"Achtung! Wellensittich entflogen. Farbe egal", stand auf dem Zettel, ausgehängt in Berlin Friedrichshain. Es war einer der ersten Aushänge, die Joab Nist auf seiner Webseite Notes of Berlin veröffentlichte. Seit seinem Umzug von München nach Berlin ist der 29-Jährige entzückt über die Erfüllung seiner Erwartungen und Vorurteile: Berlin ist tatsächlich skurril, absurd und kreativ, gleichzeitig aber auch naiv-romantisch und herzlich.
"Das alles drückt sich in der Zettelwirtschaft aus, und ich will es bewahren", sagt Joab. Sonst würde heute niemand mehr von dem egalfarbigen Vogel sprechen oder von dem Nachbarn, der seine Fußnägel nicht in den Garten, sondern in den Müll schmeißen soll. Vor fast genau zwei Jahren gründete der Masterstudent in Kulturmanagement seinen Blog. Er will darin das typische Berlin zeigen und zudem Alltagskulturthemen aufgreifen, die auch jeder außerhalb der Hauptstadt kennt: Fahrrad weg, Streit mit den Nachbarn, Flirts in der U-Bahn.
Einiges fotografiert Joab selbst, die meisten Bilder ungewöhnlicher Zettel werden mittlerweile von Lesern eingesandt. 25.000 Fans hat das Gemeinschaftsblog auf Facebook, pro Woche werden es ungefähr tausend mehr. Ja, das Projekt sei schon zeitaufwendig, sagt Joab. Trotzdem soll die Seite nicht kommerziell werden, Werbung auf dem Blog lehnt er ab. Im Sommer erschien ein Buch mit den Zetteln. Das, so Joab, "finanziert mein Projekt".
SPIEGEL ONLINE zeigt eine noch unveröffentlichte Hommage an die Wut, Sorgen und den Witz der Berliner.
lgr
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