Typologie der Festivalgäste: Vandalen, Jünger und Choleriker

Der Flirter: Hauptsache er riecht gut

Der Flirter: Du magst die Delfonics? Verrückt, ich liebe sie Zur Großansicht
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Der Flirter: Du magst die Delfonics? Verrückt, ich liebe sie

Es gibt auf dem Festivalgelände sogar Charmeure. Wo die Mehrzahl der Männer lallende Lärmdrohnen oder vergebene feste Freunde sind, stechen sie als gut duftende Diamanten mit wachem Blick aus der Menge hervor. Jedes paarungswillige Weibchen reagiert auf ihre Präsenz. Sie fallen auf wie Vampire, die im Sonnenlicht zu glitzern beginnen.

Ähnlich wie ein guter Musiker plant der Flirter seinen Auftritt minutiös, lässt ihn aber so wirken, als schüttele er ihn spontan aus dem Handgelenk. Für die geplanten Affären hat er ein Zelt abseits aller Barbaren, Vandalen und Kegelclubs errichtet. Für den Fall, dass er keinen Fang macht, übernachtet er heimlich in einem nahe gelegenen Hotel, um am nächsten Tag im Vergleich zu allen anderen wieder geheimnisvoll gut zu riechen.

Der Flirter lebt nicht von seinem Aussehen, sondern von seiner Erfahrung, seinem Selbstbewusstsein und seiner Fähigkeit, mit den Frauen echte Gespräche zu führen. Optisch ist er meistens eine Mischung aus Justin Timberlake, Matt Damon und Eminem, also ein Hybride aus Coolness, Hundeblick und Dreistigkeit.

Er tastet die Vorlieben der Frauen ab

Der Drink, den er mit der auserkorenen Dame am Cocktailstand nimmt, ist meistens sein erster. Ist er nach mehreren erfolglosen Versuchen zu betrunken, um weiterzumachen, bricht er die Aktion ab. Das kommt allerdings nie vor. Die Frauen schätzen an ihm seine erwachsene Überlegenheit gegenüber all den mentalen Fünfzehnjährigen um sie herum.

Geschmacklich legt sich der Flirter nicht fest, hat aber sichere Kenntnisse aller Bands aus dem Programm. Er tastet die Vorlieben der Frau, die er verführen will, ab, lobt ihren Geschmack und bekennt sich selbst zu coolen Soulklassikern wie Marvin Gaye, Curtis Mayfield und Sly & The Family Stone oder persönlichkeitsstarken Sängerinnen wie Lauryn Hill und Erykah Badu.

Die Frauen, die sich auf ihn einlassen, spüren, dass es für ihn Wichtigeres gibt als stilistische Grabenkämpfe. Er hat eine Meinung, aber er zieht seine Identität nicht daraus, lieber verwendet er seine Energien auf knisternde Momente und guten Sex. Ist er besonders gut drauf, spannt er den Kerlen vom Zeltplatz sogar ihre Freundinnen aus.

Lieder für Flirter:

Was tun, wenn du einem Flirter begegnest?

Wenn du alleine da bist - beobachten und lernen. Wenn du mit Freundin da bist - ganz schnell die Achseln pudern und den eigenen Charme hinter dem Sodbrennen wiederfinden.

Das Motto des Flirters:

"Wer vorher sündigt, schläft nachher besser."

Die Vandalen: Nachts wird es gefährlich

Der Jünger: Es gibt nur diese eine Band

Der Neunziger-Jahre-Kinnbart: Es sollte immer NOFX da sein

Der Kümmerer: Immer helfen, weil es sonst niemand tut

Die Statue: Wann steht der Mann vom Stuhl auf?

Der Choleriker: Endlich ein Grund zu zetern

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insgesamt 35 Beiträge
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    Seite 1    
1. es fehlt ein Typ
steintor 01.06.2012
es fehlt noch ein Typ: der alte Sack, der nicht alt werden und weiter rocken will....der bin ich...und ich gehe heute zu Rock im Park, mein Bus steht schon drin :-)
2. Blödsinn
bösergutmensch 01.06.2012
selten so einen Blödsinn über Festivals gelesen. ich glaube der Autor war noch nie auf einem...
3.
Lexington67 01.06.2012
Zitat von steintores fehlt noch ein Typ: der alte Sack, der nicht alt werden und weiter rocken will....der bin ich...und ich gehe heute zu Rock im Park, mein Bus steht schon drin :-)
me too... See you in Wacken, Rain or shine
4. optional
philbird 01.06.2012
Ich wette, dass der Autor noch nie auf einem Festival war oder zumindest nicht freiwillig. Peinliche Ansammlung von Klischés die von aussen so wirken mögen, aber dem Realitätstest in keinster Weise stand halten.
5. wieder mal
Christofkehr 01.06.2012
so ein richtiges Party-Geschenk-Mitbringsel-Buch. Macht sich gut in der WC-Bibliothek.
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  • Sylvia Witt
    Oliver Uschmann, 34, besucht seit Jahren Festivals im ganzen Land - früher als Fan und nun als Journalist und Schriftsteller. Er hat mehrere Jugendbücher und einen satirischen Männerratgeber geschrieben. Außerdem schuf er gemeinsam mit seiner Frau Sylvia Witt die Romanserie "Hartmut und ich". Das Künstlerpaar wohnt in Herbern in Nordrhein-Westfalen.
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