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Sektempfang als Karrieresprungbrett: Stößchen, Säbelzahntigerin

Frauen können besser zuhören und Männer besser einparken? Viele Geschlechterklischees sind Unfug, findet Medienwissenschaftler Klaus Arnold im Hochschulmagazin "duz". Bei Stehempfängen allerdings sind Frauen tatsächlich im Nachteil: Ihnen fehlt die nötige Mackerhaftigkeit.

Immer ran an den wichtigsten Gast: Strebsame Jungs machen instinktiv das Richtige Zur Großansicht
Corbis

Immer ran an den wichtigsten Gast: Strebsame Jungs machen instinktiv das Richtige

Sind Sie eine Frau? Vielleicht eine Wissenschaftlerin? Stehen Sie manchmal bei Uni-Empfängen herum, klammern sich an Prosecco und Brezel und verstehen nur noch Bahnhof? Wundern Sie sich nicht, Ihren Geschlechtsgenossinnen geht es auch nicht besser. Im allgemeinen Gesprächslärm verlieren Frauen die Orientierung und können sich nicht mehr auf die Stimme ihres Gegenübers konzentrieren.

Empört rufen Sie jetzt wahrscheinlich: Was für ein Chauvi-Geplapper! Kein Wunder, dass dem keine Frau zuhört. Aber so ist es nicht. Diese Aussage basiert selbstredend auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirft ein ganz neues Licht auf Stehempfänge, soziale Kontakte und das Verhalten von Frauen und Männern an der Universität.

Tübinger und Dortmunder Aufmerksamkeitsforscher haben jüngst das sogenannte Cocktailpartyphänomen untersucht. Sie schickten Frauen und Männer in einen mit Lautsprechern bestückten Raum und ließen verschiedene Alltagsgeräusche ertönen. Die Probanden sollten herausfinden, woher die Geräusche kamen. Das Ergebnis: Männer konnten die Schallquelle viel genauer ermitteln als Frauen, so die Forscher, die auch gleich eine Erklärung für ihre Beobachtung mitliefern.

Das Mann-Vieh mit Keule erklärt einfach alles

Schuld ist demnach die menschliche Evolution. Der Urzeitmann musste raus auf die Jagd. Und da stand er nun im finsteren Wald, nerviges Vogelgezwitscher und Blätterrauschen von allen Seiten. Aber dort drüben links, ein Knacken, ein gezielter Speerwurf und die Familie konnte sich auf Säbelzahntiger-Schnitzel freuen.

Sie denken jetzt, das mag ja ganz interessant sein, aber sind denn Stehempfänge und Small Talk in der Wissenschaft so wichtig? Spielt es denn eine Rolle, ob man oder frau sich dort gut schlägt? Ein Blick auf die Ablage am Schreibtisch: Da stapeln sich die Einladungen für Antritts- und Abschiedsvorlesungen, Geburtstage, Ausstellungseröffnungen, Erstsemesterbegrüßungen und Absolventenverabschiedungen.

Ein schier endloser Reigen von Grußworten, Reden, Streichquartetten und Sektempfängen. Ganz zu schweigen von den Tagungen und Konferenzen mit Kaffeepausen, Empfängen, gemeinsamen Abendessen und zwanglosen Get-Together, wie es neudeutsch so schön genannt wird. All das will überstanden sein, während - ach! - drei Seminare und eine Vorlesung vorzubereiten sind, sich die Abgabetermine für zwei Aufsätze gefährlich nähern, der Verlag auf das erste Kapitel des neuen Handbuchs pocht und sich draußen vor der Tür diese lange Schlange wartender Studierender bildet, die über ihre Haus-, Bachelor-, Magisterarbeiten und weiß der Teufel noch alles sprechen wollen.

Vor sich hinarbeiten geht heute nicht mehr

Muss ich jetzt wirklich noch zu der Festveranstaltung gehen oder auf die Jahrestagung des Fachverbands für transnationale Intermedialitätsdiskurse fahren? Früher konnte der Professor die vielen Einladungen und Tagungen, wenn er denn wollte, einfach ignorieren. Er arbeitete in seinem stillen Kämmerchen in einem entlegenen Flügel des Universitätsgebäudes vor sich hin, frönte seinem Forschungsgebiet und schrieb an seiner zehnbändigen Enzyklopädie der frühmittelalterlichen Metaphernbildung im nordwestdeutschen Raum.

Bei den Kollegen galt er vielleicht als seltsamer Kauz oder Misanthrop. Wenn er nach vielen erfüllten Jahren an der Universität zu seiner Abschiedsvorlesung einlud, stand er bei seinem Sektempfang vielleicht ziemlich alleine rum. Aber das wird ihn nicht weiter gestört haben, denn er konnte sicher sein, mit dem Zehn-Bänder den Meilenstein in der nordwestdeutschen Metaphernforschung gesetzt zu haben, der noch für viele Jahre das Standardwerk sein würde.

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1. .
saga1310 02.01.2012
Den Kommentar kann ich - eingeschränkt - bestätigen. Männer können die Geräuschkulisse eher ausblenden und sich auf ein Gespräch konzentrieren, während Frauen alle Geräusche relativ gleichberechtigt aufnehmen und daher mehreren Gesprächen folgen können -allerdings keinem Gespräch komplett. Was besser oder schlechter rist, kann jeder für sich selbst beurteilen, denn beide Eigenschaften haben Vorteile und Nachteile.
2. Machobeitrag
wkdw 02.01.2012
Zitat von sysopFrauen können besser zuhören und Männer besser einparken? Viele Geschlechterklischees sind Unfug, findet Medienwissenschaftler Klaus Arnold im Hochschulmagazin "duz". Bei Stehempfängen allerdings sind Frauen tatsächlich im Nachteil: Ihnen fehlt die nötige Mackerhaftigkeit. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,803519,00.html
Was für ein klischeehaftes Denken. Da ist der Herr Arnold wohl noch nicht mir auf einem Empfang begegnet. Als Frau stelle ich so manch einen Herren mit meinem "Platzhirschgehabe" in den Schatten. Tja, gut abgeschaut ist halb gewonnen....
3.
TomRohwer 02.01.2012
Zitat von saga1310Den Kommentar kann ich - eingeschränkt - bestätigen. Männer können die Geräuschkulisse eher ausblenden und sich auf ein Gespräch konzentrieren, während Frauen alle Geräusche relativ gleichberechtigt aufnehmen und daher mehreren Gesprächen folgen können -allerdings keinem Gespräch komplett. Was besser oder schlechter rist, kann jeder für sich selbst beurteilen, denn beide Eigenschaften haben Vorteile und Nachteile.
Frauen halten sich ja gern für "multitasking-fähig", obwohl die Hirnforschung längst gezeigt hat, daß das menschliche Gehirn mehrere Verstandesaufgaben nicht gleichzeitig, sondern nur hintereinander oder in kleine Häppchen zerteilt lösen kann. Männer konzentrieren sich stattdessen auf jeweils eine einzige Aufgabe und blenden alles andere aus. (Auch das Geplapper der Frauen, wenn man zynisch sein will...) Es wäre näherer Betrachtung wert, ob nicht darin ein viel wichtigerer Grund dafür liegt, daß Frauen in Punkto "berufliche Karriere" immer noch hinter den Männern herhinken, als in irgendwelcher "Diskriminierung", "gläsernen Decken" oder was sonst noch so als Ausrede angebracht wird. Erfolgreiche Kommunikation beruht zuallererst mal darauf, die 90 Prozent sinnloses Gerede konsequent ausblenden zu können. "Männer hören nicht zu?" Unsinn, Männer hören nur das Wesentliche, das was für sie wichtig ist. Allen Gesprächen, denen man folgt, nur teilweise folgen zu können - darin kann ich keinen Vorteil erkennen. Nur Nachteile.
4. Oha der berühmte Einzelfall,
helkaruthion 03.01.2012
Zitat von wkdwWas für ein klischeehaftes Denken. Da ist der Herr Arnold wohl noch nicht mir auf einem Empfang begegnet. Als Frau stelle ich so manch einen Herren mit meinem "Platzhirschgehabe" in den Schatten. Tja, gut abgeschaut ist halb gewonnen....
der meint, das eigene Weltbild sei das Maßstab. Die Tatsache, dass es auch weibliche Platzpartyhirschgesprächstoreros gibt, negiert doch nicht die Aussage, dass Männern die Konzentration auf Gespräche bei Parties, Empfängen usw. besser gelingt.
5. total übergeschnappt ...
semaphil 03.01.2012
Zitat von sysopFrauen können besser zuhören und Männer besser einparken? Viele Geschlechterklischees sind Unfug, findet Medienwissenschaftler Klaus Arnold im Hochschulmagazin "duz". Bei Stehempfängen allerdings sind Frauen tatsächlich im Nachteil: Ihnen fehlt die nötige Mackerhaftigkeit. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,803519,00.html
Na, da haben wir ja wieder mal was entdeckt. Nun müssen aber alle ran, um die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts zu eliminieren. Wie wär's mit einem Dezibelwächter, den jeder Mann an seinem Hals verankert bekommt. Saftige Strafen setzt es, wenn er zu laut redet. Wir könnten ja auch mal über eine Vierfünftel Quote für Frauen auf Stehparties nachdenken. Warum aber nicht: sollen die Frauen gefälligst besser zuhören - ist doch ihr Problem. Das östrogengesteuerte Geschwafel ist ja nicht mehr auszuhalten. Mir als Mann will das, was der Autor "den Männern" alles zuschreibt so gar nicht gelingen - ich habe das noch nicht mal im Kopf. Aber was solls! Beschreiben wir doch erst mal eine furchtbare Welt, bestätigen diese dann in allen möglichen Blogs, Kolumnen und wissenschaftlichen Aufsätzen - irgendwann findet diese Welt dann auch Eingang in die Köpfe der Menschen, und sie denken nun, sie müssten, wie beschrieben, agieren und reagieren. Für die Politik eignet sich das Ganze dann auch - einzwängen und überwachen, neue Jobs für . Mir graust vor diesen Redakteuren.
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Zur Person

Klaus Arnold ist Professor für Medien- und Kommunikations-wissenschaft an der Uni Trier. Er wurde 1968 in Nürnberg geboren. In München studiere er Diplom-Journalistik und arbeitete als Redakteur und stellvertretender Redaktionsleiter bei einem Nürnberg Privat-Radio. Seit dem Diplom-Abschluss im Jahr 1995 arbeitet Arnold an der Uni, zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaften der LMU München und später als Assistent und akademischer Oberrat am Lehrstuhl Journalistik II der Katholischen Universität Eichstätt. Promoviert wurde Arnold 2001, die Habilitation folgte 2008. Seit 2010 lehrt und forscht der Medienwissenschaftler in Trier.

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