Von Kathrin Breer
Pinkfarbene Kussmundstempel übersäen die Seiten, die sorgfältig mit Mädchenhandschrift und Kuller-i-Punkten gefüllt sind. Mit "Liebe Fiffi!" fängt jeder Eintrag an, so nennt die damals zwölfjährige Katharina ihr Tagebuch. Zu Fiffi kommen heute Dutzende fremde Zuhörer. "Am Anfang hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, vor so vielen Leuten meine Jugendsorgen auszubreiten. Aber nach zwei Gläsern Weißwein geht es ganz gut", sagt Katharina.
Der 26-jährige Stefan Jansen, Germanistik-Student und Besitzer des Cafés, erfuhr durch einen Gast von den Tagebuchlesungen: Der erzählte ihm von dem Trend aus London, wo peinliche Pubertätsbeichten in Pubs zurzeit angesagt sind. Das wollte er auch für sein Café. Leicht war es nicht, lesewillige Autoren zu gewinnen. Schließlich sind die meisten Tagebücher nicht umsonst mit einem Schlösschen verriegelt.
Warum stellen sich einige Mutige dann Jahre später sogar vor Publikum und tragen ihre Geheimnisse von damals vor? "Wenn man älter wird, entsteht eine kritische Distanz zur eigenen Jugend, und man entwickelt eine gewisse Selbstironie", sagt Jansen. Das lässt das Publikum in kollektiven Erinnerungen schwelgen. "Jeder hat ähnliche Erfahrungen gemacht, die aus heutiger Perspektive total lustig sind", sagt Katharina.
Erfahrene Tagebuchschreiber erkennen auch die typisch pubertäre Denk- und Schreibweise wieder: Von einem Thema stolpern die Autoren ohne Überleitung ins nächste. Die schlechte Note in der Französisch-Arbeit, das letzte Treffen mit dem Traumboy und die zickigen Mitschülerinnen werden in einem Absatz abgehandelt. Die große Liebe wechselt täglich von Mitschüler Max über Leonardo DiCaprio zu Prinz William und wieder zurück.
Für den UniSPIEGEL öffnen Katharina und zwei weitere Vorleser noch einmal die Tagebücher und präsentieren die witzigsten Pubertätsgeschichten - hören Sie rein...
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