Feiern für Fortgeschrittene: Fünf Fluchtwege für Festgequatschte

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Lasse reden: Hiergeblieben, manche Gesprächspartner wird man nicht los

Auf jeder Feier gibt es eine nervige Person, die ihre Umgebung ohne Erbarmen vollquatscht. Aber wie wird man einen nervigen Gesprächspartner los? Die Party-Experten Nana Heymann und Sebastian Leber beantworten die wichtigsten Feier-Fragen. Teil 7: das Wortmonster.

Sie sehen es ihm nicht sofort an, er wirkt sympathisch, vielleicht sogar witzig oder geistreich. Bis Sie merken, dass Sie leider an den Falschen geraten sind - doch dann ist es bereits zu spät.

Auf jeder guten Party gibt es mindestens einen nervigen Gast, der seine Umgebung ohne Rücksicht auf Verluste zutextet, der am liebsten von sich selbst erzählt und über alle subtilen Absetzbewegungen seiner Mitmenschen gnadenlos hinwegbrabbelt. Konventionelle Etikettetrainer bezeichnen solche Typen als "klebrige Gesprächspartner", treffender wäre wohl "schwarze Löcher" - weil sie die Gabe besitzen, Umstehenden sämtliche Energie und Lebensfreude auszusaugen.

Ihre Themenwahl variiert: Sie schwafeln von Backpacker-Urlauben in Südostasien, angeblichen Heldentaten im Büro, den letzten 20 Folgen ihrer aktuellen Lieblingsserie in chronologischer Reihenfolge. Was alle Party-Zutexter dieser Welt eint: Sie begreifen nicht, wie sehr sie die Geduld ihrer Mitmenschen strapazieren.

Allein mit dem Wortmonster

Mit dieser Masche gelingt es ihnen, ganze Gesprächsrunden zu zerstören. Nach und nach setzen sich die anderen ins Nebenzimmer ab, wer nicht rechtzeitig flüchtet, bleibt am Ende allein mit dem Wortmonster zurück.

Wie entkommt man dieser Notlage? Zunächst müssen Sie sich über die Schuldfrage klar werden: Nicht Sie selbst sind unhöflich, weil Sie dringend fortmöchten. Ihr Gegenüber ist es. Im Grunde interessiert ihn überhaupt nicht, wen er gerade zutextet. Also kein Mitleid.

Weiterhin empfiehlt es sich nicht, auf eine günstige Gelegenheit zur Flucht zu warten, das steigert bloß die Frustration. Besser ist es, selbst aktiv zu werden.

Die besten Fluchtwege:

1. Der Klassiker: Sie behaupten, dringend auf Toilette zu müssen oder das Weinglas aufzufüllen. Nachteil: Das Monster könnte Sie begleiten wollen.

2. Der Phantom-Anruf: Greifen Sie in die Hosentasche und erklären Sie, das Handy vibriere. Dann täuschen Sie ein Telefongespräch vor, sagen bloß "Hallo", lassen ansonsten den imaginären Anrufer reden. Kurz Blickkontakt mit dem Monster herstellen, entschuldigend mit der freien Hand winken, umdrehen und weg.

3. Der Soziologen-Tipp: Eine Technik, die der britische Soziologe Laurie Taylor vorschlägt: Gehen Sie in die Hocke und binden Sie einen Schnürsenkel neu. Bleiben Sie möglichst lange am Boden, stehen Sie dann mit weitem Ausfallschritt wieder auf und laufen dabei einem zufällig vorbeigehenden Fremden in die Arme. Entschuldigen Sie sich und laden Sie den Angerempelten auf einen Drink ein.

4. Für Fortgeschrittene: Verwickeln Sie einen Dritten in das Gespräch. Versuchen Sie, das Interesse des Zutexters auf den Neuankömmling zu lenken ("Kennt ihr euch eigentlich?" - "Er war übrigens auch schon in Südostasien."). Entfernen Sie sich kurz darauf von der Gruppe. Die Mingling-Expertin Jeanne Martinet nennt diese Technik human sacrifice ("Menschenopfer").

5. Die Freundlichkeitsoffensive: Schenken Sie Ihrem Gegenüber ein herzliches Lächeln, klopfen Sie ihm auf die Schulter und sagen Sie: "War wirklich toll, mit dir zu reden." Die positiven Signale werden die negativen des folgenden Abgangs überdecken und in Erinnerung bleiben. Wichtig: Behaupten Sie niemals, gleich wiederzukommen.

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Nachts sind alle Katzen blau. Feiern für Fortgeschrittene", erschienen im Goldmann-Verlag.


FEIERN FÜR FORTGESCHRITTENE

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  • Doris Spiekermann-Klaas
    Die Buchautoren Sebastian Leber und Nana Heymann arbeiten beide als Journalisten: Sie schreibt unter anderem für den "Tagesspiegel" und das "ZEITmagazin", er arbeitet als Redakteur beim "Tagesspiegel". Seit Jahren berichten beide für die Zeitung über das Berliner Nachtleben - und feiern auch selbst ausgiebig mit.
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