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Feiern für Fortgeschrittene: Was verrät mein Cocktail über mich?

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DPA

Du bist, was du trinkst - oder so ähnlich. Cocktails können eine Party-Nacht befeuern, aber welchen soll man bestellen? Die Feier-Experten Sebastian Leber und Nana Heymann erklären im vierten Teil des Ausgeh-Ratgebers, was der Alkoholmix über den Trinker verrät.

Glaubt man dem US-amerikanischen Schriftsteller Henry Louis Mencken, lassen sich aus dem Spirituosen-Vorrat einer durchschnittlichen Cocktailbar exakt 1.7864.392.788 unterschiedliche Drinks mixen. Offiziell gilt natürlich: freies Land, freie Getränkewahl. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn jeder wird auch danach beurteilt, was er schlürft.

Caipirinha. Diese Bestellung beweist Ihr Gespür, Trends mit zehn Jahren Verspätung aufzugreifen. Offensichtlich macht es Ihnen nichts aus, mit den gewöhnlichsten Normalos in einen Topf geworfen zu werden. Wer Caipirinha bestellt, lacht auch über die Witze von Eckart von Hirschhausen. Bonus-Tipp: Möchten Sie sich komplett sozial unmöglich machen, ordern Sie beim Barkeeper bitte "einen Caipi".

Mojito. Schmeckt annähernd wie Caipirinha, hat aber weniger Blamierpotential. War auf Kuba der Lieblingsdrink von Ernest Hemingway.

Zombie. Heißt so, weil sich der Trinkende schnell wie einer fühlt. Hochprozentige Hammermischung aus bis zu sechs Sorten Rum, dazu Fruchtsäfte, die einen glauben machen, dass so etwas Liebliches unmöglich derart schlimm knallen kann. Tut es aber. Optimal, um Jobprobleme, Beziehungsstress und grundlegende Manieren zeitweise zu vergessen.

White Russian. Kaffeelikör mit Sahne und viel Wodka. Der Drink, mit dem man nichts falsch machen kann. In jeder Lebenssituation passend und dank "The Big Lebowski" mit ewiger Coolness behaftet. Nicht wundern, wenn der Barkeeper Sie permanent "Dude" nennt.

Piña Colada. Cremiges Rum-Gesöff mit Kokos- und Ananasgeschmack. Wird von Barkeepern tendenziell verachtet, weil die Süße den Rumgeschmack überdeckt. Die Piña Colada diskreditiert denjenigen, der sie bestellt - ist aber immerhin das Nationalgetränk von Puerto Rico.

Cosmopolitan. Die perfekte Wahl. Vorausgesetzt, Sie heißen Carrie Bradshaw und sind im Jahr 2004 hängengeblieben. Traurig, aber wahr: "Sex and the City" hat dem eigentlich leckeren Drink für Generationen von Trinkern jede Credibility geraubt. Danke, Mädels.

Wodka Red Bull. Falls es der Barkeeper gut mit Ihnen meint, wird er auf Körperverletzung verzichten und Ihnen bloß Hausverbot erteilen. Wodka-Red Bull ist kein Longdrink, sondern eine Beleidigung für einen ganzen Berufsstand.

Long Island Iced Tea. Enthält überraschenderweise gar keinen Tee, dafür eine wilde Mischung aus Rum, Gin, Wodka, Triple Sec, Curaçao und Tequila. Wird von hochnäsigen Barkeepern abgelehnt, weil zu viele Spirituosen miteinander vermischt werden. Mit Knallgarantie.

Martini. James Bonds Lieblingsdrink, wahlweise aus Wodka oder Gin. Über die beste Zubereitung - zum Beispiel ob mit oder ohne Olive - lässt sich stundenlang mit dem Barkeeper fachsimpeln, auch über die notorische Frage "geschüttelt oder gerührt". Der US-Blogger Brent Rose hat sich wissenschaftlich damit befasst und kommt zu folgendem Schluss: Wer seinen Martini wie 007 geschüttelt bestellt, erhält ihn zwar kälter, aber auch mit einem größeren Wasser- und also geringerem Alkoholanteil. Bitte nicht verwechseln mit der Wermut-Marke gleichen Namens von Martini & Rossi.

Sex on the Beach. Die Wundertüte unter den Cocktails. Die Originalrezeptur mit Cranberrynektar, Pfirsichlikör und Wodka erhält man in Deutschland selten, dafür eine Variante mit verschiedensten Säften, Likören, Spirituosen und Sirups, die dem Barkeeper gerade zur Verfügung stehen. Hauptsache, es schmeckt am Ende fruchtig und mäßig süß.

Swimming Pool. Schlumpfblau und kokosnusscremig, ähnelt stark der Piña Colada. Klingt für den Laien polyglott, ist aber in Wirklichkeit bloß die Erfindung eines Münchner Barbetreibers aus den späten siebziger Jahren - und damit ein Bekenntnis zur bayerischen Schicki-Micki-Szene.

Orgasmus. Das Getränk für alle Proleten und Schmerzbefreiten. Mix aus Cointreau, Baileys und Grand Marnier, dessen obere Sahneschicht verdächtig nach Sperma aussieht. Die Bestellung "Einen Orgasmus, bitte" kommt einem erst jenseits der Zwei-Promille-Grenze lustig vor. Die International Bartender Association hat das Getränk inzwischen zu Recht von ihrer Liste gestrichen.

Champagner-Cocktails. Lassen den Besteller leicht als neureichen Schnösel dastehen, auch wenn der Preis gar nicht höher liegt. Passen nur als Stilbruch zu abgewetzten Jeans und speckigen Haaren.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Nachts sind alle Katzen blau. Feiern für Fortgeschrittene", erschienen im Goldmann-Verlag.


FEIERN FÜR FORTGESCHRITTENE

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Zur Person
  • Doris Spiekermann-Klaas
    Die Buchautoren Sebastian Leber und Nana Heymann arbeiten beide als Journalisten: Sie schreibt unter anderem für den "Tagesspiegel" und das "ZEITmagazin", er arbeitet als Redakteur beim "Tagesspiegel". Seit Jahren berichten beide für die Zeitung über das Berliner Nachtleben - und feiern auch selbst ausgiebig mit.
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