscheinlich sollte man es mehr als Einrichtung zur Aufrechterhaltung sozialer Kontakte ansehen als als Gelegenheit zum leckeren Essen *Jammjamm* Ich persönlich halte mich übrigens an selbst mitgebrachte belegte Brote und Karottensalat, das ist das einzige, was nicht mit Geschmacksverstärkern, übermäßig viel Fett, Fix-Soßenpulvern etc verunstaltet wird und nur Verdauungsprobleme verursacht. Ab April wird unsere schone 60er-Jahre Mensa geschlossen und soll die nächsten 1,5 Jahre renoviert werden. Als Ersatz gibts dann ein Zelt mit weniger als der Hälfte an Sitzplätzen und das Essen wird angeliefert. Na dann guten Appetit :) Ach ja, bis vor einem Jahr oder so gabs auch noch die "Fressschalen": Tabletts mit Vertiefungen, in die dann mit viel Liebe das Essen geknallt wurde und die gewackelt haben wie sonstwas, beim Versuch mit dem stumpfen Messer das pnp-Schnitzel zu schneiden. Was würden wir denn nur tun, wenn es keine Mensa gäbe? :)
4. ddd
peterbruells 25.02.2010
Zitat von Mulharsteun dann gibts da noch den Bauern, der dass isst, was Mutti immer gekocht hat und mit nem 32er Rundumschlag den Teller in 3:20min leer hat. Dabei den Löffel im Übergriff hällt und mit nem Abstand zur Tischplatte von 25cm erstarrt. Widerlich :-)
Besser als mit Essen mit Mund sprechen - eine quasi selbstverlängernde Qual.. Früher nur am Kindertisch üblich, später dann in der Mensa und mittlerweile sieht man das auch in Kantinen bei Anzugträgern. brrr....
5. Kölle Alaaf!
vcproepper 25.02.2010
In Köln geht zwar von Fußball bis U-Bahnbau vieles in die Hose, aber die Uni-Mensa ist unschlagbar. Das Personal ist sehr nett, das Essen gut, die Auswahl groß... klar, das man im Restaurant was besseres bekommt, aber wer bei dem Preis für solche Mengen an Studenten und Mitarbeitern diese Qualität halten kann verdient meinen Respekt. Wer in der Mensa über das Essen lästert hat bei mir sofort verschissen.
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