25. Dezember 2012, 09:53 Uhr

Skurrile SMS

Kleine Handy-Schnüffler

Fremde Handys sind tabu, eigentlich. Doch auf der Internetseite von zwei jungen Berlinern dürfen Neugierige mit gutem Gewissen in den SMS anderer Leute stöbern - und Millionen Leser tun das auch.

3.34 Uhr: Äh ... hast du schon wieder einen abgeschleppt? Du hast mich vollgejammert, du wolltest damit aufhören! Erklär dich mal bitte!

11.13 Uhr: Er ist Franzose. Mit Akzent.

11.14 Uhr: Ach so, dann. Erzähl mir alles!

Handy-Nachrichten und SMS-Dialoge sind, insbesondere wenn sie zu später Stunde verschickt werden, reich an Anekdoten. Doch meist verschwindet mit dem Kater auch die Erinnerung an den nächtlichen Austausch. Anna Koch, 30, und Axel Lilienblum, 33, aus Berlin wollen die kleinen Alltagsgeschichten erhalten und damit auch die Außenwelt zum Schmunzeln bringen.

"Die Idee sollte einfach umzusetzen und charmant sein", sagt Koch. So gründeten die Regiestudentin und der Physiker 2009 die Website SMSvonGesternNacht.de. Umsonst und ohne Scham können Leser hier die Nachrichten fremder Leute durchforsten.

Die Idee ist nicht nur simpel, sondern kommt auch an: Mindestens hundert neue Beispiele absurder und lustiger Kommunikation erhalten die beiden mittlerweile pro Tag zur anonymen Veröffentlichung, Namen werden grundsätzlich verändert. Ob alle SMS echt sind, können die beiden Gründer nicht überprüfen, versichern aber: "Wir bemühen uns, nur glaubwürdige SMS zu posten."

Das Ergebnis ist eine riesige SMS-Sammlung. 18 Millionen Seitenaufrufe verzeichnet die Seite im Monat, und gerade erschien das dritte Buch aus den besten Textnachrichten: "Ich guck mal, ob du in der Küche liegst."

Ein Best-of der Nachrichten - klicken Sie sich durch die Fotostrecke.

lgr


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