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18. April 2007, 10:33 Uhr

Superhirn-Test

Sind Sie ein Intelligenzbolzen?

Von Anke Petermann

Ihr Humor ist speziell, sie suchen Antworten auf seltsame Fragen: Mitglied beim Hochbegabten-Verein Mensa kann man erst ab einem IQ von 130 werden. Hätten Sie da Chancen? Sind Sie ein Superhirn? Der SPIEGEL-ONLINE-Test verrät's.

Frankfurt am Main - "Für uns ist das ein sportlicher Wettkampf." Rudolf Schelm wartet gemeinsam mit seinem Sohn Patrick, 18, auf dem engen Flur im Frankfurter Haus der Jugend, der junge Mann will am IQ-Test beim Hochbegabten-Verein Mensa teilnehmen. "Um mal zu testen, wer besser ist", schmunzeln die beiden. Das klingt nach Spaß und Spiel. Doch auf Nachfrage gesteht Rudolf Schelm, dass er mit seinem Sohn beim Schach und Sudoku längst nicht mehr mithalten kann.

Auch nicht in Englisch, obwohl der Vater das beruflich täglich spricht und der Sohn gerade erst Abitur macht. Rudolf Schelm sorgt sich, dass er Patrick nicht genügend fördern kann. Mensa organisiert Stammtische, Ausflüge und Vorträge - vielleicht, so hofft der Frankfurter, bekommt sein Sohn im Verein der Schlauesten die geistige Nahrung, die sein mutmaßliches Superhirn braucht.

Für die Hochbegabten wird die Latte hoch gehängt

Doch vor der Aufnahme in den Verein liegt der Test. Als "Massentests" hatte Mensa die IQ-Messungen zum Abschluss der Jahrestagung am Wochenende in Frankfurt am Main angekündigt. Die Masse - sie besteht aus insgesamt 40 Hyperintelligenten oder solchen, die glauben, es zu sein. In zwei aufeinanderfolgenden Testrunden versammeln sie sich in einem Seminarraum ganz oben im Haus der Jugend. Die Fensterfront im Karree gibt den Blick auf die sonnenbeglänzte Skyline der Bankenmetropole frei.

"Unser Test misst die fluide Intelligenz, also die Fähigkeit, sich in einem unbekannten System zurechtzufinden", erläutert Christoph Wimmer vor den 21 Männern und acht Frauen der ersten Runde. "Kristalline Intelligenz", doziert der Koordinator der deutschen Testleiter, "ist das, was Sie in der Schule gelernt oder sich selbst erarbeitet haben." Um die Aufgaben zu verstehen, reiche das Allgemeinwissen eines Elfjährigen.

Aber: Mensa verwendet einen schweren Test, besonders trennscharf im IQ-Bereich zwischen 130 und 145, dem bestmöglichen Wert. Um die Leistung eines Spitzen-Hochspringers zu messen, so Testleiter Rigo Hinkelmann, müsse man die Latte schließlich hoch legen.

Hinkelmann zückt die Stoppuhr, die Probanden greifen zu den Kulis, das Testheft mit den Fragen vor sich, den Bogen mit Kästchen für die Antwortkreuze daneben: Los geht's. Über 100 Aufgaben sind in Blöcke unterteilt: Würfel erkennen, Sätze ergänzen, Merkaufgaben lösen - zwischen drei und zehn Minuten Zeit haben die Teilnehmer für jeden Block.

"Stopp!" und "Bitte umblättern", kommandiert der Testleiter. Alle tun das gemeinsam. Wer die Zahlenreihen schneller vervollständigt hat, darf die gewonnene Zeit nicht übertragen auf Bereiche, in denen er langsamer denkt.

Nach zwei Stunden Knobeln und Grübeln stöhnen manche über die schlechte Luft, aber den meisten hat es Spaß gemacht. "Ich war ganz locker, für mich steht nichts auf dem Spiel, ich will nur wissen, ob ich geistig noch fit bin", sagt einer der wenigen Grauhaarigen in der Runde. Um ihn herum lag die Altersspanne zwischen 20 und 40, die meisten waren angespannt, hat der Senior beobachtet. Vielleicht weil sie aufgrund vermuteter Hyperintelligenz viel von sich und vom Leben erwarten.

Wer intelligent ist, ist nicht automatisch erfolgreich

Doch ein Superhirn zu haben, heißt nicht automatisch supererfolgreich zu sein, wissen Mensaner wie Jan Haase, Lokalsekretär für das Rhein-Main-Gebiet. "Akademiker und Studierende machen bei Mensa genauso mit wie Köche, Hausfrauen und Arbeitslose. Es gibt auch Hochintelligente, die vieles im Leben nicht richtig auf die Reihe kriegen."

Mehr Grips zu haben als die meisten ist nicht immer von Vorteil - viele Mensaner und solche, die es werden wollen, wissen das aus leidvoller Erfahrung. Die Umgebung reagiert oft verständnislos bis ablehnend auf die Schnelldenker und ihre manchmal seltsam anmutenden Fragen, Gedankensprünge und Witze.

"Relativitätstheorie - hör auf", mosern Mitschüler, wenn die 19-jährige Jana Kampmann ein Thema anschneidet, das sie interessiert. Darüber grübeln, ob man Hitler auf einer Zeitreise töten sollte, wenn man könnte? Absurd, finden Altersgenossen. Gesprächspartner für Anspruchsvolles findet die Abiturientin in spe fast ausschließlich unter Mensanern, mit denen sie befreundet ist. Deshalb will sie jetzt selbst dazugehören.

Ob ihr Testergebnis dafür reicht, erfährt die junge Frau aus Neuenrade im Sauerland in zwei Wochen. Liegt ihr Intelligenzquotient zwischen 130 und 145, flattert der Aufnahmeantrag für Mensa per Post gleich mit ins Haus. Für einen IQ zwischen 125 und 129 gibt's den Trostpreis: einen weiteren kostenlosen Test frühestens ein halbes Jahr später - als zweite Chance.

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