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Hilfe vom WG-Psychologen: "Meine Mitbewohnerin schmatzt"

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Corbis

Ein Biss in den Burger

Levin kann die Tischmanieren seiner Mitbewohnerin nicht ertragen: Sie kaut mit offenem Mund und leckt ihre Finger in einer "epochalen Lautstärke" ab. Soll er sie darauf ansprechen?

Zur Person
  • Eric Lichtenscheidt
    WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag:
    Der Diplom-Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser.
Levin* schreibt:

Lieber Herr Büter,

ich wohne seit ein paar Monaten mit meiner Mitbewohnerin in einer Zweier-WG zusammen. Das WG-Leben funktioniert so weit gut, wenn nicht ihre Tischmanieren so abstoßend wären. Sobald sie etwas mit der Hand isst, sei es ein Brot oder die Nudel, die von der Gabel gefallen ist, leckt sie ihre Finger in einer epochalen Lautstärke ab. Die Hände wäscht sie sich aber nicht dabei. Während des Essens kaut sie mit offenem Mund und verursacht dadurch eine Geräuschkulisse, die ihresgleichen sucht. Eine 22-jährige Frau auf so etwas anzusprechen, kommt mir kleinlich vor. Ich möchte mich nicht als Erzieher aufspielen, aber ich kann diese Manieren nicht weiter tolerieren. In mir brodelt es, da ich bei jeder Mahlzeit diese Ticks ertragen muss. Steht es mir zu, meine Mitbewohnerin auf ihre fehlenden Tischmanieren anzusprechen? Bitte helfen Sie mir!

* Name geändert

Typologie der WG-Mitbewohner: Glucken, Schnorrer, Spießer
WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Lieber Levin,

ich verstehe Ihre Skrupel, Ihre Mitbewohnerin auf einen so sensiblen, persönlichen Punkt anzusprechen. Es führt aber kein Weg daran vorbei. Ich wüsste gerne, ob sie an anderen Orten gleichermaßen isst und - vielleicht noch wichtiger - ob Dritte sich ebenso abgestoßen fühlen wie Sie. Ein Teil des Problems könnte durchaus in Ihnen selbst verankert sein.

Das Berühren von Essen mit den Händen ist ja nicht immer ein Affront, bei Geflügel etwa oder Krebstieren. Für die Hände liegen Servietten bereit. Niemand steht alle paar Minuten auf, um sie zu waschen. Essen mit offen stehendem und Sprechen mit vollem Mund ist allerdings etwas, das elementar gegen gute Tischsitten verstößt. Das gilt sehr wohl auch für den, der sich erlauben will, nicht immer so zu essen, als säße er an einer Honoratiorentafel.

Mein Rat? Da Ihr Ton die Musik machen wird und Sie zu Recht nicht als Erzieher auftreten wollen, schlagen Sie eben auch dessen Ton nicht an. Beziehen Sie sich in einem undramatischen Gespräch auf das, was Sie stört. Sprechen Sie in freundlichen, humorvollen Worten ebendas an, was nach breiter Konvention nicht zu rücksichtsvollen und kultivierten Tischsitten gehört. Damit stehen Sie allemal auf der sicheren Seite.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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    Seite 1    
1. Wenn das alles ist...
elblette 05.03.2016
… wenn man selber sehr bürgerlich erzogen ist, fällt einem das natürlich unangenehm auf. Wenn es ansonsten aber keine Konfliktpunkte gibt, dann würde ich mich in Toleranz üben. Wie man in dieser Kolumne lesen kann, gibt es wesentlich schlimmere Probleme, die man mit Mitbewohnern haben kann.
2. Ähm...
brandtner 05.03.2016
... War das ernsthaft die spannendste Frage, die an Herrn Büter gestellt wurde!?
3. Ausziehen
peterbruells 05.03.2016
Sorry, aber Erwachsene kann man eben nicht erziehen. Höchsten umtrainieren, aber dafür braucht es Sanktionsgewalt, die ein Mitbewohner nicht hat. Ich frage mich auch, ob der Berater überhaupt zugehört hat. Es geht ja nicht darum, dass man sich sofort die Hände wäscht, nicht einmal, dass man nichts mit den Händen zum Mind führen sollte (was im übrigens auch bei Geflügel eine Unsitte ist und nur mangelnde Beherrschung des der Tischwerkzeuge demonstriert), sondern dass Körperflüssigkeiten nach draußen gebracht werden und dann fröhlich in der Gegend verteilt werden. Nein, lieber WG Bewohner, das wird nichts. Ziehen sie aus und suchen sich jemanden, der wenigstens Minimalanforderungen erfüllt. Am besten, sie laden ihn vorher zum Essen ein.
4. .
karend 05.03.2016
Zitat von elblette… wenn man selber sehr bürgerlich erzogen ist, fällt einem das natürlich unangenehm auf. Wenn es ansonsten aber keine Konfliktpunkte gibt, dann würde ich mich in Toleranz üben. Wie man in dieser Kolumne lesen kann, gibt es wesentlich schlimmere Probleme, die man mit Mitbewohnern haben kann.
Na ja, bei anderen ist es die gequetschte Zahnpasta ;-) Ich hatte einmal eine Kollegin, die auch schmatzte, stets mit vollem Mund sprach und dabei den Inhalt großzügig zeigte. Mir verging dabei jeglicher Appetit. Das noch in der Wohnung zu erfahren, wäre wirklich zuviel …
5. Tip an den Psychologen
zufriedener_single 05.03.2016
Beobachten Sie mal eine Teezeremonie in Japan. Da sehen Sie Kultur vom Feinsten...
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