Quadratisch wohnen: Klein, aber mein

Das ist Purismus: ein Würfel zum Wohnen mit nur 6,8 Quadratmetern, mitten in der Münchner Studentenstadt. Christian Muscheid, 23, ist Testwohner und lobt das Experiment. Aber neun Gäste bei der Einweihungsparty waren doch zu viel - der Wohnwürfel schlug Alarm.

Seit zwei Wochen wohnt Christian Muscheid, 23, in seinem blauen Würfel. Es ist der "Würfel Nr. 1" auf der Wiese der Studentenstadt München-Freimann, er ist mit 6,8 Quadratmeter Grundfläche kleiner als die behördlich vorgeschriebene Mindestgröße für ein Kinderzimmer und zugleich Toilette, Dusche, Diele, Küche, Wohnzimmer und Schlafkoje in einem. Sieben davon stehen - mit einem weißen Holzsteg verbunden - im Garten vor den großen Wohnheimen im Norden der Stadt. Von fern wirken sie wie vergessene Baucontainer.

Christian Muscheid ist Kunststudent und Testbewohner. Und er ist 1,90 Meter groß, der absolute Härtefall also für das durchdesignte "micro compact home". Bislang ging alles gut. Der Münchner fühlt sich wohl, er genieße, sagt Muscheid, das Puristische an seinem neuen Heim. Der Rest lasse sich einrichten. Mit viel Stauraum unter Sitzbänken, einem Kühlschrank in der Schublade, einem Flachbildschirm, verschiebbarem Tisch und variablen Liegeflächen.

Ein Nachteil sei, dass nach dem Duschen (die Dusche ist zugleich Diele) die Fenster beschlagen und der Wohnraum eine hohe Luftfeuchtigkeit hat. Außerdem waren die neun Leute bei seiner Einweihungsparty (sechs um den tiefer gelegten Tisch und drei auf dem Klappbett) dem Wohnwürfel wohl zu viel: Der eingebaute Gasalarm ging los.

Die Testbewohner sind zufrieden

Nachteil Nummer drei: Sein bester Freund Benni, zwei Meter groß, muss im Würfel immer den Kopf schief legen oder in die Knie gehen.

Doch das Experiment scheint zu gelingen. Zu eng sind die vier Wände bisher noch keinem geworden. Erfunden hat die exklusive Studentenbude Richard Horden, Professor für Gebäudelehre an der Technischen Universität München, zusammen mit den Architekten Lydia Haack und John Höpfner. Horden ist selbst auch in einen der Würfel gezogen - zumindest vorübergehend.

Fotostrecke

15  Bilder
Münchner Wohnwürfel: Stilvolle Enge

Zwar ist die Miete mit 150 Euro monatlich (warm) für Münchner Verhältnisse günstig, doch die blauen Kisten waren nicht billig: 100.000 Euro verschlang eine Design-Wohnung, die Produktion wurde vorerst vom Mobilfunkbetreiber O2 gesponsert. Sollten die Würfel in Serie gehen, würden sie billiger.

Muscheid fand den Platz als Testbewohner, als er für seine Freundin eine Wohnung suchte - und griff selbst zu. Es ist ein Abenteuer mit Ausweichmöglichkeit: Die Eltern wohnen zwei Straßen weiter, und die Freundin hat inzwischen eine "normale" Bude, in der man sich auch mal die Füße vertreten kann.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik WunderBAR
RSS

© UniSPIEGEL 6/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite