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Hirndoping mit Teeextrakt: "Nach dem Trinken klar im Kopf"

Junge Frauen beim fröhlichen Trinken: Leistungsfähiger dank Früchtetee? Zur Großansicht
Corbis

Junge Frauen beim fröhlichen Trinken: Leistungsfähiger dank Früchtetee?

Es klingt vielversprechend: Chris Volke, 23, hat mit einem Freund ein Pflanzenpräparat erfunden, das in Wasser aufgelöst das Aufnahmevermögen des Gehirns fördern soll. Das "Denk Getränk" soll Kaffee und Energydrinks überlegen sein. Bluff oder Coup?

Zur Person
  • Viele Ideen für Unternehmensgründungen entstehen aus einem persönlichen Unbehagen. Chris Volke (mit Brille) und Florian Mack, beide 23, waren Muntermacher wie Kaffee oder Energydrinks schon nach dem ersten Semester ihres wirtschaftswissenschaftlichen Studiums in Leipzig leid. Sie machten sich auf die Suche nach Alternativen und entwickelten eine Art pflanzliches Gehirndoping. Während der Entwicklungsphase wurde ihnen klar, dass wohl wenig schwieriger ist, als in Deutschland ein neues Lebensmittel auf den Markt zu bringen.
SPIEGEL ONLINE: Einer der wichtigsten Ratschläge für ein fittes Gehirn lautet: genug schlafen und viel trinken. Wozu brauche ich Ihr Wundergetränk?

Volke: Wir haben kein Wundermittel entwickelt. Ich behaupte nicht, dass man das Pulver nimmt und alles ist gut.

SPIEGEL ONLINE: Wozu dann "Nijoz", wie Ihr pflanzliches Brausepulver heißt?

Volke: Florian und ich studieren in Leipzig Wirtschaftswissenschaften. Gleich im ersten Semester erlebten wir, wie viel Druck auf den Studenten lastet. Im Grunde schreibt man alle sechs Monate Abitur. Wir fragten uns, was man machen kann, um trotz der Belastung die beste Leistung zu zeigen. Und mich haben Energydrinks immer nur hibbelig gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie deshalb nach besseren Mitteln gesucht?

Volke: Ja. Florians Mutter stieß in einer Gärtnerei auf die Brahmi-Pflanze. In einem Zusatz hieß es, dass Brahmi bei Studenten in Indien der Renner sei. Sie wird auch im Ayurveda angewendet und hat nachweislich eine lernfördernde Wirkung.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Getränk stecken noch mehr Pflanzen, unter anderem Heidelbeeren oder Rosenwurz. Welche Funktion haben die?

Volke: Es gibt viele Mittelchen, die Studenten mehr Leistung versprechen, aber wir wollten eine natürliche Variante. Wir haben zehn Pflanzen ausfindig gemacht, die eine nützliche Wirkung haben, und deren sekundäre Pflanzenstoffe sind jetzt in unserem Pulver. Rosenwurz etwa soll die Aufnahmefähigkeit des Gehirns steigern.

SPIEGEL ONLINE: Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

Volke: Das sind Nährstoffe, die keinen Energiewert haben, die aber ähnlich wie Vitamine eine ernährungsphysiologische Wirkung haben. Im grünen Tee oder in Heidelbeeren stecken zum Beispiel Polyphenole, die vor freien Radikalen schützen können oder die Oxidation der Zellen verlangsamen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind beide 23 Jahre alt, studieren Wirtschaft und hatten bislang keine Erfahrung mit Lebensmittelproduktion. Wer hat Ihnen geholfen?

Volke: Das Gründernetzwerk der Universität Leipzig stellte den Kontakt zum Fraunhofer Institut her. Eine Lebensmitteltechnikerin hat uns beraten, was machbar ist. Viele Stoffe sind bitter und es ging um die Frage, wie man daraus ein Getränk machen kann, das trotzdem genießbar ist. Außerdem haben uns Anwälte für Lebensmittelrecht beraten.

SPIEGEL ONLINE: Wie wirkt Ihr Getränk genau?

Volke: Nach der Health-Claims-Verordnung der EU ist es verboten, unser Produkt mit einer gesundheitsbezogenen Aussage zu bewerben. Ich kann nur sagen: Es gibt Studien zu allen Inhaltsstoffen und ihrer positiven Wirkung.

SPIEGEL ONLINE: Es könnte also sein, dass nach dem Einnehmen Ihrer Brause gar nichts passiert?

Volke: Wir haben mittlerweile mehr als 40.000 Beutelchen verkauft. Die Nutzer schreiben, dass sie nach dem Trinken klar im Kopf und konzentriert waren, ohne aber aufgeputscht zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt ziemlich verhalten.

Volke: Die EU hat zu den verwendeten Extrakten noch keine gesundheitsbezogenen Aussagen zugelassen. Für Brahmi zum Beispiel müssten wir erst ein Zulassungsverfahren beantragen, das sehr viel Geld kostet.

SPIEGEL ONLINE: Wie schmeckt der Drink?

Volke: Ein wenig wie kalter Früchtetee. Wir überarbeiten das Pulver aber gerade und haben bald einen neuen Geschmack im Angebot. Dann ändert sich auch der Name.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Volke: "Nijoz" war eine Anspielung auf "Genius". Einige tun sich mit der Aussprache schwer, deswegen heißt unser Getränk bald "Neuronade". Die wird dann auch Vitamin B5 enthalten. Damit dürfen wir dann auch werben, da es nachweislich die geistige Leistung fördert.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt keine Studie zur Wirkung Ihres Getränks, die EU untersagt die Werbung und Sie dürfen nur auf die netten Reaktionen von Kunden verweisen. Wie gehen Sie mit Skepsis gegenüber Ihrer Erfindung um?

Volke: Die Skepsis hat uns immer begleitet. Wir wissen, dass es Erklärungsbedarf gibt. Aber wir sind der Überzeugung, dass die Hirnleistung mit der Aufnahme der richtigen Nährstoffe gesteigert werden kann. Und glauben nicht, dass die Energydrink-Versprechen von Wachheit und Reaktionsfähigkeit mit mehr Konzentration und Denkleistung gleichzusetzen sind. Im Gegenteil. Das Gehirn funktioniert am besten, wenn wir gelassen und entspannt sind.

SPIEGEL ONLINE: Red Bull startete klein und ist heute ein riesiges Unternehmen. Wird die Neuronade irgendwann ein Formel-1-Team sponsern?

Volke: Das kann ich ausschließen.

Das Interview führte Peter Wagner.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Kein Wundermittel ... zum Glück
romina-miller 24.04.2014
Das Interview zeigt ja, dass das Pulver kein "Wundermittel" ist. Und ich hoffe, dass so ein "Wundermittel" niemals erfunden wird, denn dann würde der Mensch zu einer Maschine degradieren. Es geht doch nichts über ausreichend Schlaf und Ruhe sowie eine gesunde Ernährung.
2. viel erfolg,
dr.drum 24.04.2014
hört sich gut an.
3. Alternative
Gerd Heitmann 24.04.2014
Interessantes Produkt, das die beiden da haben. Ich habe von einem Start-up in Stockholm gehört, die eine ähnliche Idee als Getränk anbieten wollen. Ich weiss leider nicht genau, wie das Produkt heißt, da es noch nicht auf dem Markt erhältich ist - aber ich glaube es heißt 'Spark'. Gibt es denn eigentlich noch ähnliche Produkte zu dieser Idee? Im Endeffekt ist das ja nur eine Alternative zu Kaffee und Energie Drinks...
4. Daumen hoch!
humpalumpa 24.04.2014
Die Idee ist super! Viel Erfolg!
5. optional
smoerk 24.04.2014
Wie wärs mal mit einem Getränk, dass Studenten wieder etwas gesellschaftskritischer denken lässt. Wegen Leistungsdruck muss man jetzt ein Getränk entwickeln, was... Ach egal. Ich hör einfach auf drüber nachzudenken und besauf mich. Das erträgt doch keine Sau.
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