Hilfe vom WG-Psychologen: Das ist meine WG, hört auf zu mobben!
Mit seinen Mitbewohnern kommuniziert Felix, 25, nur noch schriftlich, die Stimmung ist unterirdisch. Er würde ja ausziehen - will aber andererseits partout nicht aus der eigenen Wohnung gedrängt werden. Psychologe Ludger Büter erklärt, was Felix gleich zu Beginn falsch gemacht hat.
Das ist meins: Felix' Mitbewohner verfrachteten seine Sachen einfach in den Keller
Wohngemeinschaften sind eine tolle Erfindung. Das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie spülen nicht ab, leeren fremde Nutella-Gläser, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Was tun?
WG-Krach ist für Ludger Büter Alltag. Der 59-jährige Psychologe schlichtet im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der UniSPIEGEL-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).
Felix S., 25, aus Köln schreibt:
Ein Kommilitone, den ich noch nicht lange kannte, schlug mir vor einem Jahr vor, mit ihm eine WG zu gründen. Möglicherweise wäre alles gutgegangen, wenn nicht ein Dritter hinzugekommen wäre: ein Kumpel des Kommilitonen, der von seiner Freundin auf die Straße gesetzt worden war.
Schon kurz nach dem Einzug richteten die beiden die gemeinsamen Räume so ein, wie es ihnen richtig erschien. Ich wurde nicht gefragt, dabei habe ich die gesamte Kücheneinrichtung finanziert. Die beiden vorgeblich so lockeren Typen mutierten zu spießigen Pedanten: Falsch stehende Schuhe rückten sie gerade, mein Küchengeschirr, das ihnen nicht gefiel, packten sie in den Keller. Wir könnten uns eine Putzfrau leisten, doch meine Mitbewohner stellen lieber Putzpläne auf, die sie mit mir aber nicht absprechen.
Mittlerweile ignorieren die beiden mich, was absurd ist im Alltag. Als ich ihnen das mitteilte, kam die Antwort schriftlich: Ich sei der eigentliche Störenfried und solle ausziehen. Sie selbst würden sich in der Wohnung superwohl fühlen. Ich schlug vor, die WG zu verlassen, wenn die beiden mir den Wert der Küchengeräte erstatten, die sie täglich benutzen. Das lehnten sie ab. Ich habe viel Zeit und Geld in die Wohnung investiert, außerdem packt es mich an meiner Ehre, aus meiner eigenen WG herausgemobbt zu werden! Auf einen kindischen Streit, indem ich sie zum Beispiel bitte, endlich ihren eigenen Kühlschrank aufzubauen, möchte ich mich eigentlich nicht einlassen. Wozu würden Sie mir raten?
WG-Doktor Ludger Büter antwortet:
Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie man eine WG-Gründung nicht angeht. Sie sollten niemanden zum Partner auswählen, den Sie erst "seit kurzem" kennen. Das Leben in einer WG ist intim genug, um es mit Sorgfalt und Umsicht vorzubereiten. Dazu gehört Informationsaustausch: Wer eigene Informationen aufrichtig preisgibt, kann auch ehrliche Informationen von dem anderen erbitten. Sie hätten es jedenfalls nicht versäumen dürfen, etwas über die Gründe zu erfahren, welche eine Frau veranlassten, den "Kumpel" des einen Mitbewohners auf die Straße zu setzen.
Was Menschen zu Beziehungen und Partnerschaften zusammenführt, ist Sympathie, ist sexuelle Attraktivität, Faszination aller Art. Das gilt oft auch für das Zweckbündnis einer WG. Über den Bestand des Zweckbündnisses entscheidet aber eine andere Frage: ob die Schattenseiten der Beteiligten zusammenpassen. Wie jemand Traurigkeit, Anspannung und Aggressionen äußert und kanalisiert, muss innerhalb der Toleranzschwelle des anderen liegen.
Ihre zwei Mitbewohner schwimmen gemeinsam auf einer Wellenlänge, die Sie nicht teilen können. Wie schnell waren doch die vorgeblich so "lockeren Typen" für Sie entzaubert, kaum dass das WG-Leben eröffnet war. In diesem bedeutete man Ihnen schnell, Störenfried zu sein. Das Verhalten der Männer ist darin nur konsequent. Ich teile Ihren Pessimismus, dass sich daran nichts ändern lässt. Auch Ihre Empörung, aus der eigenen WG gedrängt zu werden, ist leicht nachvollziehbar. Ich empfehle Ihnen, diese für Sie unglückliche Erfahrung so schnell wie möglich zur Episode zu machen, ohne aus dem Blick zu verlieren, was Sie trotz allem daraus lernen können, auch über sich selbst.
- Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren Dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Psychologe Ludger Büter im UniSPIEGEL. Schick Deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de.
Silja Götz
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- Donnerstag, 14.06.2012 – 09:32 Uhr
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- Ludger Büter, 61, ist Diplom-Psychologe und arbeitet seit über 30 Jahren für das Kölner Studentenwerk. Im fünften Jahr berät er jetzt WG-Bewohner, die ihre Konflikte nicht mehr selbst lösen können.
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