Sprachwächter: An den Unis grassiert "BSE"

Den Triumphzug der Anglizismen beobachtet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit Gelassenheit - "kein Grund zur Panik" oder gar zur Einführung einer Sprachpolizei. Dass "bad simple English" (BSE) an den Hochschulen Deutsch verdrängt, bereitet den Sprachhütern allerdings Kopfzerbrechen.

Englisch schlägt Deutsch - ein echtes Problem?

Englisch schlägt Deutsch - ein echtes Problem?

Walter Krämer hat eine Mission. Seit Jahren schon kämpft der Dortmunder Statistik-Professor unermüdlich gegen den Anglizismen-Zustrom von "abchecken" bis "zoomen" - seiner Auffassung nach fast ausnahmslos überflüssig. Krämer hat den "Verein deutsche Sprache" (VDS) gegründet. Für Furore sorgen er und seine wackeren Mitstreiter gegen "Denglisch", die Kombination aus Deutsch und Englisch, zum Beispiel mit dem Preis "Sprachpanscher des Jahres".

Amtierender Preisträger 2001: Wolfgang Zocher - der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Bestatter hatte Bestattermeister in "Funeralmaster" umgetauft. Der Verein empörte sich aber auch über "Starter-Kits" bei der Euro-Einführung oder das "free and easy Christmas-Set", für das Franz Beckenbauer warb.

Christian Meier: Bloß keine Sprachpolizei
DPA

Christian Meier: Bloß keine Sprachpolizei

Immer wieder gerieten auch Hochschulen ins Visier der Sprachschützer - so wurde Andreas Heldrich Sprachpanscher des Jahres 2000. Der Münchner Rektor hatte es gewagt, die Fakultäten und Fachbereiche der Ludwig-Maximilians-Universität in "Departments" umzubenennen.

Alles halb so wild, winkt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ab. Anders als die Puristen und Eiferer vom VDS beobachtet sie den wachsenden Einfluss englischer Wörter auf den deutschen Alltag recht gelassen. "Kein Grund zur Panik", betonte Christian Meier, Präsident der Akademie, am Donnerstag in Berlin.

In der Wissenschaft verkümmert Deutsch zum Dialekt

In einem Memorandum kritisieren die Experten zwar die zunehmende Benutzung von Anglizismen als bisweilen "unerträgliches Kauderwelsch". Doch bedrohlich sei das keineswegs. "Ich kopiere immer noch eine Datei von der Diskette auf die Festplatte meines Computers", sagte der Potsdamer Germanist Peter Eisenberg und rühmte die Fähigkeit des Deutschen, sich neuen Entwicklungen anzupassen.

Weit mehr Sorgen bereitet den Wissenschaftlern allerdings die Verdrängung des Deutschen in Forschung, Technik und Wissenschaft. In innovationsträchtigen Feldern drohe die Sprache Goethes und Schillers in die Zweitklassigkeit abzurutschen und zum "Dialekt" zu verkümmern. Wenn immer mehr Bürger auf Gebieten wie Gentechnik und Globalisierung nur noch "Bahnhof" verstünden, sei der "demokratische Diskurs" in Gefahr, so der Historiker Christian Meier.

Gerade an den Universitäten sei "bad simple English" (BSE) weit verbreitet, moniert die Akademie. Auf vielen Kongressen, aber auch an Forschungsinstituten sei Englisch mittlerweile die Alleinsprache. "Ein Studiengang ist nicht deshalb gut, weil er auf Englisch angeboten wird", ergänzte Eisenberg und forderte mehr sprachliches Selbstbewusstsein.

"Eine Sprachpolizei kommt nur dem Kabarett zugute"

Eine staatliche Intervention nach französischem Muster lehnen die Experten indes ab. "Eine Sprachpolizei kommt nur dem Kabarett zugute", sagte Meier. In die deutsche Sprache sei noch nie gesetzlich eingegriffen worden, in die Schrift auch nur "während der Nazizeit und jetzt durch die Kultusminister", so sein politischer Seitenhieb wegen der Rechtschreibreform.

Früh üben: Gutes Deutsch hilft auch beim Lernen einer Fremdsprache
DPA

Früh üben: Gutes Deutsch hilft auch beim Lernen einer Fremdsprache

In ihrem Memorandum fordert die Akademie aber einen "Ausbau der deutschen Wissenschaftssprache" und zugleich eine Verbesserung des Wissenschaftsenglisch. Einfaches Englisch sei in etlichen Disziplinen mittlerweile zur Universalsprache geworden, die Modernisierung an den Universitäten verlaufe zurzeit "etwas unkontrolliert", sagte Peter Eisenberg. Der Sprachwissenschaftler plädierte dafür, den Deutschunterricht zu stärken. Je besser Deutsch vermittelt werde, um so leichter sei die erste Fremdsprache zu erlernen.

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