Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Späte Promotion: Queen-Gitarrist wird Doktor der Astrophysik

Wissenschaft oder Musik? Brian May entschied sich einst für den Job als Bombastrocker bei Queen. Die Sternenguckerei hat ihn aber nie losgelassen, mit 60 Jahren promoviert der Gitarrengott jetzt in Astronomie - und schreibt Songs für eine Teleskop-Einweihung.

Er hat sie vor 36 Jahren liegenlassen, sich gegen sie entschieden - und für die Musik. Doch all die Jahre hat Queen-Gitarrist Brian May seine Doktorarbeit nicht vergessen, an der er von 1970 bis 1974 arbeitete. Letztes Jahr im September beschloss er dann, doch noch Doktor zu werden.

Mattenträger May (auf La Palma): Sind wir nicht alle nur Sternenstaub?
DPA

Mattenträger May (auf La Palma): Sind wir nicht alle nur Sternenstaub?

Zunächst sei es schwierig gewesen, wieder ins wissenschaftliche Arbeiten hineinzufinden, sagte der 60-Jährige dem Sender BBC. Doch er habe Start-Hilfe erhalten: "Gute Freunde und der Leiter des Fachbereichs Astrophysik am Imperial College in London haben mich unterstützt, das war fantastisch." Die Anforderungen waren hoch - doch das war Mays Wunsch. Einen Titel als Ehrendoktor hat er bereits, das reichte: "Ich möchte einen echten Titel, für den ich hart gearbeitet habe."

"Die Reflexion von Sonnenlicht durch interplanetare Staubpartikel" lautet der Titel der Dissertation, die May zu Ende führen will. Zu schreiben begonnen hatte er, als er 1970 mit Freddie Mercury, John Deacon und Roger Taylor die Gruppe Queen gründete. Die Band wurde immer erfolgreicher, also brach May die Doktorarbeit ab und verließ das Imperial College in London.

Von "We will rock you" aus Mays Feder über "Bohemian Rhapsody" (mit einer seltsamen "Galileo"-Zeile) bis zum Stadionknaller "We are the champions" - etliche Queen-Songs kennt jeder. 1991 starb Freddie Mercury, der charismatische, ungeheuer theatralische Leadsänger mit der Posaunenstimme, an Aids. May machte weiterhin Musik und veröffentlichte unter anderem zwei Soloalben.

Rock'n'Roll & Astrophysik

Seine Leidenschaft für den Sternenhimmel verlor May nie. Im letzten Jahr veröffentlichte er mit seinen Freunden Patrick Moore und Chris Lintott ein Buch über Astrophysik: "Bang! The Complete Histroy of the Universe". Laut May ist es für Menschen gedacht, die informiert und unterhalten werden wollen - und sich mit der Thematik noch nicht so gut auskennen. Der Gitarrist möchte für sein Lieblingsfach werben.

Seine Doktorarbeit habe er immer beenden wollen, sagte er im BBC-Interview. Endlich habe sich die Gelegenheit dazu ergeben, die alten Unterlagen wieder hervorzukramen, zu aktualisieren und neues hinzuzufügen. "Brian nimmt sich Zeit für seine Promotion", heißt es in seinem Internet-Tagebuch. Er möchte das Werk in diesen Tagen beenden, dann folgt die Disputation, und fertig ist der schmucke Doktortitel.

"Wenn er dem Wunsch seines Vaters gefolgt wäre, hätte er seine Doktorarbeit bereits 1972 zu Ende gebracht und eine akademische Karriere eingeschlagen. Er wäre heute möglicherweise ein weltbekannter Astrophysiker. Aber stattdessen wurde er ein weltbekannter Rockstar und hat seinen Vater so überzeugt, dass dies die richtige Wahl für ihn war", sagte Professor Frank Sanderson von der Liverpool John Moores University in einer Rede.

"Ich werde Songs für die Astronomie schreiben"

May selbst formuliert selbstironisch: "Ich habe immer gesagt, dass die Astronomie davon profitiert hat, dass ich die Musik vorgezogen habe." Die Entscheidung damals habe er nie bereut. "Ich glaube, man darf keine kleinen Schritte machen. Wenn ich mich damals nicht mit ganzem Herzen in die Musik gestürzt hätte, wäre ich heute nicht das, was ich bin", so May.

Um seine Arbeit endlich zu Ende zu bringen, ist der Altrocker kürzlich auf die Kanareninsel La Palma gereist. Dort, auf dem 2400 Meter hohen Berggifel des Roque de los Muchachos, steht eines der größten und leistungsstärksten Teleskope der Welt.

Dort hat gerade der Probebetrieb begonnen. Zwölf der geplanten 36 Spiegel sind montiert. Damit sei es möglich, "die Geburt von Sternen einzufangen, die Eigenschaften von Schwarzen Löchern tiefgreifender zu erforschen oder die chemischen Elemente zu entschlüsseln, die beim Urknall entstanden", so das Institut für Astrophysik der Kanaren.

Bei der feierlichen Inbetriebnahme tippte der spanische Kronprinz Felipe den nötigen Computer-Code ein. Brian May war dabei. 2008 will er nach La Palma zurückkommen. "Ich werde Songs für die Astronomie schreiben - ich plane ein Konzert für die Einweihung des Teleskops", sagte er im BBC-Interview. Sich sowohl der Astronomie als auch der Musik zu widmen, findet May großartig: "Es macht Spaß, sein Gehirn auf verschiedene Arten zu trainieren."

kat/dpa/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Prominente Studienabbrecher: Es gibt ein Leben nach der Uni