Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Referendum: Wissenschaftler fürchten unabhängiges Schottland

Studenten an der Andrews University in Schottland (Archivbild): "Wie sollten sich die schottischen Hochschulen finanzieren?" Zur Großansicht
REUTERS

Studenten an der Andrews University in Schottland (Archivbild): "Wie sollten sich die schottischen Hochschulen finanzieren?"

Umfragemehrheit für die Union: Ginge es allein nach Schottlands Hochschulmitarbeitern, bliebe das Land ein Teil von Großbritannien. Sie fürchten, ihre Unis könnten in einem freien Schottland Schaden nehmen.

Wenn es nach schottischen Forschern und Hochschulmitarbeitern ginge, würde Schottland beim Referendum um die Unabhängigkeit von Großbritannien mit Nein stimmen.

Bei einer Umfrage vom "Times Higher Education Magazine", an der mehr als tausend in Schottland arbeitende Wissenschaftler, Dozenten und Hochschulmitarbeiter teilnahmen, gab mehr als die Hälfte (54,8 Prozent) an, bei dem Referendum am 18. September mit Nein stimmen zu wollen, 41,2 Prozent wollen mit Ja abstimmen. Der Rest war sich noch unsicher.

55 Prozent der Mitarbeiter im Wissenschaftsbetrieb gaben an, dass es für das höhere Bildungssystem des Landes besser wäre, wenn Schottland weiterhin zum Vereinigten Königreich gehöre. 30,2 Prozent waren anderer Meinung. Die restlichen knapp 15 Prozent glauben nicht, dass das Referendum Auswirkungen auf die schottischen Unis haben wird, oder hatten dazu keine Meinung.

Hugh Pennington, ein emeritierter Professor der University of Aberdeen, sagte dem britischen "Guardian" zu der Umfrage: "Wenige Tage vor der wichtigsten Entscheidung in der schottischen Geschichte wissen wir immer noch nicht, wie unsere Universitäten finanziert werden würden. Das ist ein Risiko, das wir nicht eingehen müssen."

Fast alle Einwohner Schottlands wollen abstimmen

Damit spiegelt die Meinung an den Hochschulen die derzeitige Haltung der Schotten wider: Nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov führen die Gegner einer schottischen Abspaltung wieder knapp - 52 Prozent der Schotten würden bei dem Referendum am kommenden Donnerstag gegen die Unabhängigkeit stimmen, 48 Prozent wären dafür. Am vergangenen Wochenende hatten die Separatisten erstmals vorn gelegen.

Bei einem Sieg des "Ja"-Lagers wird damit gerechnet, dass es rund 18 Monate dauern würde, bis Schottland formal vom Königreich unabhängig wäre. Britische Medien spekulieren über einen Rücktritt des konservativen britischen Premiers David Cameron, sollte er ein Ende der mehr als 300 Jahre währenden Union mit Schottland verantworten müssen.

Das Interesse der Schotten an der Abstimmung ist riesig: Rund 97 Prozent haben sich für das Referendum registrieren lassen, 4,29 Millionen Bürger sind mittlerweile registriert, teilte die Wahlkommission am Donnerstag mit. Stimmberechtigt sind alle Einwohner ab 16 Jahren, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft. Schotten, die außerhalb Schottlands wohnen, dürfen nicht abstimmen.

Fotostrecke

12  Bilder
St. Andrews: Auf eine Partie Golf mit Hugh Grant

lgr/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
at.engel 13.09.2014
55% ist auch nicht gerade überwältigend - ich hätte da mit mehr gerechnet. Andererseits ist das, was da Herr Pennington von sich gibt aber auch ein Armutszeugnis. Wirklich ernst zu nehmende Argumente gegen die Unabhängigkeit scheint es wirklich nicht zu geben. Mit solchen Argumenten hätte man jedenfalls nicht einmal die Wiedervereinigung geschafft.
2. Schönes Beispiel für Demokratie
R.Ts 13.09.2014
Mir gefällt, wie die Schotten das demokratisch angehen. Es ist sehr erfrischend, dass mit der Regelung (Ausländer die in Schottland leben ja, Schotten die im Ausland leben nein) die tatsächlich Betroffenen abstimmen dürfen. Und dass sie nicht einfach nur (ggf. bestechliche, Parteizwang unterliegende, auf einen späteren Posten in der Wirtschaft schielende, die Arbeit fürs Volk nur als Nebenverdienst bzw. Networking auffassende, ideologische, nicht mehr ganz so ideologische, Versprechen vergessende, Versprechen gar nicht erst abgebende usw.) Vertreter wählen.. das hat irgendwie auch was direkt demokratisches :)
3. @ #1: Argumente...
fahrgast07 13.09.2014
Es gibt wohl starke Argumente gegen die Trennung: Die Währungsfrage, die engen finanziellen Verflechtungen, die schrumpfende internationale Bedeutung als kleines Land... Wie schnell eine kleine, von wenigen Sektoren abhängige Volkswirtschaft in die Krise gerät, hat man in Irland gesehen. In Schottland sehe ich ähnliche Abhängigkeiten (Öl, Finanzsektor). Aber gibt es auch nur ein einziges Argument für die Absapltung?
4. Ich glaub nicht dran
spon-facebook-1293013983 13.09.2014
Wahrscheinlich würde es innerlich sogar die Mehrheit begrüßen und schön finden, aber wenn es dann wirklich ans Eingemachte geht, überwiegen wahrscheinlich die Zweifel.
5.
AlbaScotland 13.09.2014
Vor ein paar Wochen beschwerte sich eine Mehrheit der Wissenschaftler das die Uni's in Schottland nicht ausreichend von Westminster unterstuetzt werden, der Rest der brit. Uni's finanziell weit besser versorgt ist und hoffen auf Besserung im falle einer Unabhaengigkeit. Nun muss man aber auch sagen das an den meisten Uni's in Schottland gar keine oder sehr wenig Gebühren (Tuition Fees) anfallen, oftmals nur 2.500€ am Ende des gesamten Studiums im Gegensatz zu den bis zu 11.000€/Jahr Studiengebuehren in England. Da verzichtet man auf viel Geld welches sicher die luecke zum rest GB's schliessen weurde.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Highland Games in Schottland: Die Queen amüsiert sich trotzdem