Uni-Bibliotheken: Wie am Pool von Mallorca

Von Kathrin Breer

Sachen abwerfen, schönsten Platz reservieren, erstmal Kaffee trinken - was Hotelgästen das Handtuch auf der Liege, ist manchen Studenten der Bücherstapel auf dem Tisch. Die Bibliotheken setzen auf Erziehung: mit Parkscheiben als Anti-Blockier-System, "Homezones" und Lärm-Ampeln.

Pausenscheibe mit Erziehungswirkung: Die Unibibliotheken lassen sich einiges einfallen Zur Großansicht
Judith Väth

Pausenscheibe mit Erziehungswirkung: Die Unibibliotheken lassen sich einiges einfallen

Der Student in seinem natürlichen Lebensraum, der Bibliothek, neigt zu fiesem, rüdem, egoistischem Verhalten. Da sind die BWLer, die kurz vor der Klausur die Kopiervorlage der Formelsammlung aus dem Semesterapparat verschwinden lassen. Oder Jura-Studenten, die voreinander die examensrelevanten Gesetzbücher verstecken. Schön ist das nicht und führt dazu, dass manche Bibliotheken inzwischen Büchersucher beschäftigen, die verschollene Literatur aufspüren.

Sicher, solche Rüpel sind die Ausnahme. Aber Unibibliotheken sehen sich genötigt, erzieherisch auf ihr Lese- und Ausleihpublikum einzuwirken. Längst haben sie sich gewandelt, vom verstaubten Bücherkeller zum modernen Dienstleister. Mit eBooks und Digitalisierung verhindern sie, dass sich Studenten mit geklautem Klausurmaterial einen Vorteil bei der Prüfung verschaffen. Und die Nutzer können per Mausklick viele Angebote vom heimischen Schreibtisch aus ansteuern.

Trotzdem pilgern zahlreiche Studenten aus Überzeugung in die Büchertempel. Denn im Lesesaal können sie sich besser konzentrieren. Und zu Hause dräut das studentische Trendleiden Prokrastination alias Aufschieberitis, schließlich sind dort Kühlschrank, Fernseher und Telefon stets in Reichweite.

Wirtschaftsinformatikstudent Carsten Bubbich, 23, verbringt wegen seiner Bachelorarbeit an manchen Tagen acht bis zehn Stunden in der Bibliothek. Hier ist er nicht so abgelenkt und findet es gut, seine Lebensbereiche klar zu trennen: "Zuhause ist Freizeit, in der Bibliothek ist Arbeitszeit."

Die vollgepackten Stundenpläne der Generation Bologna lassen es oft nicht zu, zwischen zwei Vorlesungen nach Hause zu fahren. "Für manche Studenten werden die Hochschulbibliotheken zu primären Lebensräumen, in denen sie in Prüfungsphasen zum Teil mehr Zeit als in ihrem Wohnheim verbringen", sagt Steffen Wawra vom Deutschen Bibliotheksverband und schwärmt: "Bibliotheken werden zu lebendigen Lernorten, zu Orten der Kommunikation."

Die meisten treibt der Wunsch nach einem festen Arbeitsplatz, für manche ist die Bibliothek die ideale Flirtbörse. Zu viel Kommunikation ist aber auch nicht gut: Die Lautstärke im Lesesaal kann zum Problem werden, der Platzmangel ohnehin. Beides versuchen die Bibliotheksleitungen in den Griff zu bekommen und setzen mitunter auf sonderbare Ideen, um den Wohlfühlfaktor zu erhöhen - ein kleiner Rundflug durch Deutschlands Unibibliotheken.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. In der Bib habe ich es nie lange ausgehalten
README.TXT 04.01.2011
Ich fand das immer grässlich, wie man dort arbeiten konnte werde ich nie verstehen. Bücher dort leihen/kopieren ok aber tagelanges Arbeiten? Für mich undenkbar.
2. .
Zanilla 04.01.2011
Zitat von README.TXTIch fand das immer grässlich, wie man dort arbeiten konnte werde ich nie verstehen. Bücher dort leihen/kopieren ok aber tagelanges Arbeiten? Für mich undenkbar.
Es war auch grässlich. Aber ich bin trotzdem immer gegangen, um meine Diplomarbeit dort zu schreiben. Grund: dort MUSSTE man was tun. Daheim war man zu sehr abgelenkt mit Dingen, die Spass machten ;)
3. Man könnte dort auch gleich Betten aufstellen
Burkhard58 04.01.2011
Wieder mal das Loblied auf die "24-Stunden-Bbliothek". Von natürlichem Lebensrythmus keine Spur. Demnächst also, hat die Bibliothek Ruheräume. Warum nicht gleich Betten aufstellen und auch Essbereiche und Duschräume einrichten?
4. re
HerrDerSchatten, 04.01.2011
Zitat von Burkhard58Wieder mal das Loblied auf die "24-Stunden-Bbliothek". Von natürlichem Lebensrythmus keine Spur. Demnächst also, hat die Bibliothek Ruheräume. Warum nicht gleich Betten aufstellen und auch Essbereiche und Duschräume einrichten?
Das kleine Problem ist, dass viele Studenten keinen normalen Tagesrythmus haben, z. B. wegen Arbeit oder absonderlichen Zeiten für die Kurse. Also finde ich es sinnvoll, dass die Bibos sich anpassen. Wa mich eher nervt ist dieses alte "Bibos müssen ganz ruhig sein"-Klischee, es wäre manchmal besser halblaute Arbeitsräume zu schaffen.
5. 24h-Bibliotheken
Nania 04.01.2011
Die Öffnungszeiten von den Hauptbibliotheken vienler Unis sind schon sehr lange. Ich kann nicht verstehen, dass es angebliche Studenten geben soll, die nachts um 2 Uhr meinen, lernen zu müssen. Ich arbeite selbst als HiWi in einer Institutsbibliothek, die auch Lern- und Gruppenlernräume/plätze anbietet. Wir öffnen morgens um halb neun und schließen abends um halb acht. Fünf Tage die Woche - keine Mittagspause. Die meisten anderen Bibliotheken haben hingegen jeden Tag andere Öffnungszeiten, manchmal schließen sie aus Gründen schon zwei Stunden früher. Dennoch darf ich mir manchmal anhören, warum wir denn so früh schließen... Das wir natürlich auch arbeiten müssen, während die anderern lernen "können" scheint dort niemanden zu interessieren - und wir sind schließlich auch Studenten. Ich kann durchaus verstehen, dass man sich lieber in andere Räume zurückzieht, als in den eigenen vier Wände um zu lernen (ich gehöre allerdings nicht dazu). Allerdings ist es mir ein Rätsel - und das wirklich - wieso Leute tag täglich zehn Stunden in der Bibliothek sind. Im letzten Jahr musste ich Dienstags sowohl Morgens, als auch Abends arbeiten. Da sind Leute, die sind mit mir morgens angekommen und abends mit mir gegangen. Ob die da die ganze Zeit lernen kann ich nicht sagen. Ich weiß auch, dass es durchaus Studiengänge mit sehr unterschiedlichem Lernaufwand gibt - und unterschiedlichen Anforderungen. Aber meiner Meinung nach muss kein normaler Student jeden Tag 10h in einer Bibliothek zu bringen. Bibliotheken sollten allerdings in JEDEM Falle gegen Studenten vorgehen, die Bücher "hamstern", "verstecken" und Wochen lang für sich behalten. Extrem nervig ist es auch, wenn Studenten Plätze besetzten, aber dann tatsächlich gar nicht da sind.
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