Der Kümmerer zwingt seine Fürsorge den Menschen auf. Er ist süchtig danach, ihnen Dinge abzunehmen, von denen sie nicht wussten, dass sie sie überhaupt tun wollten. Seine Arbeit beginnt Monate vor dem Festival, wenn er für alle seine Freunde Tickets kauft. Sie selbst haben keine Zeit dafür, denn sie gehören, wie sie betonen, "zur arbeitenden Bevölkerung". Das heißt, sie haben Chefs.
Der Kümmerer ist sein eigener Chef, meistens Student im fünften Semester, oder er ist Selbstständiger mit kleiner Firma im Bereich Design, Medien oder Kultur, rund um die Uhr am Schreibtisch oder am Handy. Der Kümmerer macht grundsätzlich alles selbst und er ist gut zu seinen Kunden. Seine Freunde sind noch unentschlossen, ob sie in acht Monaten überhaupt zum Festival gehen sollen, doch der Kümmerer streckt beherzt 350 Euro vor.
Neun Einzelfahrten von zwölf Uhr mittags bis elf Uhr abends
Natürlich wird seine Sucht ausgenutzt. Eine Woche vor Veranstaltungsbeginn bringen seine Freunde ihm Zelte, Taschen, Grills und Bierdosenpaletten vorbei, da nur er allein Zeit hat, bereits am Donnerstagabend anzureisen - mit sieben Zelten, elf Taschen, zwanzig Paletten Bier und einem Pavillon.
Ist es dem Kümmerer schließlich bis elf Uhr abends gelungen, alle Sachen zur Zeltwiese zu schaffen, beginnt er auf der Stelle, das Lager aufzubauen. Dabei stellt er fest, dass kein einziges der ihm mitgegebenen Zelte vollständig ist. Bei dem einen fehlt die Stange, das andere ist völlig ohne Heringstüte und beim dritten findet sich nicht einmal ein Zelt in der Zelttasche, sondern ein zusammengeknüllter Regenparka inklusive sieben Kugelschreibern und einem Notizzettel. Der Kümmerer versucht dennoch sein Glück und fällt gegen fünf Uhr morgens erschöpft in sein eigenes Zelt.
Um zwölf Uhr mittags wecken ihn schließlich die Stimmen seiner angereisten Freunde, die feixend zwischen den Torsi stehen und ihm mit der Fußspitze gegen die Hacken stupsen. "Hey!", rufen sie, grinsen ihm in das zerknautschte Gesicht, deuten mit der Bierdose in der Hand zu den schrumpeligen Zelten und fügen hinzu: "Was ist das denn? Moderne Kunst?" Der ehemalige Sitznachbar von der Uni berührt ein Zelt mit der Fingerspitze, es bricht in sich zusammen, er sieht ihm auf seinem Weg gen Boden nach wie einem schnurrenden Ballon, aus dem die Luft entweicht, und sagt: "Wenn man dir mal was überlässt, ehrlich!"
Lieder für Kümmerer:
"Es macht ja sonst keiner."
Was tun, wenn du einem Kümmerer begegnest?
Bekräftige ihn darin, wie tragisch es ist, dass er grundsätzlich alles alleine machen muss... und dann lass ihn dein Zelt aufbauen!
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