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Studenten-Oscars: Deutsche Filmemacher triumphieren doppelt

Studenten-Oscar-Preisträger 2014: Lennart Ruff, links, und Peter Baumann Zur Großansicht
AFP

Studenten-Oscar-Preisträger 2014: Lennart Ruff, links, und Peter Baumann

Die Chancen standen gut: In diesem Jahr hatten es gleich zwei Deutsche beim begehrten Studenten-Oscar unter die letzten drei geschafft. Am Samstagabend konnten sich Lennart Ruff und Peter Baumann nun über Gold und Bronze freuen.

Los Angeles - Großer Erfolg für den deutschen Nachwuchsfilm in Hollywood: Lennart Ruff, 28, und Peter Baumann, 35, haben in der Nacht zum Sonntag die Studenten-Oscars in Gold bzw. Bronze im Bereich Auslandsfilme geholt. Nach Mitteilung der Filmakademie ging die goldene Trophäe an den Münchner Regisseur Ruff. Sein Abschlussfilm "Nocebo" an der Hochschule für Fernsehen und Film in München ist ein Thriller um eine fehlgeschlagene Medikamentenstudie, bei der ein Patient stirbt.

Baumann holte mit seinem schwarzhumorigen Kurzfilm "Border Patrol" Bronze. Der in Berlin lebende Regisseur drehte die Komödie über zwei Polizisten an der deutsch-österreichischen Grenze, während er in Großbritannien die Northern Film School in Leeds besuchte. Die Silbermedaille für den Kurzfilm "Paris on the Water" ging an Hadas Ayalon aus Israel. Die drei Preisträger standen seit Wochen fest, die Platzierung wurde aber erst am Samstag bei der Preisverleihung in Hollywood bekannt gegeben.

"Das ist schon irreal, vor einem vollen Kino zu stehen und eine Dankesrede zu halten. Gerade wenn man aus Deutschland kommt, ist Hollywood einfach weit weg", sagte Gold-Gewinner Ruff nach der Preisvergabe. "Wir haben eine Komödie gemacht, etwas ganz Kleines, und jetzt öffnet uns das viele Türen. Das finde ich megageil", freute sich Baumann.

Triumph mit vielen Vorläufern

Mit den Studenten-Oscars ehrt die Akademie seit 1972 junge Regisseure aus dem Ausland und Talente von US-Filmhochschulen. Gewinner der Nachwuchspreise mischen häufig auch bei der großen Oscar-Verleihung mit. Schon 2012 gingen zwei Studenten-Oscars an deutsche Filmemacher: Die Trophäe in Silber bekam Thomas Stuber von der Filmakademie Baden-Württemberg, Bronze ging an Elmar Imanov von der Internationalen Filmschule Köln. 2011 gewann der Hamburger Regisseur Max Zähle mit seinem Kurzspielfilm "Raju" die Bronze-Statue.

Es sei "reiner Wahnsinn", dass die Filmakademie seinen 15-minütigen Film "Border Patrol" überhaupt nominiert und dann noch in die Endauswahl genommen habe, sagte Baumann vorab. "Niemals hätte ich eine schwarze Komödie in Zusammenhang mit der Oscar-Akademie gebracht."

Sehen Sie hier den Trailer zu "Border Patrol":
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Ruffs Abschlussfilm "Nocebo" an der Hochschule für Fernsehen und Film München ist ein Thriller um eine fehlgeschlagene Medikamentenstudie, bei der ein Patient stirbt. Ein 22-Jähriger flüchtet aus der Klinik, um Hilfe zu holen, doch keiner will ihm glauben, denn er leidet an Schizophrenie. Auch Ruff war von der Auswahl überrascht. Schwarze Komödie und Thriller: "Das sind beides Genres, die es in Deutschland eher schwer haben."

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Ihre Zweifel sind den Regisseuren in Hollywood schnell verflogen. "Man klopft uns hier auf den Rücken. Da kommen Fremde auf uns zu und sagen, dass wir unsere Sache gut gemacht haben", sagte Baumann vor der Verleihung.

Zur Vergabe der Studenten-Oscars wird üblicherweise kein roter Teppich vor dem großen Dolby Theatre ausgerollt. Die Show geht im kleineren Theater der Regisseursgilde über die Bühne.

Für manche ist es tatsächlich ein Testlauf für die große Oscar-Show. 2011 etwa gewann der Hamburger Regisseur Max Zähle mit seinem Kurzspielfilm "Raju" die Bronze-Statue. Im Folgejahr wurde er auch für den Kurzfilm-Oscar nominiert, ging allerdings bei der Verleihung leer aus.

Der Studenten-Oscar ist oft genug ein Sprungbrett. John Lasseter ("Toy Story", "Findet Nemo"), Spike Lee ("Malcolm X", "Inside Man"), Robert Zemeckis ("Zurück in die Zukunft", "Contact", "Cast Away") - sie alle standen mal hier, noch unbekannt, aber mit der Trophäe in der Hand.

otr/hpi/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Ruff
Ballonmütze 08.06.2014
Man kann nur hoffen dass es auch hier mal ein anständiges Thrillerkino gibt. Die Filmförderung hat das ja nicht so gern und Otto Normalzuschauer schaut lieber dröge Tatorte. Alles Gute für die Zwei.
2. Gilt alles nix
sound67 08.06.2014
Bisher haben die deutschen Preisträger, die entweder "Studenten-Oscars" oder richtige "Kurzfilmoscars" gewonnen haben, daach in der Filmindustrie irgendeine Rolle gespielt. Und den neuesten Gewinnern wird es genauso ergehen.
3. Fürn richtigen Preis reichts nicht
cola79 08.06.2014
Ungefähr so wertvoll wie ein Grimmepreis oder der Bambi... Solange die Filme vom Publikum links liegen gelassen werden (kennt irgendwer die Filme, liefen die irgendwo, irgendwann-fand die jemand gut?), sind die Preise doch eher Makel, denn Auszeichnung! Man hat nen Preis, aber Publikum hat man nicht. Aber scheinbar gibts ja genug Leute, die meinen, man könne "Film" studieren...klar, Literatur auch, nur schreiben oder filmen kann man deshalb noch lange nicht. 2014-in Zeiten von Kinox und Sidereel zu behaupten, dass deutsche Publikum tue sich mit bestimmten Genres schwer, ist schon eine Beleidigung desselben. Nee, die tun sich eher mit euren Mistfilmen schwer, die ach so verabscheuten Genres brechen auf den Filmportalen (legal, wie illegal) Rekorde und die drömeligen Doitschen tun sich das in Ermangelung heimischer Qualität sogar im Originalton an. Deutscher Film-das muss nicht sein!
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