Studenten-Oscar an Deutsche: "Toll, toll, toll"

In Los Angeles wird heute der rote Teppich für eine Hamburger Film-Absolventin ausgerollt: Ulrike Grote nimmt für ihr Werk "Der Ausreißer" den Studenten-Oscar entgegen. Die Trophäe geht zum zweiten Mal binnen drei Jahren nach Deutschland.

The winner is...Ulrike Grote
DPA

The winner is...Ulrike Grote

Vor ihrer Abreise in die USA zu Wochenbeginn war sie sehr aufgeregt. Dabei hat Ulrike Grote den Studenten-Oscar bereits sicher. Drei Wochen ist es her, dass die Academy of Motion Picture Arts and Sciences die 38-Jährige über den Gewinn des begehrten Preises informierte. Unter 38 Beiträgen aus 25 Ländern kürte die Jury ihren 23-minütigen Streifen "Der Ausreißer" zum Sieger. Heute bekommt Grote die 34 Zentimeter kleine und doch so große Trophäe in Los Angeles überreicht.

In den achtziger Jahren studierte die gebürtige Bremerin Schauspiel an der Hochschule der Künste in Berlin und arbeitete anschließend an renommierten Bühnen in Hamburg und Zürich sowie dem Wiener Burgtheater. 1994 wählte die Fachzeitschrift "Theater heute" Grote zur Schauspielerin des Jahres. Rollen in verschiedenen Krimis ("Tatort", "Doppelter Einsatz", "Soko"), im Kino ("Gloomy Sunday") und in Fernsehspielen ("Himmel, Harz und Hölle", "Eine öffentliche Affäre") folgten. Zuletzt war sie in den Serien "Das Kanzleramt" (ZDF) und "Der Dicke" (ARD) zu sehen.

Während der Schauspielerei widmete sich Grote zunehmend der Regie und entschied sich 2002 für ein Filmstudium (Fachbereich Regie) an der Universität Hamburg. Im vergangenen Jahr schloss sie ihre Ausbildung mit der Diplomarbeit "Der Ausreißer" ab, die Anfang Mai als erster deutscher Film mit dem englischen Student-Award der Royal Television Society ausgezeichnet wurde.

Geistergeschichte um einen Architekten

Das prämierte Werk erzählt unter Mitwirkung von Linus Foerster (Drehbuch), Ute Freund (Kamera) und Constantin Castell (Produktion) eine ergreifende Vater-Sohn-Geschichte, eine "Geistergeschichte", wie Grote selbst erklärt: Im Mittelpunkt steht der Architekt Walter (Peter Jordan), der eines Tages mit dem Jungen Yuri (Maximilian Werner) konfrontiert wird. Der Sechsjährige behauptet, Walters Sohn zu sein. Der unverhoffte Vater forscht nach und findet heraus, dass er tatsächlich einen Sohn hat - der allerdings liegt im Krankenhaus im Koma.

"Herrlich", "der absolute Hammer", "toll, toll, toll", ließ Grote nach der Bekanntgabe des Studenten-Oscar-Gewinns ihren Emotionen freien Lauf. Sie habe überhaupt nicht damit gerechnet und könne nun die ganze Welt umarmen. "Ulrikes Filme bestechen durch eine ganz einfache, aber unsichtbar klar strukturierte Geschichte", lobte ihr ehemaliger Lehrer Hark Bohm die Regisseurin. Er habe selten eine Studentin erlebt, die einen solch unerbittlichen Lerneifer gezeigt habe.

Zum achten Mal geht der Studenten-Oscar an einen deutschen Beitrag, zum zweiten Mal an die Universität Hamburg. Wie schon vor zwei Jahren mit Florian Baxmeyer ("Die rote Jacke") hat Bohm mit Grote erneut einen hoffnungsvollen Regisseur-Nachwuchs hervorgebracht. Der 65-Jährige, der demnächst die Leitung des Filmstudiums in Hamburg abgibt, sieht darin eine Bestätigung seiner Ausbildungsweise: "So einem Glück kann man nur mit Bescheidenheit begegnen und versuchen, mit der nächsten Studentengeneration noch intensiver zu arbeiten."

Von Jana Werner, ddp

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