Typologie der Festivalgäste: Vandalen, Jünger und Choleriker

Der Jünger: Es gibt nur diese eine Band

Die Toten Hosen, Götter aus Düsseldorf: Kaum eine Band hat so viele Jünger Zur Großansicht
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Die Toten Hosen, Götter aus Düsseldorf: Kaum eine Band hat so viele Jünger

Sein Blick ist verengt, seine Wahrnehmung ein Tunnel. Freundlich denkende Zeitgenossen sagen, er sei spezialisiert. Realisten sagen, er sei beschränkt. Von allen Bands auf dem Festival interessiert ihn nur die eine. Der Campingplatz ist für ihn lediglich ein Wartezimmer, in dem er Tage verbringt, bis endlich die Stunde seiner Götter anbricht. Ein Wartezimmer, in welchem er allen anderen Patienten ohne Unterlass mit Lobpreisungen seiner Idole in den Ohren hängt.

"Ist er nicht der Geilste?"

Es ist sehr anstrengend, einen Jünger in der Gruppe zu haben. Der Jünger ist humorlos und völlig frei von Sachverstand. Nur ein Jünger kann behaupten, der Schlagzeuger seiner Lieblingsband sei automatisch auch der beste Schlagzeuger der ganzen Welt. Aber von einem Jünger kann man auch lernen: Er erinnert einen daran, wie es ist, so begeistert zu sein wie ein Kind, das seine Hörspielkassetten zwanzigmal hintereinander abspielt.

Man bekommt Lust, von seiner Lieblingsband auch einfach mal alles zu sammeln. Jedes Album in jedem Format. Soloalben der Musiker. Sogar alle Platten von anderen, auf denen sie jemals mitgespielt haben. Das wäre doch ein handfestes Sammelkonzept, ein Stammbaum von Musik mit einer fünfköpfigen Band als Quelle, sich verzweigend in unendlich feine Verästelungen.

Der Jünger ist nur wegen einer Band hier, heute Nacht um 23.30 Uhr und dann grölt er vor der Hauptbühne "Zehn kleine Jägermeister" mit, stupst seinen Nachbarn an, zeigt auf Breiti und sagt: "Ist er nicht der Geilste?"

Lieder für Jünger:

Was tun, wenn du einem Jünger begegnest?

Widersprich ihm nicht in seinem Wahn. Lass dich zum Spaß darauf ein. Geh mit zu Konzerten, die du dir sonst nicht ansehen würdest, und versuche, genauso begeistert zu sein wie er. Es ist eine Erfahrung.

Das Motto des Jüngers:

"Meine Jungs sind meine Religion."

Die Vandalen: Nachts wird es gefährlich

Der Neunziger-Jahre-Kinnbart: Es sollte immer NOFX da sein

Der Kümmerer: Immer helfen, weil es sonst niemand tut

Der Flirter: Hauptsache er riecht gut

Die Statue: Wann steht der Mann vom Stuhl auf?

Der Choleriker: Endlich ein Grund zu zetern

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insgesamt 35 Beiträge
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    Seite 1    
1. es fehlt ein Typ
steintor 01.06.2012
es fehlt noch ein Typ: der alte Sack, der nicht alt werden und weiter rocken will....der bin ich...und ich gehe heute zu Rock im Park, mein Bus steht schon drin :-)
2. Blödsinn
bösergutmensch 01.06.2012
selten so einen Blödsinn über Festivals gelesen. ich glaube der Autor war noch nie auf einem...
3.
Lexington67 01.06.2012
Zitat von steintores fehlt noch ein Typ: der alte Sack, der nicht alt werden und weiter rocken will....der bin ich...und ich gehe heute zu Rock im Park, mein Bus steht schon drin :-)
me too... See you in Wacken, Rain or shine
4. optional
philbird 01.06.2012
Ich wette, dass der Autor noch nie auf einem Festival war oder zumindest nicht freiwillig. Peinliche Ansammlung von Klischés die von aussen so wirken mögen, aber dem Realitätstest in keinster Weise stand halten.
5. wieder mal
Christofkehr 01.06.2012
so ein richtiges Party-Geschenk-Mitbringsel-Buch. Macht sich gut in der WC-Bibliothek.
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Zur Person
  • Sylvia Witt
    Oliver Uschmann, 34, besucht seit Jahren Festivals im ganzen Land - früher als Fan und nun als Journalist und Schriftsteller. Er hat mehrere Jugendbücher und einen satirischen Männerratgeber geschrieben. Außerdem schuf er gemeinsam mit seiner Frau Sylvia Witt die Romanserie "Hartmut und ich". Das Künstlerpaar wohnt in Herbern in Nordrhein-Westfalen.
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