Buenos Aires - Mit 66 Jahren fing das akademische Leben der Brunhilde Ede an: Endlich konnte sie die Grundschule nachholen. Die hatte sie in ihrer Kindheit bereits nach drei Jahren abbrechen müssen, um auf der elterlichen Tee-Plantage zu arbeiten. Inzwischen hat Ede sogar die höheren Weihen der akademischen Bildung erreicht. Vor einem Jahr schloss sie bereits ihr Studium der Politikwissenschaften ab. Doch ihr Bildungshunger ist ungestillt: Nun hat sich "La Oma" auch noch für Jura eingeschrieben.
"Ich hatte lange gar keinen Zugang zu Wissen. Das nun alles nachholen zu können, ist einfach großartig", sagte die 81-Jährige, die ihren Spitznamen von ihren Nachbarn in Rada Tilly, einer Gemeinde an der patagonischen Küste bekommen hat. Als Tochter deutscher Einwanderer aus Schöningen bei Braunschweig war Ede 1924 in Brasilien zur Welt gekommen. Als sie drei Jahre alt war, zog die Familie schließlich nach Argentinien und baute dort eine Farm für Mate-Tee auf.
Brunhilde Ede, die sich "halb deutsch, halb argentinisch" fühlt, musste in ihrer Kindheit daher oft bei der Tee-Ernte auf der Plantage helfen. Für Schulbildung blieb keine Zeit. Alles, was sie damals versäumt hat, holt sie jetzt jedoch nach: Sie denke noch lange nicht daran, aufzuhören, erklärte "La Oma", als ihr am vergangenen Freitag im Parlament in Buenos Aires für ihr Lebenswerk und ihre Lern-Begeisterung die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde.
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