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Studenten-Oscar: Mit Spitzmaus-Kung-Fu ins Finale

In Hollywood haben deutsche Jungfilmer einen Lauf. Beim Studenten-Oscar tritt jetzt Tomer Eshed aus Babelsberg gegen vier Rivalen an - mit seiner preisgekrönten Animation über das derbe Liebesleben von Spitzmäusen. Hier können Sie den Trickfilm sehen. Lohnt sich!

Für Reto Caffi war es im Juni vergangenen Jahres ein ganz großer Tag. Roter Teppich, Shrimps-Cocktails, Schulterklopfen - bei der Verleihung des Studenten-Oscars ging der Absolvent der Kölner Kunsthochschule auf Tuchfühlung mit der Hollywood-Elite. Außer der Trophäe heimste Caffi viel Lob und gute Ratschläge ein.

Wenn alles glatt läuft, könnte Tomer Eshed am 13. Juni einen ähnlich perfekten Tag in Los Angeles erleben. Der Filmstudent hat es im Rennen um die begehrten Studenten-Oscars ins Finale geschafft. Eshed studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Potsdam-Babelsberg. Mit seinem Beitrag "Our Wonderful Nature" tritt er gegen die vier weiteren Finalisten aus Schweden, Russland, Großbritannien und Israel an, wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mitteilte.

57 Teilnehmer aus 39 Ländern hatten ihre Filme eingereicht, darunter fünf deutsche Filmemacher. Es war eine Rekordzahl. In seinem Vordiplomfilm "Our Wonderful Nature" nimmt Eshed das Liebesleben von Wasserspitzmäusen unter die Lupe. Die Animation hat bereits mehrere Preise gewonnen, darunter 2008 die Trophäe als bester deutscher Animationsfilm beim 51. Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm in Leipzig.

Die Hochschule beschreibt den Film als "amüsante Persiflage mit Spitzmaus-Kung-Fu in Zeitlupe und einem unerwarteten wie konsequenten Ende" - und das im "belehrenden Stil antiquierter BBC-Naturdokumentationen". Die Kampfszenen zwischen den kleinen, aber gemeinen Wasserspitzmausmännchen haben es in sich.

Wer sich beim Studenten-Oscar durchsetzt, qualifiziert sich für den Wettbewerb um die "richtigen" Oscars. Die werden im Frühjahr 2010 verliehen. Für viele Preisträger ist der "Student Academy Award" das Sprungbrett zum ganz großen Durchbruch. Der Schweizer Reto Caffi gewann 2008 mit dem Streifen "Auf der Strecke" den begehrten Studenten-Oscar.

Und im Jahr zuvor räumte der deutsche Nachwuchsregisseur Toke Constantin Hebbeln von der Filmakademie Baden-Württemberg den Preis mit seinem Film "Nimmermeer" ab - ein deutscher Erfolg war 2007 auch ziemlich wahrscheinlich, denn gleich vier der fünf Finalisten kamen aus Deutschland.

Die Liste der deutschen Studenten-Oscar-Gewinner wächst also ständig:

  • 2008: Reto Caffi für "Auf der Strecke"
  • 2007: Toke Constantin Hebbeln (Berlin) für "Nimmermeer"
  • 2005: Ulrike Grote (Hamburg) für "Der Ausreißer"
  • 2003: Florian Baxmeyer (Hamburg) für "Die rote Jacke"
  • 2000: Florian Gallenberger (München) für "Quiero ser"
  • 1999: Marc-Andreas Bochert (Potsdam) für "Kleingeld"
  • 1998: Thorsten Schmidt (Filmakademie Baden-Württemberg) für "Rochade"
  • 1997: Raymond Boy (Köln) für "Ein einfacher Auftrag"
  • 1994: Katja von Garnier (München) für "Abgeschminkt"
  • 1988: Wolfgang Becker (Berlin) für "Schmetterlinge"

jol

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