BWL-Student und selbständig: Jochen und sein BratWurstLaden

Von Julia Jung

Studenten-Business Imbissstand: Glückliche Kunden, volle Kasse Fotos
Jochen Kuhn

Student Jochen Kuhn, 26, verdient seine Brötchen mit Würstchen. Passend zum Studiengang führt er seinen eigenen BratWurstLaden, kurz BWL. Neben Mikro- und Makroökonomie erforscht er Marinaden, Frikadellenqualität und Kartoffelsalat.

Morgens um sieben geht es los. Bevor die ersten Kunden kommen, muss er die Glasfront und die Friteuse putzen, die belegten Brötchen vorbereiten und die Tische und Stühle rausstellen. Jetzt, im Sommer, wird es grün und neben dem kleinen Gastronomietisch kommen auch die Bierbank und die zwei Stehtische raus. Danach fängt er an, die Frikadellen auszubraten, seine Spezialität, natürlich selbstgemacht.

Um neun Uhr kommen die ersten hungrigen Schüler, zwischen 11.30 und zwei Uhr mittags herrscht Hochbetrieb. Dazwischen bleibt noch kurz Zeit, die Kommilitonen daran zu erinnern, für ihn doch bitte die Lösungen aus der Makroökonomie-Übung mitzuschreiben.

Jochen Kuhn, 26, ein muskulöser junger Mann mit feinem Bart, studiert Betriebwirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes. Und seit 2010 führt er obendrein seinen eigenen kleinen Betrieb mit Namen Jo's BratWurstLaden - kurz Jo's BWL.

Geplant war das eigentlich nie. Aber als die Imbissbude in Brebach einen neuen Eigentümer suchte, lockte ihn die Selbständigkeit. Eine gute Gelegenheit für die erste eigene Einnahmequelle, "der Laden ist meine Alternative zu Bafög", sagt er. Ganz ohne Startkapital ging das natürlich nicht. Seine Eltern streckten das Geld für den Ladenkauf vor, mit seinen Einkünften zahlt Kuhn ihnen den Privatkredit zurück.

Die Lage ist gut: Im Industriegebiet direkt vor dem Rathaus und gegenüber der Berufsschule, sieben Kilometer von der Uni. Seine Kunden sind größtenteils Angestellte einer Autofirma und Schüler.

Student mit Doppelleben

Der Laden läuft, auch wenn das am Anfang nicht ganz so einfach war. Als er den Imbiss übernahm, war er gerade im dritten Semester und versuchte, Hörsaal und Grill unter einen Hut zu bekommen. Von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends stand er fünf Tage die Woche hinter der Theke, abends wiederholte er den Stoff der Vorlesungen, holte sich die Übungen und Mitschriften von Kommilitonen. Als im das zu viel wurde, legte er nach dem Wintersemester ein Urlaubssemester ein und konzentrierte sich ganz auf das Geschäft.

Sein Wurst-Business baute er auf, während er schon mittendrin steckte. Was er genau braucht, wusste er zu Anfang nicht. Wie viele Würstchen? Reicht Nudelsalat, oder muss es auch Kartoffelsalat sein? Lieber abends oder am Morgen zum Großmarkt? Und wie viel sind die Kunden bereit, für eine Currywurst zu zahlen?

Das BWL-Studium half ihm nur bedingt. "Im Studiengang geht es um Millionen in den Bilanzen, nicht um ein paar Euro für eine Wurst." Beim Rechnungen stellen und beim korrekten Versteuern konnte er die Grundlagen des Fachs dennoch gut gebrauchen.

Jochens Verkaufsschlager sind derzeit seine selbstgemachten Curry-Frikadellen, daneben verlangen die Kunden vor allem den Saarbrücker Klops, der gekochte Fleischkloß ist eine lokale Spezialität. Die Arbeit mit der Grillzange sei nichts für jeden, sagt Student Kuhn. Seine BWL-Kommilitonen stünden lieber hinter der Kinokasse, als am Grill zu schwitzen und den Fettgeruch am Körper in Kauf zu nehmen.

"Wer nichts wird, wird Imbissbudenbesitzer"

Im Laden springt Kuhn heute aber nur noch ein, wenn Not am Mann ist. Er hat mittlerweile zwei Angestellte, die Französinnen Sabrina und Kati, abgeworben von einem Imbiss ein paar Kilometer weiter. Ungefähr vier Mal im Monat hilft er noch aus, ansonsten bleiben ihm noch die Chefsachen: Einkaufen, Buch- und Personalführung.

Viel Zeit bleibt derzeit nicht für sein Wurstgeschäft, Kuhn sitzt an seiner Bachelorarbeit. Trotzdem schreibt er in der Bibliothek noch seine Einkaufsliste: Zehn Liter Öl, je 50 weiße und rote Würste, 30 Klopse, 20 Kilogramm Ketchup und 15 Kilogramm Pommes braucht er für den nächsten Tag.

Kuhns Eltern stehen zu ihm und seinem Geschäftsmodell, aber es gibt auch Skeptiker. "Manche Freunde belächeln meine Entscheidung, nach dem Motto "Wer nix wird, wird Wirt, oder eben Imbissbudenbesitzer", sagt Kuhn. Dass manche ihn "den Wurst-Mann" nennen, stört Kuhn auch nicht. Dafür mache es ihm viel zu viel Spaß, sein eigener Chef zu sein. "Ich weiß, wenn ich mich anstrenge und freundlich zu den Kunden bin, ist am Ende auch mehr Geld in der Kasse."

Nach seinem Studium würde er gerne einen zweiten Imbiss eröffnen. Sein Traum bleibt aber ein eigenes Restaurant. Dann auch mit mehr als drei Tischen und einer Bierbank.

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1.
franko_potente 28.06.2013
Zitat von sysopStudent Jochen Kuhn, 26, verdient seine Brötchen mit Würstchen. Passend zum Studiengang führt er seinen eigenen BratWurstLaden, kurz BWL. Neben Mikro- und Makroökonomie erforscht er Marinaden, Frikadellenqualität und Kartoffelsalat. Studentenjob: BWL-Student am Würstchengrill - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/studentenjob-bwl-student-am-wuerstchengrill-a-905072.html)
Respekt! So gehört Geschäft. Aber warum lernt man im BWL Studium nicht auch ein bisschen Rechtschreibung? Den Laden BWL zu nennen halte ich gar für recht kreativ, aber warum Jo´s. Was soll das Idiotenapostroph da oben?
2. sind da jetzt BWL-Praktikanten bei SPON massiv im Einsatz?
soldev 28.06.2013
Zitat von sysopStudent Jochen Kuhn, 26, verdient seine Brötchen mit Würstchen. Passend zum Studiengang führt er seinen eigenen BratWurstLaden, kurz BWL. Neben Mikro- und Makroökonomie erforscht er Marinaden, Frikadellenqualität und Kartoffelsalat. Studentenjob: BWL-Student am Würstchengrill - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/studentenjob-bwl-student-am-wuerstchengrill-a-905072.html)
Irgendwie häuft sich das Thema BWL in letzter Zeit - versuchen evtl massenhaft Praktikanten bei SPON das Studium der Buchhalterei besser aussehen zu lassen? Bratwürste braten erfordert allerdings schon einiges mehr ;-)
3. Marketing : sechs, setzen.
corben_dallas 28.06.2013
Bild 3 und 5 suggerieren, dass die Frikadellen selbst - bzw. hausgemacht sind. Bild 8 klärt das Ganze auf : auf dem Einkaufszettel steht "Klops". Die Marketing-Strategie ist also "voll in die Hose gegangen". Hauptsache, die Klopse (= Frikadellen ) schmecken der Kundschaft. :-)
4.
OskarVernon 28.06.2013
Zitat von franko_potenteaber warum Jo´s. Was soll das Idiotenapostroph da oben?
Das ist im Südwesten offenbar vorgeschrieben - hier wimmelt es nur so von "Petra´s Pinte", "Kalle´s kleine Kneipe", "Willi´s Wurstbude" & Co. ;-)
5. Das war schon immer so
rowes-hh 28.06.2013
Schon vor 30 oder 40 Jahren sprachen Väter miteinander so in der Art: "Was studiert Ihr Sohn?" "Wirtschaft." "Wirtschaft ist gut, gesoffen wird immer ..."
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