Wer das Geld hat, hat auch das Sagen. So dachte es sich vielleicht auch der syrischstämmige Milliardär Wafik Said. Er ist ein Großspender der Universität Oxford und hat einen Großteil des Gebäudekomplexes der renommierten Said Business School finanziert, die daraufhin seinen Namen erhielt.
Nun hat er 15 Millionen Pfund für einen weiteres Gebäude der Management-Fakultät gespendet. Und möchte sich den Namen aussuchen: Er will das Gebäude nach einer der berühmtesten Absolventinnen der Elitehochschule benennen: Margaret Thatcher. Die heute 86-jährige ehemalige britische Premierministerin machte 1947 in Oxford ihren Abschluss in Chemie. Für ihn sei die Baroness eine "Löwin", sagte Said dem britischen Magazin "The Spectator", sie müsse endlich von ihrer Uni geehrt werden. Als Hauptfinanzierer hat er das Vorschlagsrecht für den Gebäudenamen.
Wie der britische "Telegraph" berichtet, regt sich im Kollegium der Universität allerdings Widerstand gegen den Namen "The Thatcher Building". Denn die konservative "Eiserne Lady", die in ihrer Amtszeit eine stramm neoliberale Wirtschaftspolitik betrieb, ist bei einigen Uni-Dozenten wenig beliebt.
Bereits 1985 wehrte sich die Mehrheit der Oxford-Dozenten gegen eine Ehrung der damaligen Premierministerin. Die Congregation, eine Art Vollversammlung aller Uni-Dozenten und das höchste Entscheidungsgremium der Universität, stimmte mehrheitlich dagegen, ihr die Ehrendoktorwürde zu verleihen, weil die Regierungschefin "dem öffentlichen Bildungswesen schweren und systematischen Schaden zugefügt" habe. Thatcher reagierte trotzig, sie habe den Titel sowieso nicht gewollt.
Damals wollte man ein Zeichen setzen
Bernard Sufrin, eremitierter Informatikprofessor, ist sich sicher, dass es auch diesmal nichts mit der universitären Anerkennung wird. Er gehört zu den Dozenten, die wegen des Gebäudenamens die Congregation einberufen wollen. 20 Dozentenunterschriften reichen in Oxford aus, um eine Abstimmung unter allen der über 3000 Uni-Dozenten zu erzwingen. "Es ist undenkbar, dass die Congregation die Benennung akzeptiert", glaubt Sufrin.
Geschichtsprofessor Robert Gildea hat er auf seiner Seite. Er wolle auf jeden Fall dagegen stimmen. "Ich habe schon 1985 gegen den Ehrendoktor gestimmt, und meine Einstellung hat sich nicht verändert", sagte er dem "Telegraph".
Baroness Kennedy, Direktorin des Mansfield College in Oxford, kann den Widerstand ihrer Kollegen nicht verstehen. Sie verwies auf den Kontext der Ablehnung im Jahr 1985. "Zu der Zeit gab es seine Menge Kürzungen im Bildungswesen und die Ablehnung war eine Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen." Aber heute könne doch kein Zweifel mehr daran bestehen, dass Thatcher eine "unglaubliche Bedeutung" habe.
Auch Alice Prochaska, die heute das Somerville College leitet, an dem Thatcher studierte, ist für eine Ehrung der berühmten Absolventin. Außerdem gebe es an ihrem College bereits ein Margaret Thatcher Conference Centre. Den Namen hätte aber das College selbst bestimmt, ohne Einbeziehung der Universitätsleitung.
seh
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