Die letzte Phase des Ankommens findet, so komisch das klingt, zu Hause statt. Nun beginnt die Legendenbildung. Vielleicht hat jemand eine kleine Fete für dich organisiert, vielleicht bist du mit einem kleinen Plakat am Bahnhof oder am Flughafen empfangen worden. Einen Tag lang darfst du nun auf den Thron steigen, für deine Familie und Freunde bist du der Größte.
Erst ergehst du dich noch in detaillierten Erzählungen, flichst manchmal, wie aus Versehen, noch mal ein Wort der Fremdsprache ein (vielleicht versicherst du auch, dass du schon manchmal in der Sprache geträumt hast!). Dann komprimierst du deine Erzählungen auf Wesentliches, weil Freunde eben ungeduldig sind. Nur wenige lauschen jedem Wort. So bündelst du deine Erfahrungen zu einem kleinen verbalen Paket mit lauter positiven Aspekten. Und je öfter du dieses kleine Paket verschenkst, umso mehr fängst du im Zweifel selbst an, an die positiven Aspekte zu glauben.
Der Aufenthalt, gestehst du dir, hat dich viel gelehrt. In deinen Augen kann man, wenn die Zeit im Ausland gut war, mitunter ein Verzücken und auch tiefe Trauer darüber erkennen, nun wieder zu Hause zu sein. Schon kurz nach dem Willkommensgruß umfängt dich die heimische Wirklichkeit mit einem kalten Handschlag. Nach ein paar Tagen ist der rote Teppich zu Ende gegangen. Dann fängt alles wieder an. Auch das Heimweh vielleicht.
Diesmal ist es aber das Heimweh nach der Ferne, aus der du gekommen bist.
Du hast eine kompakte Ausstrahlung. Die Menschen sehen einen neuen Menschen in dir, der durch ein Bad fremder Einflüsse und Eindrücke geschwommen ist. Du hast viel Gepäck, du hast Fotos und Sachen aus der Fremde dabei. Nach zwei Tagen aber gibt es den ersten Streit mit dir, und du wirkst komisch. Melancholisch. Zerrüttet.
Kein Wunder. Du musst doch erstmal ankommen.
Von Peter Wagner, jetzt.de
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