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Studententrend Handarbeit: Von Stricklieseln und Häkelhanseln

Strick, strick, hurra: Herbst wird's, da brauchen Arme Stulpen, Füße extradicke Socken, und wenn kein Körperteil mehr zum Behäkeln übrig ist, rollen Strickfans eben Wollenes über Baumstämme. Handarbeit boomt bei Studenten wie zuletzt zu Grünen-Gründerzeiten. Wer strickt, ist wieder hip.

Strickende Studenten: Trendig in Wolle gewickelt Fotos
AP

Das würde Oma gefallen: Deutsche Studenten und Studentinnen entdecken das Stricken wieder! Sie lassen die Nadeln im Hörsaal klappern, treffen sich zu Strickworkshops, feiern Strickpartys, schließen sich zur Strick-Guerilla zusammen und verzieren, wie zum Beispiel in München und Essen, Straßenlaternen, Telefonzellen und Bäume mit ihrer Kunst - wie Graffiti, nur eben aus Wolle.

Annette Hülsenbeck vom Fachbereich Textiles Gestalten der Universität Osnabrück, die den Trend erforscht hat, erklärt das neu entflammte Interesse so: "Die meisten Studentinnen haben das von ihren Müttern nicht mehr gelernt - sie entdecken Handarbeit völlig neu und finden es deswegen sehr spannend, Kleidung und Accessoires nach eigenen Vorstellungen herzustellen." Wie so oft kommt auch dieser Trend aus den USA. Dort stricken die Studentinnen schon seit Jahren und haben damit auch Hollywood-Stars wie Julia Roberts angesteckt.

In Zeiten, in denen Metrosexualität groß geschrieben wird, finden sich auch junge Männer bei Strick- und Häkelpartys ein. Zwei Studenten aus Freiberg haben aus dem Hobby ein Geschäft gemacht: Über ihren Internetladen www.myboshi.net - boshi ist Japanisch und bedeutet Mütze - bieten Thomas Jaenisch und Felix Rohland ihren Kunden an, Strick- und Häkelkäppis nach deren Wünschen zu fertigen. Stricken, Häkeln - was kommt als Nächstes? "Sticken", vermutet Textil-Dozentin Hülsenbeck.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Es ist die Sucht nach Individualität
knightsurfer, 24.10.2010
In einer Zeit, in welcher jedes Kleidungsstück aus Südostasien stammt, man nach einem Besuch im örtlichen H & M aussieht wie eine Mao-Ameise sehnt man sich nach etwas Individuellem. Dazu kommt, dass durch die arbeitsteilige Gesellschaft der Werkstolz auf das Selbstgeschaffene nicht mehr gegeben ist. Drittens beruhigt es ungemein.
2. Handarbeits- und Werksunterricht für alle!
GinaBe 24.10.2010
Ein Revival der Grünen? Nach der Ära der aufgerippelten und wieder aufgearbeiteten Pullover in der späten Nachkriegszeit noch brachte flower -power bis in die Gründungsjahre der Grünen immer noch buntes Selbstgestricktes in Schulen und Hörsäle. Unterschwellig betrachtet bleibt der Rohstoff Wolle auch billiger zu haben als durch Maschinen verfertigte Ware, die von der Stange gekauft nie so individuell ausgewählt sein kann, wie selbst ausgesuchte, hochwertige Materialien möglicherweise handgefärbter Wolle ohne Beimischung von synthetischen Fasern. Wie schade, daß ich selber nie gestrickt habe oder häkeln mochte, empfand ich den Handarbeitsunterricht immer eher als Strafe, auf diese Weise ein typisch weibliches Rollenmuster zugewiesen zu bekommen. Heutzutage wäre e daher durchaus emanzipiert, würde es Werks- und Handarbeitsunterricht geben, damit manuelle Fertigkeiten so weit wie möglich den Kindern mit auf ihrem Lebensweg mitgegeben werden .
3. ...
motormouth 24.10.2010
Ach schön! Hier soll wohl ein neuer Trend künstlich kreiert werden? Ich lach mich tot...
4. Stricken ....
Hilfskraft 24.10.2010
Zitat von sysopStrick, strick, hurra: Herbst wird's und da brauchen Arme Stulpen, Füße*extradicke*Socken und wenn kein Körperteil mehr zum behäkeln übrig ist, rollen Stickfans eben Wollenes über Baumstämme. Handarbeit boomt bei Studenten wie zuletzt zu Grünen-Gründerzeiten.*Wer strickt, ist wieder hip. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,724431,00.html
... trainiert beide Gehirnhälften! Rösler z.B. hat bestimmt nicht gestrickt! H.
5. und viertens ...
embyro 24.10.2010
Zitat von knightsurferIn einer Zeit, in welcher jedes Kleidungsstück aus Südostasien stammt, man nach einem Besuch im örtlichen H & M aussieht wie eine Mao-Ameise sehnt man sich nach etwas Individuellem. Dazu kommt, dass durch die arbeitsteilige Gesellschaft der Werkstolz auf das Selbstgeschaffene nicht mehr gegeben ist. Drittens beruhigt es ungemein.
... gibt es schon welche, die das Ganze über das Internet vermarkten. Ich werde mir mein Mütze selbst stricken !!!!!
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