Studienabbrecher Jürgen Drews: Baller- statt Medizinmann

Von Jan Hauser

Seine Schlager kann man noch im Vollrausch mitgrölen. Aber kaum jemand im Publikum weiß, dass Jürgen Drews, 62, einst Medizin studiert hat. Aus dem Berufsziel Schönheitschirurg wurde nichts, also heizt er als unkaputtbarer "König von Mallorca" in den Festzelten ein.

Der "König von Mallorca"? Der, der seit 30 Jahren "Ein Bett im Kornfeld" singt? Der deutsche Ballermänner zum Dauermitgrölen animiert? Ja, genau der. Ja, Schlagerstar Jürgen Drews hat studiert: zwei Jahre Medizin in Kiel.

Wie konnte es dazu kommen? Sein Vater war Arzt und hatte eine eigene Praxis in Schleswig. "Da hat man sich halt Gedanken gemacht, was der Sprössling mal machen soll", erzählt Jürgen Drews heute, gut 40 Jahre danach. Sein Abi habe er in der Domschule Schleswig "schlecht und recht gebaut". Und sich direkt danach in Kiel für Medizin eingeschrieben.

Doch die Chemie stimmte nicht - am wenigsten in eben diesem Fach: Hier hatte Drews Defizite und schob Lernen und Prüfungen vor sich her. "Da kriegte ich den Horror. Solche Vorlesungen durfte ich gar nicht besuchen", erklärt er. "Wenn doch, verstand ich fast nur Bahnhof, weil ich keine chemischen Grundvoraussetzungen hatte. Ich hätte schon ein Jahr gebraucht, um mich auf das Niveau der anderen zu heben."

Ähnlich sah es auch in Physik aus, aber vor allem Chemie blieb seine Schwachstelle. Drews wusste: "Wenn ich das durchziehen wollte, heißt das: Pauken wie ein Idiot." Zwei Jahre hat sein Studium dann trotzdem gedauert. Das Lernen, die Prüfungen, den Abbruch schob er immer wieder weit nach hinten: "Ach komm, gibst dir noch ein halbes Jahr. Ich habe keinen Wehrdienst gemacht. Gibst dir anderthalb Jahre, die Zeit hättest du auch beim Wehrdienst verbracht." Nach zwei Jahren war Schluss, als Drews schon von der Musik lebte, mit der Gruppe "Les Humphries Singers" auf Tour und in den Charts war.

Nichts als Frauen und Musik im Kopf

Ein Leben als mittelloser Student hat er nie geführt. Dank der Musik kam er früh an Geld, hatte mit der Band ein Haus in Hamburg, eine Wohnung in Kiel und ein Auto. Sein Ziel: Mit 33 Jahren wollte er Millionär sein. "Das habe ich dann auch geschafft", sagt Jürgen Drews. Denn als sich 1976 das Ende der "Les Humphries Singers" abzeichnete, verstärkte er seine Solo-Karriere und landete mit "Ein Bett im Kornfeld" den Nummer-Eins-Hit, der bis heute mit seinem Namen verbunden ist.

Das Beste am Medizinstudium hatte für Drews nichts mit dem Fach zu tun. Das Beste war eine blonde, schöne, intelligente Frau, die er im Hörsaal kennenlernte. Und sie hat ihn angesprochen. Denn Jürgen Drews war damals noch schüchtern und wurde schnell rot, erzählt er: "Aber das mochten die Frauen wohl."

Aus der Medizinstudentin wurde seine inzwischen ehemalige Freundin. Beim Flirten damals spielte keine Rolle, dass er als Musiker auftrat, sagt Drews. Überhaupt hätten sich seine Frauen nie für seine Musik interessiert, auch seine heutige Frau Ramona kenne höchstens ein Viertel seiner Songs. Er selbst habe nie etwas anderes als Frauen und Musik im Kopf gehabt.

"Ausmisten" auf der Bühne

Was er als Medizinstudent werden wollte, "das hatte ich schon im Kopf", sagt Drews: Kosmetische Chirurgie hätte ihn gereizt. Vielleicht auch Unfallchirurgie oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt, "aber soweit ist es ja nie gekommen." Mit dem Studienabbruch war sein Vater, der Schleswiger Arzt, gar nicht so unzufrieden: "Junge, ich weiß, du hörst nicht auf das, was ich dir sage, aber du wirst so nicht glücklich." Und meinte damit das Studium, erzählt Jürgen Drews.

Also Schluss mit der Medizinerkarriere, statt zu operieren signiert er heute als "König von Mallorca" auf blanken Brüsten. Inzwischen ist Jürgen Drews 62 Jahre alt und tritt immer weiter auf - wie der Duracell-Hase. Aus finanziellen Gründen brauche er die Bühneneinlagen nicht mehr, sagt er. Regelmäßig fliegt "Onkel Jürgen" nach Mallorca und heizt Touristen ein. Und Deutschlands Diskotheken- und Festzeltbetreiber buchen weiter seine Gesangs- und Animationseinlagen. Dafür fährt er selbst mit dem Auto hin und in derselben Nacht wieder zurück zu Frau und Kind ins Münsterland.

Das satte Programm, für ihn bedeute das puren Spaß, beteuert Drews. Da stimmt die Chemie wieder - nicht die des Medizinstudiums, sondern die zwischen Schlagerkönig und Partyvolk. Auf der Bühne könne er sich ebenso "ausmisten" wie das Publikum beim Feiern. Mitunter trifft Drews auf Mallorca Ärzte im Praktikum, die reif für die Insel zum gemeinschaftlichen Malle-Urlaub gestartet sind: "Ich habe die gefragt, warum sie das machen. Sie sagen, sie können hier den Stress richtig abbauen. Das ist doch super."

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