Plasbergs Halbwissen: "Vieles vergesse ich wieder"

In seiner Sendung trifft er auf übervorbereitete Streber und coole Performer: Frank Plasberg fragt die Prominenz des Landes aus. Dem SPIEGEL hat der Moderator verraten, wie es um seine Allgemeinbildung steht, was seine peinlichsten Wissenslücken sind - und was der Zuschauer wissen muss.

Plasberg: "Das typische Journalisten-Niveau: ein gesundes Halbwissen. Immerhin!" Zur Großansicht
WDR

Plasberg: "Das typische Journalisten-Niveau: ein gesundes Halbwissen. Immerhin!"

SPIEGEL: Herr Plasberg, bitte ergänzen Sie: Über allen Gipfeln...

Plasberg:... ist Ruh.

SPIEGEL: Und weiter?

Plasberg: Der Kauz, der macht bubu...

SPIEGEL: Sie kennen "Wandrers Nachtlied" von Goethe nicht?

Plasberg: Nein, wir hatten in den Siebzigern einen Deutschlehrer, der hat mit uns lieber Werbetexte analysiert als Goethe.

SPIEGEL: Das wird Thilo Sarrazin aber gar nicht gefallen. Er hat in Ihrer Sendung "Hart aber fair" behauptet, dieses Gedicht müsse jeder kennen. Finden Sie das auch?

Plasberg: Ach, es gibt viele gute Gründe, warum man Gedichte auswendig kennen sollte. Zum Beispiel ist es romantisch – und das mögen die Frauen. Außerdem ist es in einer alternden Gesellschaft die eleganteste Form, sein Gedächtnis zu trainieren. Und wenn der Stoff stimmt, behält man es auch. Meine Mutter hat mir als Kind immer die Ballade von Archibald Douglas vorgesprochen. Die kann ich heute noch.

SPIEGEL: Kostprobe?

Plasberg: Ich hab es getragen sieben Jahr...

SPIEGEL: Schon mal ein Anfang...

Plasberg:...und ich kann es nicht tragen mehr. Wo immer die Welt am schönsten war, da war sie öd’ und leer, ich will hintreten vor...

SPIEGEL:...danke, danke, wir glauben Ihnen, dass Sie es auswendig können. Herr Plasberg, manchmal moderieren Sie auch Wissensshows, in einer haben Sie zuletzt die Frage gestellt, was die westlichste deutsche ostfriesische Insel ist. Wieso muss man diese Frage beantworten können?

Plasberg: Auch diese Frage muss man nicht beantworten können, aber es ist doch ganz nützlich, wenn man weiß, wo man garantiert nur noch Meer sieht beim Sonnenuntergang am Strand. Oder kommt da gleich eine niederländische Insel?!

SPIEGEL: Gibt es überhaupt Fragen, die man als erwachsener Staatsbürger unbedingt beantworten können muss?

Plasberg: Natürlich gibt es ein paar Dinge, die man wissen sollte, um zu verstehen, wie unser Staat funktioniert. Wer wählen gehen darf, muss natürlich wissen, was seine Stimme bedeutet und wie eine demokratische Wahl abläuft. Urteilsvermögen beruht auch auf Wissen. Und auf Neugier.

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insgesamt 29 Beiträge
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1.
blogreiter 25.05.2011
Seit ich die Sendung unter dem Aspekt einer Show sehe, geht es mir wieder besser. Mit einer seriösen Diskussionsrunde hat diese Sendung in meinen Augen wenig zu tun. Effekthascherei eines Herrn Plasberg steht im Vordergrund.
2. re
Mirko D. Walter 25.05.2011
Herr Plasberg kommt als gesunder Pragmatiker rüber - er kommt sympathisch rüber. Schön zu hören, dass trotz eines recht hohen Anspruchs an die eigene Arbeit die Menschlichkeit bleiben kann. Sehr nett auch sein Standpunkt zum Thema Sarazzin - so sollten wir es alle ab und an halten; nicht immer alles so bierernst nehmen.
3. Hart aber fair...
Coolie 25.05.2011
...ist nichts weiter als eine mittelmäßige Polit-Talkshow mit einem mittelmäßigen Moderator, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt.
4. Keinen Titel gefunden
TheBear 25.05.2011
Zitat von Mirko D. WalterHerr Plasberg kommt als gesunder Pragmatiker rüber - er kommt sympathisch rüber. Schön zu hören, dass trotz eines recht hohen Anspruchs an die eigene Arbeit die Menschlichkeit bleiben kann. Sehr nett auch sein Standpunkt zum Thema Sarazzin - so sollten wir es alle ab und an halten; nicht immer alles so bierernst nehmen.
Volle Zustimmung, bin zu dem gleichen Schluss gekommen.
5. Raus.
la borsa 25.05.2011
Zitat von sysopIn seiner Sendung trifft er auf übervorbereitete Streber und*coole Performer: Frank Plasberg fragt die Prominenz des Landes aus. Dem SPIEGEL hat der Moderator verraten,*wie es um seine Allgemeinbildung steht, was seine peinlichsten Wissenslücken sind - und was der*Zuschauer wissen muss. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,763144,00.html
Plasberg ist bei mir raus. Er ist nämlich nicht der Lage, situationsbezogen Fragen zu stellen, um Tatsachenbehauptungen besonders von Politikern zu entlarven. Es ist eine programmierte Show - daran ändert auch der Faktencheck nichts. Ja: Damals fing es ganz gut an, als er den Steinbrück vorführte. Das kann er nicht mehr oder will er nicht mehr. Schlimm ist es, dass er betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge nicht ad hoc hinterfragen kann. So bleibt denn alles nur Show mit geringen Unterhaltungswert.
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Zur Person
dapd
Frank Plasberg, Jahrgang 1957, schrieb als Schüler erste Zeitungsartikel. Nach dem Volontariat bei der "Schwäbischen Zeitung" arbeitete er für die Münchner "Abendzeitung", unter anderem als Polizeireporter. Später nahm er ein Studium der Theaterwissenschaft, Politik und Pädagogik auf, das er ohne Abschluss abbrach. Zu Studienzeiten arbeitete er für den Hörfunk, ab 1987 auch fürs Fernsehen. Viele Jahre lang war er Moderator und Redaktionsleiter der "Aktuellen Stunde" im WDR. Seit 2001 moderiert die Sendung "Hart aber fair".

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