Öko-Selbstversuch: Grün, grün, grün ist alles, was ich hab

Umweltbewusst leben, geht das? Im Magazin "Yaez" berichtet Mark Heywinkel, 25, von seinem neuen Lifestyle: Er verzichtet auf Fleisch, trennt den Müll und kauft lieber auf dem Wochen- als im Supermarkt. Doch bei Fair-Trade-Kleidung hört für ihn der Öko-Spaß auf. Noch.

Öko-Selbstversuch: "Die Welt habe ich nicht verbessert" Fotos
Mark Heywinkel

Schon im Sommer 2011 habe ich beschlossen, Vegetarier zu werden. Ein paar meiner Freunde fanden das löblich, die meisten jedoch schrecklich naiv. "Nur weil du kein Fleisch mehr isst, werden trotzdem nicht weniger Tiere geschlachtet", sagten sie. "Und der Massentierhaltung setzt du damit auch noch lange kein Ende!" Das war mir klar, trotzdem blieb ich bei meinem Entschluss.

Auch heute landen weder Rind noch Lamm oder Huhn auf meinem Teller, und selbst auf das zarte Schweinefilet, das meine Mutter wunderbar punktgenau zubereitet, verzichte ich komplett. Die Welt habe ich dadurch nicht verbessert. Aber zumindest meinen kleinen Kosmos hat die neue Ernährungsweise verändert: Ich lebe jetzt viel bewusster und gesünder. Ich fühle mich sogar insgesamt fitter. Außerdem kochen meine Familie und Freunde inzwischen auch häufiger fleischfrei.

Müll trennen

In Sachen Mülltrennung liegen wir in Deutschland ziemlich weit vorn. Während andere Staaten alles in eine Tonne kloppen, gibt es bei uns den Gelben Sack für Leichtverpackungen, die schwarze Restmülltonne für alles Unverwertbare, die Biotonne, den Papiermüll sowie Glascontainer. Damit lässt sich unser Müll nicht nur umweltschonend entsorgen, sondern sogar recyceln - sofern wir uns an die Trennregeln halten.

Im hastigen Alltag habe ich die Mülltrennung häufig vernachlässigt. Da landete das Pesto-Glas schon mal im Restmüll und die Zeitung im Gelben Sack, ein Chaos! Das zu ändern war aber nicht schwer: Ich habe einfach zusätzliche Mülleimer in die Küche gestellt und dick draufgeschrieben, was wo hineingehört. Apfelkerne? Biotonne! Milchtüte? Gelber Sack! Müsliverpackung? Altpapier! Jetzt wissen auch meine Mitbewohner Bescheid, und unser Müll trennt sich wie von selbst. Nur beim Runtertragen haben wir mehr Säcke zu schleppen. Dafür sparen wir uns das Oberarmtraining!

Wasser und Strom sparen

Ich bin ein Morgenmuffel, und was für einer! Zehn Minuten duschen sind Minimum, damit ich in die Gänge komme. Darauf verzichten? Kann ich einfach nicht, sorry. Dafür habe ich aber beim Stromsparen Fortschritte gemacht. Erst mal habe ich mir einen Überblick darüber verschafft, welche Geräte bei mir überhaupt in Betrieb sind. Ergebnis: mein Smartphone, mein Laptop, das iPad, der Fernseher, die Wii, die Xbox, mein Keyboard, die elektrische Zahnbürste … viel zu viele Geräte also, die viel zu viel Energie verbrauchen.

Damit all die Stromfresser nicht permanent an der Leitung nuckeln, habe ich für wenig Geld Steckdosenleisten mit An- und Ausschalter besorgt. Wenn ich meine Gadgets nicht brauche, muss ich jetzt nicht mehr Massen an Kabeln aus den Steckdosen ziehen. Ich drehe ihnen einfach mit einem Tastendruck den Saft ab. Die Stromrechnung habe ich noch nicht gesehen. Ich wette, meine Sparsamkeit zahlt sich aus.

Fair-Trade-Kleidung shoppen

Vor ein paar Wochen sind bei einem Feuer in einer Textilfabrik in Bangladesch über 100 Menschen gestorben. Ein Unglück, das ein weiteres Mal beweist, wie mies die Sicherheitsvorkehrungen in solchen Ausbeuterfabriken sind - und wie sinnvoll es ist, Fair-Trade-Hersteller zu unterstützen. Also bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in einen Bio-Kleidershop gefahren (übrigens umweltschonend mit Bus und Bahn). Die Klamotten in dem Laden werden nicht nur in Europa, sondern ausschließlich aus veganen Materialien hergestellt.

Ziemlich cool, aber leider auch ziemlich teuer: Schnürer, die ich so ähnlich bei Primark oder H&M für 30 Euro kriege, sollten in dem Shop das Vierfache kosten. Das gibt mein Geldbeutel leider nicht her. Nach Weihnachten, das habe ich mir aber fest vorgenommen, kaufe ich mir dort ein Paar Schuhe. Dann werde ich zwar mehr darauf achten müssen, die Schnürer nicht innerhalb von drei Monaten durchzurocken. Dafür unterstütze ich aber Hersteller, die ihre Mitarbeiter vernünftig bezahlen und besser auf deren Sicherheit achten.

Regionale Lebensmittel kaufen

Dass Berliner mies gelaunt sind, ist nicht nur ein Klischee. Vor allem in Supermärkten begegne ich immer wieder grimmigen Angestellten, die genervt "Dit ham wa nich!" oder "Dit müssen 'Se selbst suchen!" brummen. Deshalb gehe ich lieber auf den Markt. Die Verkäufer dort sind weitaus netter, und ihre Preise sind es auch. Äpfel bekomme ich zum Beispiel im Schnitt um die Hälfte günstiger als im Supermarkt - und vor allem frischer: Während in den Supermärkten häufig Äpfel aus Italien liegen, die eine tagelange Fahrt hinter sich haben, verkaufen auf den Märkten Bauern aus der Region ihre Waren.

Einziges Problem: Der Laden um die Ecke hat täglich bis 22 Uhr offen, die Bauern kommen nur mittwochs und samstags. Wer frisches Obst und Gemüse möchte, muss seinen Einkauf also vorausschauend planen. Doch wie all die anderen Maßnahmen, die ich ausprobiert habe, um grüner zu leben, ist auch das eine Frage der Gewöhnung. Nach einem Monat Einkaufen auf dem Markt bin ich im Rhythmus. Jetzt muss ich mir nur noch Mühe geben, darin zu bleiben.

Von Mark Heywinkel (Text und Fotos) für das Jugendmagazin "Yaez"

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insgesamt 80 Beiträge
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    Seite 1    
1. wasser sparen
77b1hts 07.01.2013
ist in Deutschland total bescheuert! Das einzige Problem ist der total überhöhte Preis. Aber der wird sich langsam wohl auch damit begründen können das die Leute soviel Wasser sparen das die Leitungen durch das Wassersparen über den Jordan gehen ... Das was die Menschen sparen jagen die Betreiber als Frischwasser wieder durch die Leitungen um die zu spülen...
2. Chapeau!
LaRabosa 07.01.2013
Bei sich selbst anzufangen und nicht nur von Anderen zu fordern etwas zu ändern.......das ist der Weg zur Veränderung.
3.
Goldwin 07.01.2013
Zitat von sysopErgebnis: mein Smartphone, mein Laptop, das iPad, der Fernseher, die Wii, die Xbox, mein Keyboard, die elektrische Zahnbürste … Selbstversuch: Ein junger Mann versucht, umweltbewusst zu leben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/selbstversuch-ein-junger-mann-versucht-umweltbewusst-zu-leben-a-875660.html)
Smartphone, Laptop, iPad, Fernseher, Wii, Xbox, Keyboard, elektrische Zahnbürste … da sollte er sich über Fair-Trade-Kleidung nicht all zu viel Gedanken machen... ^^
4. Jeder Weg...
pklauss 07.01.2013
...beginnt mit dem ersten Schritt. Ich glaube viele mit "mir egal Mentalität" sind nur bockig weil sie es sich selbst nicht zutrauen auf etwas zu verzichten.
5.
zensorsliebling 07.01.2013
denn der Mist wird nicht nur unter erbärmlichen Bedingungen aus zweifelhaften Materialien gefertigt, sondern auch über weite Strecken transportiert. Die Nutzungsdauer ist extrem kurz, weil entweder das Material versagt oder der angesagte Stil sich ändert. Am Ende kommt das teurer, als vernünftiges Zeug, das nicht absolut topmodisch ist.
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