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Uni-Schlüsselfigur Vizechef Eminenzen im Hintergrund

Gestatten, Vize: Die Mächtigen im Hintergrund
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Universität Duisburg-Essen

2. Teil: Putschgefahr: Wie stark darf der Vize sein?

Der Fall Hamburg macht den Machtzuwachs deutlich. Doch wie stark darf oder soll ein Vize sein? Prof. Dr. George Turner, ehemaliger Wissenschaftsenator des Landes Berlin, Ex-Unipräsident und profilierter Vordenker für Managementstrukturen im Hochschulbereich, betont heute: "Es darf nicht so sein, dass sich auf der Ebene der Vizepräsidenten ein Eigenleben entwickelt." Turner hält deshalb auch nichts von einer allzu üppigen Ausstattung etwa mit eigenen Referenten. "Ein Vizepräsident muss ein Büro haben, aber keinen eigenen Apparat", sagt Turner.

Auch die Oldenburger Unipräsidentin Simon ist sich des Konfliktpotenzials durch allzu mächtige Stellvertreter bewusst und steuert gegen: Während ihr Vorgänger in Oldenburg einem Vizepräsidenten das komplette Berufungsmanagement überließ, macht Simon diese Aufgabe wieder zur Chefsache "Die Berufung ist ein fundamentaler strategischer Entscheid und für mich eine ganz zentrale Aufgabe, die ich selbst übernommen habe", betont Simon. Und Darmstadts TU-Chef Prömel macht klar: "Ich versuche starke Vizepräsidenten zu haben und ich erwarte, dass sie mir auch sagen, welche meiner Vorhaben aus ihrer Sicht nicht opportun sind. Aber wenn wir uns auf eine Linie geeinigt haben, dann erwarte ich, das diese von allen nach außen vertreten wird."

Gebraucht werden also führungsstarke, aber loyale Persönlichkeiten. Doch wie findet man die richtigen Leute? Früher, erinnert sich Turner, wurde bei der Stellenbesetzung vor allem auf die politischen Mehrheitsverhältnisse in der Hochschule geschielt - nach dem Muster "zwei rechts - zwei links". Das gilt als überholt. "Heute, wo es um Ressorts geht, sind statt politischer Macht eher Kompetenzen gefragt", sagt Turner und fügt hinzu: "Ein geeigneter Kandidat fällt durch besonders sachliche Beiträge etwa zur Lehre, zur Forschung oder Internationalisierung auf und er muss die Befähigung zur Hochschulleitung haben."

Wenn der Dozent und Forscher plötzlich Geld und Personal verwaltet

Simon suchte sich für den Job als Vize Leute, die "leitungserfahrene Persönlichkeiten sind, in Forschung und Lehre ausgewiesen und national und international vernetzt sind". Zudem sollten sie "mit der Arbeit in Hochschulgremien vertraut sein, über Empathie und Verhandlungsgeschick verfügen und in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen gesamtstrategisch für die Universität denken." Kandidaten, die diesen Kriterien entsprechen, sind rar. Gesucht wird nach ihnen in der Regel im uniinternen Pool von profilierten Forschern und Hochschullehrern.

Das genau ist aber auch der Punkt, an dem sich Kritik entzündet. "Es wird gefragt, wie jemand, der bislang Forschung und Lehre gemacht hat, nun qualifiziert einen Teil der Verwaltung führen kann. Das sind unter anderem Aufgaben, für die früher ein Kanzler auf Lebenszeit zuständig war", erklärt CHE-Chef Ziegele. Hinzu kommt, dass das Vizeamt meistens nur nebenamtlich geführt wird. Die übrige Zeit versucht der Stelleninhaber weiter seine Forschungsarbeit zu betreiben. Eine Konstruktion, die zu Frust in beiden Arbeitsbereichen führen kann. Deshalb empfiehlt Ziegele: "Mit der Verantwortung, die damit verbunden ist, muss das Vizepräsidentenamt auf jeden Fall hauptamtlich geführt werden."

Das jedoch schreckt gerade geeignete Wissenschaftler ab, die ihre Forscherkarriere nicht für ein paar Jahre in der Hochschulverwaltung an den Nagel hängen wollen. Viele von ihnen wollen den Kontakt zur Wissenschaft nicht verlieren, um möglichst reibungslos wieder dorthin zurückkehren zu können. Turner plädiert deshalb sowohl für neben als auch für hauptamtliche Vize: " Man sollte nicht zu dogmatisch sein, sondern genügend Spielraum lassen, um geeignete Kandidaten von vornherein nicht auszuschließen."

Besonders die Headhunter wissen, wer wo Vize ist

Unipräsidentin Simon weiß, dass viele Vizepräsidenten nur eine Amtszeit - also je nach Hochschule für drei oder vier Jahre - zur Verfügung stehen möchten, "um den Anschluss an die Wissenschaft nicht zu verlieren." Sie selbst wie auch ihre Kollegen Hans-Jürgen Prömel und Jörg Steinbach entdeckten aber die Managementpassion, arbeiteten zwei Amtzeiten als Vize, bevor sie Unipräsidenten wurden.

Für diese Option macht sich auch CHE-Chef Ziegele stark. Er weiß, dass die Karrieremöglichkeiten im Wissenschaftsmanagement heute dynamischer und durchlässiger sind. Zwar sei es hierzulande noch nicht wie etwa in Neuseeland: "Da wurde die Managementkarriere schon vor Jahren in der Scientific community als selbstverständlich angesehen", sagt Ziegele. Dennoch erfährt die Laufbahn im Wissenschaftsmanagement einen Reputationszuwachs. Perspektiven bieten sich für die Vize nicht nur an der Unispitze, sondern auch in der Politik oder in internationalen Institutionen. So wie etwa bei Prof. Dr. Barbara Ischinger. Bevor sie Direktorin des Bildungsdirektorats der OECD wurde, war sie fünf Jahre Vizepräsidentin der Humboldt-Universität Berlin.

Weil die Hochschulvizepräsidenten eine exponierte Stellung einnehmen, will das CHE ab 2011 erstmals einen eigenen Weiterbildungsworkshop für sie anbieten. Noch sondieren die Experten die Bedürfnisse der Zielgruppe. Klar ist aber schon jetzt: die Vizepräsidenten geraten als Topmanager auch zunehmend in den Fokus von externen Personalprofis, die auf der Suche nach erstklassigen Führungskräften sind und diese unverhohlen für neue Arbeitgeber weglocken. Ohne diese diskreten Abwerbeprofis hätte vielleicht auch die Uni Oldenburg bis heute keine neue Präsidentin. Denn auch Prof. Dr. Babette Simon erregte als Vizepräsidentin der Universität Marburg die Aufmerksamkeit eines Headhunters und wurde von ihm nach Oldenburg geholt.

Christine Xuân Müller ist duz-Redakteurin

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